16.05.2019 - 16:31 Uhr
PfreimdOberpfalz

Moritz sucht seinen Helden

Der sechsjährige Moritz aus Pfreimd ist an Blutkrebs erkrankt. Eine Stammzellspende ist seine einzige Überlebenschance. Ein Helferkreis setzt alle Hebel in Bewegung, damit das klappt.

Der sechsjährige Moritz aus Pfreimd soll auf Wunsch der Eltern möglichst anonym bleiben - und doch potenzielle Stammzellenspender auf den Plan rufen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Der sechsjährige Moritz aus Pfreimd ist ein liebenswerter Junge, der beim Aushecken von Streichen vor Vergnügen quietscht, zu dem Lied ,So a schöner Tag‘ begeistert tanzt und leidenschaftlich gern ins Schwimmbad geht." So viel verrät eine Pressemitteilung der DKMS über den Buben, der an Blutkrebs erkrankt ist. DKMS steht für Deutsche Knochenmark-Spender-Datei, eine gemeinnützige Organisation, die vor 26 Jahren den Kampf gegen Blutkrebs aufgenommen hat.

"Den Moment zu beschreiben, in dem man diese Diagnose für sein kleines, unbeschwertes Kind erhält, fällt sehr schwer. Unser Kinderarzt hat es gut getroffen: Es ist grausam", erzählt Moritz‘ Mama. "Moritz geht es den Umständen entsprechend gut, aber es gibt Momente, in denen man ihm ansieht, dass er versucht, Angst und Tränen zu unterdrücken. Wir versuchen wohl beide stark zu sein und müssen jetzt schneller sein als die Krankheit." Denn Moritz kann nur überleben, wenn es – irgendwo auf der Welt – einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellspende bereit ist.

"Moritz sucht seinen Helden", lautet deshalb die Schlagzeile über einem Flugblatt, das derzeit in den Sozialen Medien die Runde macht, und die Aktion hat auch schon einen Schirmherrn gefunden: den Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler. Er ist schon seit einigen Jahren in der Stammzellspender-Datei registriert. "Moritz braucht definitiv einen Stammzellspender", erklärt Laura Riedlinger, Aktionsbetreuerin bei DMKS, mit Chemotherapie und Bestrahlung sei dieser speziellen Krebsart nicht beizukommen. Fast jedes Wochenende gibt es in Deutschland eine ähnliche Aktion, rein statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, jemals als Stammzellspender für irgendeinen Patienten ausgewählt zu werden, bei einem Prozent. Doch für Moritz sind die Chancen größer: Für 9 von 10 Patienten gibt es einen passenden Spender", berichtet Riedlinger. Der Junge aus Pfreimd wird zwar vielleicht nicht von einer für 2. Juni geplanten Registrierungsaktion in Pfreimd profitieren, aber vielleicht hilft sein Fall einem anderen Patienten weiter – und umgekehrt.

Wer ein Gesicht sieht, ein Einzelschicksal, vor allem, wenn es sich um ein Kind handelt, ist eher bereit, bei der Suche nach einem Spender mitzumachen. Erst recht trifft das auf alle zu, die Moritz kennen, unter ihnen Ergotherapeutin Verena Schottenheim. Sie steht im Zentrum des sechsköpfigen lokalen Helferkreises, bei dem die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. Sie ist die Mittlerin zwischen Öffentlichkeit und der betroffenen Familie, deren Namen nicht einmal der Bürgermeister kennt. "Für den Tag der Typisierung brauchen wir aber noch viel mehr Helfer", gibt Stefanie Bauer aus Stulln zu bedenken, die sich zum ersten Mal für so eine Aktion engagiert. Sie rechnet mit etwa 40 Freiwillige, die bei der Typisierungsaktion helfen, und hofft auf viele Spenden, um das Ganze auch zu finanzieren. "Mund auf und Stäbchen rein, das ist nur eine Sache", stellt sie klar. "Die andere ist es, die Kosten dafür zu stemmen." Deshalb will der Helferkreis auch Firmen aus der Region mit ins Boot holen.

Um Moritz und allen anderen Patienten weltweit zu helfen, organisieren die Freunde der Familie zusammen mit der DKMS die Registrierung in der Landgraf-Ulrich-Halle in Pfreimd.

Denn allen ist klar, was die Mutter von Moritz hier auf den Punkt bringt: "Es kann jeden von uns treffen. Uns selbst, vor allem aber die, die uns am liebsten sind. Dafür müssen wir uns registrieren lassen. Für sie. Denn mit jeder Registrierung gibt es einen potenziellen Lebensretter mehr. Einer, der die retten kann, die wir lieben."

Info:

Registrierungsaktion am 2. Juni

Freunde von Moritz' Familie organisieren am Sonntag, 2. Juni, von 11 bis 16 Uhr zusammen mit der DKMS eine Registrierungsaktion in der Landgraf-Ulrich-Halle in Pfreimd. Die DKMS ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tübingen. Gegründet wurde sie 1991. Damals gab es in ganz Deutschland nur etwa 3000 potenzielle Stammzellspender, die registriert waren. Die zentrale Verwaltung der Daten aller deutschen Dateien obliegt dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschlands (ZKRD) in Ulm, über das auch sämtliche Suchläufe für potenzielle Stammzellspender für Patienten mit einer Erkrankung des blutbildenden Systems in Deutschland abgewickelt werden. Eine Typisierung kostet derzeit 35 Euro, die DKMS ist deshalb auch auf Spenden angewiesen. Wer Geld spenden will, kann dies tun bei der Commerzbank unter IBAN: DE65700400608987000082 (Verwendungszweck: Moritz).

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