Da staunt sogar die Partyband, wenn das "Narrenvolk" von Pfreimd bei strömendem Regen nicht nur passiv am Straßenrand auf Bonbons wartet, sondern tropfnass vor der Bühne tanzt. In 25 Jahren hat sich der Pfreimder Faschingszug samt anschließender Party so gut etabliert, dass ihm auch eine schlechte Wetterprognose wie im vergangenen Jahr nichts anhaben kann.
Die Zuschauer jubeln den vorbeifahrenden Motto-wagen zu, die seit 15 Jahren immer mehr geworden sind. Sie rücken mit Tüten und Schirmen an, um Bonbons zu ergattern und lassen sich mitreißen von überbordender Fantasie und einer Armee von Lautsprechern. "Ganz am Anfang gab es nur einen Bollerwagen, mit dem ein paar Leute durch die Straßen gezogen sind", erinnert sich Mirko Hägler, dem sein Vater Josef den Job des Organisators "vererbt" hat. "Damals haben alle komisch geschaut, aber es haben sich doch einige auf dem Marktplatz versammelt", berichtet er, "das hat sich dann hochgesteigert". "Brutstätte für diesen Spaß war die Werbegemeinschaft mit engagierten Unternehmern. Laut Hägler, der inzwischen Vorsitzender ist, war das ursprünglich ein kleines Häufchen, das sich zusammengefunden hatte, um gemeinsam in der Zeitung zu inserieren. "Ohne Unterstützer geht so etwas nicht", stellt der 44-Jährige klar. Längst ist dabei die zweite oder sogar dritte Generation am Ruder, wenn Piratenschiffe ablegen und Hippie-Kolonien oder gekrönte Häupter samt Gefolge durch die Pfreimder Straßen ziehen. Eine Menge, etwa halb so groß wie die Pfreimder Bevölkerung, lässt sich dieses Spektakel nicht entgehen. So richtig Schwung bekommen hat der Faschingszug nach Einschätzung von Hägler durch eine wesentliche Investition der Werbegemeinschaft: Sie hat es vor etwa einem Jahrzehnt riskiert, eine Band wie die "Stoapfälzer" zu engagieren, seither hat das Faschingsfinale bei Mitwirkenden und Gästen einen festen Platz im Terminkalender.
Laune mit Folgen
"Das Ganze ist aus einer Laune heraus entstanden, aber jetzt ist die Grenze erreicht", meint der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, der dabei auch miterlebt hat, wie es immer schwieriger wurde mit Genehmigungen und Auflagen, alles im Dienst der Sicherheit. 50 Stunden Vorarbeit sind da mit Sicherheit fällig, "alles unter der Zeit, denn die Ämter haben ja abends nicht mehr auf", schildert Hägler die nicht ganz so lustige Seite des Treibens am Faschingsdienstag mit etwa 30 Gruppen und zehnmal so vielen aktiven Teilnehmern.
Die 500 Kilogramm Bonbons, die dann auf die Zuschauer niederregnen, müssen erst einmal vorfinanziert werden. Seit Dezember stapeln sich außerdem Tüten mit Popcorn und Chips im Keller des Elektrogeschäfts Hägler. Wer sich hier bedient, kann etwas in die Spendenbox werfen. Was nach Abzug der Unkosten an Einnahmen übrig bleibt, wird aber nicht für Konfetti und Co. verpulvert, sondern für einen guten Zweck gespendet. "In 25 Jahren ist da wahrscheinlich schon eine Summe von 75 000 Euro zustande gekommen", hat Hägler nachgerechnet.
Fluch und Helfer
Wenn er so zurückdenkt an die bunten Kreationen, die im Laufe von 25 Jahren an den Zuschauern in Pfreimd vorbeigezogen sind, ist ihm als Highlight vor allem das Piratenschiff der Feuerwehr Iffelsdorf in Erinnerung geblieben: Der "Fluch der Karibik" hatte Pfreimd erreicht. Und noch etwas begeistert den 44-Jährigen immer wieder, nämlich "dass der Landrat meine Schicht in der Bar übernimmt". Im Ausschank-Zelt habe Landkreis-Chef Thomas Ebeling nach der Tour im Faschingszug in den vergangenen Jahren zuverlässig von 15 bis 17 Uhr Schnaps verkauft. "Er kommt zwar nie verkleidet, lässt aber immer einen Scheck da." Hägler selbst tendiert beim Maskieren am liebsten zu bewährten Kostümen: Alle zwei Jahre heißt es bei ihm "Cowboy und Indianer". Heuer beugt er sich dem aktuellen Motto der Werbegemeinschaft, die die 80er Jahre in allen Facetten wieder aufleben lässt. Möglich, dass hier die Schlaghose oder die alte Jogginghose noch einmal einen großen Auftritt hat.
Satt hat Mirko Hägler den Fasching aber auch nach 25 Jahren nicht. "Wenn es keinen Spaß machen würde, dann wäre ich am Rosenmontag mit meinen Kumpels beim Skifahren".
"Rundumadum" am Marktplatz
Der Pfreimder Faschingszug setzt sich am Faschingsdienstag, 25. Februar, um 13 Uhr in Bewegung und zieht über die Bahnhofstraße in Richtung Marktplatz. Von dort bewegt sich der Tross mit etwa 30 Gruppen weiter in Richtung Freyung, dreht an der Abzweigung nach dem Edeka-Markt um und biegt dann an der Haas-Kreuzung Richtung Saltendorf zum Sportplatz ab. Ein Begegnungsverkehr im Bereich des Marktplatzes wäre wegen des Andrangs zu riskant, deshalb haben die Verantwortlichen auch auf Anraten der Feuerwehr seit dem vergangenen Jahr diese Route auf dem Plan. Der Pfreimder Faschingszug ist jeweils der letzte Gaudiwurm der Saison. Bereits am Samstag schlängelt sich der Zug der Maskierten durch Gleiritsch, am Sonntag geht es durch Stulln. "Der Rosenmontag wär noch frei für Nabburg oder Wernberg", scherzt Mirko Hägler vom Pfreimder Organisationsteam, der sich hier nicht in einer Konkurrenz-Situation sieht. Im Gegenteil: Fast von Anfang an marschiert die Stullner Garde auch in Pfreimd mit, seit ein paar Jahren ist außerdem die Nabburger Faschingsgesellschaft mit im Boot. Im Anschluss an den Faschingszug spielt auf der großen Bühne am Marktplatz "Rundumadum", für Verpflegung ist gesorgt. Gegen 19.30 Uhr ist aber Schluss mit dem bunten Treiben, "sonst gibt's bloß Zirkus", weiß Hägler, der stolz ist auf die bislang entspannten und unfallfreien Gaudiwürmer. Ein wenig Zeit brauchen die Organisatoren ja auch zum Aufräumen: Am Aschermittwoch wird der Marktplatz vom Taubenmarkt okkupiert.























































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