Pfreimder Kirwaverein beschert "Kohlhiesels Töchtern" einen Auftritt mit viel Witz

Pfreimd
02.05.2023 - 14:28 Uhr

Kann Spuren von Sarkasmus und derbe Ausdrücke enthalten: Mit dieser Warnung starten die Zuschauer in den Theaterabend beim Pfreimder Kirwaverein. Der entpuppt sich vor allem als witzig.

Erst will die übellaunige Resi (Katharina Wellner) keiner heiraten, dann bekniet sie neben dem mutmaßlichen Heiratsschwindler Leonhard (Max Brunner; links) auch noch Sandkastenfreund Hias (Christian Maier), der eigentlich die flotte Schwester im Visier hatte.

Den Bauernschwank "Kohlhiesels Töchter" hatte sich der Kirwaverein Pfreimd vorgenommen, um nach der Corona-Zwangspause wieder für Spaß auf der Bühne zu sorgen. Ein Stück, das selbst in der erfolgreichsten Verfilmung mit Liselotte Pulver in einer Doppelrolle seine besten Zeiten schon 60 Jahre hinter sich hat. Dass über die üblichen komödiantischen Verwechslungen noch einmal kräftig gelacht werden kann, liegt ganz klar an einer Reihe von gelungenen Gags und Anspielungen auf örtliche Bezüge, die bei der Adaption für 18-köpfiges Ensemble hier eingestreut wurden.

Der Weckruf ins neue Zeitalter von "Kohlhiesels Töchter - mal anders" beginnt mit einem kräftigen Kikeriki, ausgestoßen von einem Darsteller im Plüsch-Kostüm. Noch bevor der Vorhang in der kleinen Schulturnhalle aufgeht zur Premiere, wird eine Schubkarre mit Stroh durch die Zuschauerreihen geschoben. Kurz ist man irritiert, wenn sich im Wirtshaus ein Kellner deutlich an der Vorlage von "Dinner for one" bedient hat, aber das geht vorbei, wenn Bissgurke Resi angesichts der von ihm verursachten Scherben klagt: "Da kommt ja der Seltmann in d'Wein (in Weiden) nicht mehr nach mit der Produktion".

Missverständnisse vorprogrammiert

Es dauert auch nicht mehr lange, bis die Grundkonstellation des Stückes klar wird: Die schöne und begehrte Toni (Enya Irlbacher), frisch eingetroffen von einem Auslandsjahr auf einer australischen Mango-Farm, darf nicht eher heiraten, bis auch ihre gar nicht liebreizende Schwester Resi (Katharina Wellner) unter der Haube ist. So will es nun mal das Testament von Papa Franz Kohlhiesel. Weil gleichzeitig von Mutter Frieda (Eva Brunner) Heiratskandidaten und von Resi Arbeitskräfte fürs bäuerliche Wirtshaus gesucht werden, sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Ein etwas dissonanter Willkommens-Chor hat schnell die Lachmuskeln der Zuschauer gelockert, während die Resi im "Bier-Exen" (Bier auf ex austrinken) mit Rülpser ihr allzu burschikoses Naturell offenbart. Richtig rund geht es aber, als Nikki King (Jakob Wurmstein) als Verkörperung eines modernen Anzeigen-Verkäufers im Hippie-Outfit die Bühne betritt. Er hat den Jargon drauf, der zu Zeiten von Liselotte Pulver noch lange nicht existiert hat. Gestenreich bietet er als Vertreter der Social-Media-Generation Reals und Posts an, preist den Hashtag "Hot Lady" an, und nebenbei auch weißes Pulver "zum Runterkommen oder Draufmachen". Da kennt sich einer aus mit der Vermarktung einer "crazy rich Hotelierstochter" zum Sparpreis von "150 coins".

Für Mamma Frieda ist nur wichtig, dass der Zukünftige kein Wernberger oder "Seiherner" ist. Das Publikum weiß genau, welcher Ort da gemeint ist, auch wenn der Anfangsbuchstabe ausgetauscht wurde. Wie Konfetti regnet es solche Anspielungen auf lokale Fixpunkte in Pfreimd, während sich die Frage stellt, welcher Mann "zwischen Mississippi und Stelzlmühlbach" wohl bereit wäre, die Resi zur Frau zu nehmen: der Schnösel, das Muttersöhnchen oder der Großstädter?

Um die Antwort darauf noch etwas hinauszuzögern, gibt es eine ganze Reihe von Einlagen, vom Duett über "Männer sind Schweine" bis hin zur Polka "Rehragout", bei der die Kirwa-Paare mal ganz flott das zeigen können, was sonst erst bei der Pfreimder Kirchweih im September angesagt ist, das Tanzen. Der Cityroller hat in diesem auf modern getrimmten Stück genauso Platz wie der Melk-Schemmel, auf dem Leonhard (Maxi Brunner) mitten im Saal gewagte akrobatische Verrenkungen beim Melken vollführt. Die Zuschauer in der ersten Reihe müssen es sich schon mal gefallen lassen, als Ochs und Stier eine Statistenrolle einzunehmen, bevor Maxl (Andreas Igl) als pfiffiger Dauerstudent dem Schicksal Beine macht.

Witzige Begegnungen

Zwischendurch ist gar nicht sicher, ober sich das Knäuel an Beziehungen unbedingt in der heterosexuellen Variante auflösen muss. Überhaupt ist das Happy End bei den Kohlhiesels von heute lange nicht so wichtig. Was hängen bleibt, sind die witzigen Begegnungen mit einer Vielzahl überzeichneter Gestalten. Der Applaus gilt am Ende deshalb nicht nur den Akteuren, der Technik und den vielen Helfern, sondern ganz klar auch der künstlerischen Leitung: Anna Wellner, Anna Stubenvoll und Theresia Igl, die für 18 Rollen vieles umschreiben musste. Das konnte dann anschließend beim – im Programm als "Leichenschmaus" angekündigten – gemütlichen Beisammensein nach dem abwechslungsreichen Theaterabend ausführlich diskutiert werden.

Hintergrund:

Ein Bauernschwank neu aufgelegt

  • Vorlage: "Kohlhiesels Töchter", frei nach dem Drehbuch von Hanns Kräly
  • Mitwirkende: Frieda Kohliesel (Eva Brunner), Tochter Resi (Katharina Wellner), Tochter Toni (Enya Irlbacher), Hias (Christian Maier), Maxl (Andreas Igl), Leonhard (Max Brunner), Hofhelferin Magda (Johanna Igl), Anzeigenverkäufer Nikki King (Jakob Wurmstein), Bürgermeisterin Ricarda Schreiner (Anna Hösl), Anni Buchbinder (Luisa Weidner) sowie in weiteren Rollen: Johannes Zeus, Margaretha Paulus, Carola Riedl, Hannes Meißner, Jonas Ries, Michael Hägler und Elias Irlbacher.
  • Weitere Termine: Freitag, 5. Mai, und Samstag, 6. Mai, jeweils 19 Uhr, kleine Turnhalle in Pfreimd
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