14.08.2018 - 10:52 Uhr
PfreimdOberpfalz

Schnelle Hilfe im Wald

Die Waldarbeit zählt immer noch zu den gefahrenträchtigsten Arbeiten. Kommt es zu einem Unfall, zählt jede Sekunde.

Zum sicheren Abtransport wurde der vermeintlich Verletzte bei der Rettungsübung auf eine Schaufeltrage gelegt.
von Richard BraunProfil

Eine Rettungsübung im Stadtforst sollte die Rettungskette-Forst Punkt für Punkt abarbeiten und Schwierigkeiten und Lösungsansätze aufzeigen. Eingeladen hatte dazu die WBV Nabburg-Burglengengfeld, das AELF Schwandorf und die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft.

Besonders Waldbauern und auch Mitglieder von Hilfsorganisationen folgten aufmerksam dem Geschehen und wurden von Forstdirektor Alwin Kleber und Yvonne Wolfrum vom WBV am Schützenheim in Pfreimd begrüßt und eingewiesen. Der Übung lag folgende Ausgangslage zu Grunde: Vater und Sohn gehen zur Waldarbeit. Auf unwegsamen Gelände rutsch der Vater plötzlich aus und stürzt, dabei verletzt er sich an der Wirbelsäule. Er hat kein Gefühl mehr in den Beinen und kann sich nicht bewegen. Es liegt nun am Begleiter, die richtigen Schritte einzuleiten. Zuerst wird vor Ort Erste Hilfe geleistet.

Ein Erste-Hilfe-Kasten muss in jedem Kraftfahrzeug oder Traktor vorhanden sein. Bei Waldarbeiten sollte immer ein funktionsfähiges Handy dabei sein. Bereits vor Arbeitsbeginn eine Platz mit gutem Handyempfang suchen. Jetzt den Notruf über 112 absetzen und der ILS genaue Angaben über den Unfall übermitteln. Dazu gehören: was ist geschehen, wie viele Personen sind verletzt und welche Verletzungen liegen vor.

Die wichtigste Angabe ist jedoch der Ort des Unfalles. Hier kommt den Rettungspunkten eine herausragende Rolle zu. Im Landkreis ist ein überregionales System von Rettungspunkten für Wälder eingerichtet und diese mit Treffpunktschildern gekennzeichnet. Die Rettungspunkte sind an einem verkehrssicheren Ort angelegt, der von den Rettungsdiensten leicht anzufahren ist.

Vor Arbeitsantritt soll jeder im Wald Tätige den nächsten Rettungspunkt kennen und sich die Zahl notieren. Anhand dieser Zahl weiß die integrierte Leitstelle, wohin sie die Rettungskräfte schicken muss. Nach dem Absetzen den Notrufes muss sich die unverletzte Person an den vereinbarten Rettungspunkt begeben und auf die Helfer warten. Nur so können die sie an den Verunglückten herangeführt werden.

Je nach Schwere und Art des Unfalles werden die Feuerwehr, das BRK und die Bergwacht alarmiert. In diesem fiktiven Fall trifft zuerst die Feuerwehr Pfreimd am Rettungspunkt SAD 1028 ein. Die zweite Person führt die Retter zur Unglücksstelle. Unterwegs markiert die Feuerwehr den Weg mit Hilfe von Pylonen für die nachfolgenden Kräfte. Die Feuerwehr räumt das Gelände und macht den Weg frei für die BRK-Bereitschaft Wernberg und die Bergwacht Schönsee.

Nach deren Eintreffen wird der Verunglückte medizinisch versorgt, fachgerecht geborgen und zum Abtransport vorbereitet. Für die Bergung in unwegsamen Gelände ist die Bergwacht besonders geschult und ausgerüstet. Einsatzleiter Armin Jost warnte alle Anwesenden davor, in solchen Fällen den Verunglückten zum Auto oder Traktor zu zerren, dadurch würden die Verletzungen nur noch größer. Nur die fachgerechte Versorgung und Bergung verhindern noch schlimmere Verletzungen.

Am Ende der Rettungsübung fasste Anton Zizler, Mitarbeiter bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und zuständig für den Bereich Prävention, die wichtigsten Punkte in Stichpunkten zusammen: „Niemals alleine im Wald arbeiten; den nächsten Rettungspunkt erkunden und die Nummer aufschreiben; immer ein funktionsfähiges Handy dabei haben und auf den Empfang achten und bei einem Unfall Ruhe bewahren.“

5000 Unfälle im Jahr allein in Bayern und davon 27 mit tödlichem Ausgang sprechen eine deutliche Sprache. Diese Zahl zu verringern kann nur durch Ausbildung und Prävention erreicht werden. Wichtige Informationen zu diesem Thema sind unter www.rettungskette-forst.bayern.de im Internet zu finden.

Förster Hubert Amode zeigte ein Hinweisschild mit dem jeder Rettungspunkt gekennzeichnet ist. Den Ort und die Nummer des nächsten Rettungspunktes sollte jeder Waldarbeiter kennen. Das rettet Leben.

Feuerwehr und BRK leiten die Erstversorgung des Verletzten ein und sichern die Unfallstelle.

Für die Bergung eines Verletzten in unwegsamen Gelände ist die Bergwacht Schönsee besonders ausgebildet und verfügt auch über die notwendigen Gerätschaften.

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