"Heimatlust" titelt auch Martin Binhacks Foto-Ausstellung, die im Haas-Haus in Pfreimd zu sehen ist. Die Eixlberg-Kirche, die alte Holzbrücke über die Pfreimd oder eine beschauliche Ruhebank: Für Martin Binhack gibt es immer wieder neue Motive zu entdecken, seit er sich mit Haut und Haar dem Wandern verschrieben hat. Wie sehr, davon zeugt das Paar abgelaufener Wanderstiefel, die er im Schaufenster neben Laub, Tannenzapfen, Bierkrügen und Habichtsfedern den "Wundern vor der Haustür" als Deko beigegeben hat.
"Etwa ein Jahr lang halten meine Wanderschuhe", erzählt der 35-Jährige, "dann bin ich damit so 1200 Kilometer marschiert". Immer mit dabei: das Handy. Etwa 200 bis 300 Fotos macht der Lkw-Mechaniker an einem Wandertag, die schönsten teilt er mit anderen Wander-Fans auf Facebook und Instagram. 300 Follower, also Menschen, die seinen Beiträgen folgen, hat er inzwischen im Netz - und noch längst nicht alle Wege ausgereizt.
Eine seiner Lieblingsrunden, "die man auch mal nach Feierabend gehen kann", ist der Weg vorbei am Bruckmühlberg, an der Pfreimd entlang und dann weiter bis Hohentreswitz und auf der anderen Flussseite wieder zurück. "Wenn es jetzt nicht bewölkt wäre, würde man hinter dem Eixlberg die Sonne untergehen sehen", berichtet der passionierte Fotograf, für den die technische Ausrüstung bislang zweitrangig war. Ausgerechnet bei einem ganz normalen Sonntagsspaziergang hat er seine Leidenschaft fürs Wandern entdeckt. "Eigentlich wollte ich nur ein kleines Bäuchlein loswerden", sagt der 35-Jährige und schmunzelt. Aus Stunden wurden Tage, und im Sommer ist der Pfreimder am liebsten schon pünktlich zum Sonnenaufgang unterwegs.
Grenzen ausgelotet
"Runterkommen" war vielleicht am Anfang ein Beweggrund, doch Martin Binhack hat auch Spaß daran, seine Grenzen auszuloten. Zwei Mal hat er bereits an einem 100-Kilometer-Marsch in der Umgebung von München teilgenommen, der alljährlich im Juli stattfindet. Wie schafft man so eine Etappe? "Zähne zusammenbeißen und auch mal Schmerzen aushalten", lautet sein Rezept. Nicht immer rebelliert der Körper in gleicher Art und Weise gegen so einen Gewaltmarsch. "Beim ersten Mal haben die Knie und die Oberschenkel geschmerzt, manchmal spielt auch der Magen verrückt", weiß der erfahrene Langstrecken-Wanderer. "Beim letzten Mal hatte ich Blasen, da tut dann jeder Schritt weh." Wenn es dann noch 30 Kilometer bis zum Ziel ist, hilft nach seiner Erfahrung nur eins: einen Fuß vor den anderen setzen. "Der Moment, wenn man ankommt, entschädigt für alle Strapazen, die meisten haben dann vor Glück Tränen in den Augen."
Im Schneesturm
In diesem Jahr war Binhack auf dem Goldsteig von Marktredwitz bis Oberviechtach unterwegs, "da habe ich die Sache mit dem Gepäck doch etwas überschätzt", räumt er ein und erinnert sich bei dieser Gelegenheit auch an eine Tour im Schneesturm nach Wernberg, die ebenfalls recht kräftezehrend war.
Das Rentnersport-Image hat das Wandern für ihn jedenfalls längst verloren. "Da gibt es doch so viel zu entdecken", schwärmt er. Lockt den Entdecker da nicht auch mal eine Fernreise? "Höchstens eine Fernwanderung", sagt der Pfreimder und schwankt noch zwischen Jakobsweg, Alpenüberquerung oder einem Marsch bis zur Pfreimd-Quelle in Tschechien.
Eine Auswahl von Motiven, die ihn bei seinen Wanderungen beeindruckt haben, zeigt Martin Binhack aktuell im Schaufenster des Haas-Hauses in Pfreimd. Das leerstehende Gebäude bietet noch einige Wochen eine Plattform für Vereine, Künstler oder Kunsthandwerker. Nun wichen Binhacks Herbst-Bilder allerdings winterlichen Motiven, die dann noch bis etwa Mitte Januar ausgestellt sind. Weitere Fotos gibt es auf Facebook oder bei Instagram unter "martins_wanderlust".
100 Kilometer in 24 Stunden, das schafft man nur, wenn man die Zähne zusammenbeißt und Schmerzen aushält.

















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