25.06.2021 - 14:32 Uhr
PfreimdOberpfalz

Tornados auch in der Oberpfalz möglich

Verheerende Bilanz eines Tornados in Südmähren: Fünf Tote, Dutzende Schwerverletzte, sieben schwer zerstörte Dörfer. Für möglich hält ein solches Szenario Wetterexperte Andy Neumaier jederzeit auch in der Oberpfalz.

Feuerwehrmänner begutachten am 29.05.2015 in Ohausen bei Freystadt (Landkreis Neumarkt) ein Gebäude, welches durch eine Windhose beschädigt wurde.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Ein Tornado schlug am Donnerstag eine Schneise der Verwüstung ins malerische Weinanbaugebiet Südmährens. Auf einigen Handyvideos ist die Naturgewalt zu bestaunen, die sieben Dörfer fast komplett dem Erdboden gleicht gemacht hat, fünf Todesopfer und Dutzende Schwerverletzte forderte.

Halber Kirchturm im Sog

Gespenstisch dröhnend nähert sich der Kreisel, in seinem enormen Sog wirbelt er hoch, was nicht niet- und nagelfest ist. Dächer und Gebäudeteile, Produktionshallen, halbe Kirchtürme, unzählige Bäume, Strommasten, Autos. Woanders fällt das Treibgut mit zerstörerischer Wucht wieder zu Boden. Der Tornado war Teil eines Gewittergebiets, das sich am Donnerstag über ganz Südmähren ausgebreitet hatte.

Wetter-Experten schließen ein Naturphänomen dieser Stärke in Bayern nicht aus. Meist handle es sich dabei um schwächere Stürme. Tornados entstehen, wenn verschieden feuchte oder warme Luftmassen zusammenprallen. "Gerade in den Alpen kann es dazu kommen", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag. Es bilden sich Gewitterwolken, die sich in den Himmel schraubten. "Im Inneren entsteht ein schnell rotierender Wirbel, der bis zum Boden reicht - der Tornado."

Mindestens 200 km/h

Auch Andy Neumaier, Wetterexperte von Oberpfalz-Medien, ist von den Verwüstungen des mährischen Tornados schockiert: "Die Experten schätzen anhand der Schäden die Geschwindigkeit", sagt der Mitterteicher Meteorologe. "Ich schätze sie auf mindestens 200 Kilometer in der Stunde." Auch wenn sich im Zuge des Klimawandels extreme Wetterereignisse häuften, ungewöhnlich seien Tornados in unseren Breitengraden nicht: "Wir beobachten jedes Jahr über 100 in Deutschland", sagt Neumaier. Weil sie selten Ortschaften tangierten, fielen sie nicht immer auf. "Meistens schlagen sie eine Schneise von 100 bis 300 Metern in dünn besiedeltes Gebiet."

Manchmal treffe es aber auch Städte wie beim bislang stärksten Oberpfälzer Tornado, der am 19. Juli 1993 in Pfreimd über Teile der Stadt und die A93 hinwegzog: "Eine Lagerhalle stürzte zusammen, Häuser wurden abgedeckt, Pkw durcheinandergewirbelt, Strommasten knickten ein - der Sachschaden belief sich auf 1,5 Millionen DM", beschreibt Neumaier die Katastrophe.

2017 machte eine Windhose in Kürnach bei Würzburg 50 Häuser nieder. Der verheerendste deutsche Tornado fegte am 10. Juli 1968 über Pforzheim hinweg: "Er legte 130 Kilometer zurück, zwei Menschen starben, 200 wurden verletzt", zitiert der Meteorologe, "und zerstörte 1750 Häuser." Der Schaden belief sich auf 100 Millionen DM. Glück hatte vor zwei Wochen Mitterteich: "Ich habe da eine Trichterwolke beobachtet, die sich gedreht hat, aber nicht am Boden angekommen ist."

Mit Videos: Tornado hinterlässt Spur der Vewüstung in Mähren

Deutschland und die Welt
Info:

Tipps von Meteorologe Andy Neumaier

  • Ein Frühwarnsystem wie in den USA, wo auf allen Kanälen Sturmwarnungen eingeblendet werden, wäre sinnvoll.
  • Am sichersten ist man im Keller, ansonsten sollte man sich unter Tischen weit weg von Fenstern verstecken, weil Glas zerbirst und Splitter durch die Gegend wirbeln.
  • Sollte man im Freien einen Tornado sehen und es nicht mehr in ein Gebäude schaffen, gibt es zwei Möglichkeiten: Da die meisten von Südwest nach Nordost zögen, könne man versuchen, sich Richtung Südost zu entfernen. Wenn das nicht mehr geht: Flach auf den Boden legen und beten.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.