30.08.2019 - 17:06 Uhr
PfreimdOberpfalz

Wächter über Kauz und Kleiber

100 Wohnungen, fast alle belegt. Die gefiederten "Mieter" scheinen sich wohl zu fühlen in ihren Quartieren rund um den Eixlberg bei Pfreimd. Kein Wunder, wenn der "Hausmeister" hinter ihnen aufräumt und putzt.

In diesem Nistkasten aus Holz direkt neben der Eixlberg-Kirche ist die Brutpflege für heuer abgeschlossen, stellt Thorwald Poschenrieder fest. Eine Meise und ein Kleiber haben hier nacheinander ihre vier Wände mit Nist-Material ausstaffiert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Als der Oberpfälzer Wald- und Verschönerungsverein (OWV) vor über 40 Jahren die Betreuung der Klause auf dem Eixlberg übernahm, wurde das Areal auch zum Wohngebiet für Vögel aufgerüstet. Ein Schreiner zimmerte damals fleißig Vogelhäuschen aus Holz. Die werden inzwischen durch neue Modelle aus einem Holzwolle-Beton-Gemisch abgelöst und haben sich kräftig vermehrt. Rund 100 Nistkästen gibt es rund um den Eixlberg, und viele werden pro Saison sogar von drei Parteien bewohnt. Ganz ohne menschliche Unterstützung geht das nicht. Gottfried Blank, Landschaftsarchitekt und Vogelkundiger, hat schon seit vielen Jahren das Amt des Vogelwarts inne. Seit einem Jahr steht ihm als Vertretung mit Thorwald Poschenrieder einer zur Seite, der mit dem Ort eng verbunden ist.

"Der Einsiedler, der hier lebte, war für mich wie ein Vater", erinnert sich Poschenrieder. Der heute 53-Jährige kommt eigentlich aus Nabburg, wo man ihn auch als "Wiesmühlner" kennt. Als einer seiner Brüder bei einem Verkehrsunfall starb und die Mutter in Trauer versank, wurde der Eremit Johannes Schlothane für den Buben über viele Jahre zum Rettungsanker. Der Frater nahm den Kleinen auf seine Schultern, baute mit ihm "Bärenfallen" und erzählte Geschichten von Riesen und vom "Waldwuckel". "In einer Höhlung das Ahorns hinter der Klause schrie in der Dämmerung das Käuzl",erinnert sich Poschenrieder. "Für mich verschwammen Wirklichkeit und die Wunderwelt seiner Erzählungen, in beiden war ich untrennbar daheim."

Und so zögerte der Nabburger auch nicht lange, als ein Helfer gesucht wurde für die Betreuung der Vogelwelt. Ein Fachmann für Vögel sei er zwar nicht, eher einer, der sich mit alten Sprachen auskenne, räumt der gelernte Müller ein, der später Vergleichende Sprachwissenschaften studierte. Jetzt studiert er auch Vogel-Laute und kann aus dem Nistmaterial in den Kästen schon ein wenig auf die Bewohner schließen.

Archäologie im Nistkasten

Geöffnet werden die Behausungen aber normalerweise erst im Herbst oder im zeitigen Frühjahr, wenn keine Gefahr besteht, die Bewohner zu stören. "Vor diesem Nistkasten hier sind Spinnweben, da könnten wir schon mal reinschauen", schlägt der Vogelwart vor und stellt die Leiter auf. Fachkundig entfernt er ein Brett und sieht auf einen Blick, wer da gewohnt hat: "Da war erst eine Meise drin, dann ein Kleiber." Wie archäologische Schichten betrachtet er das Material, das Rückschlüsse auf die Nutzung zulässt. Nicht immer sind es Blätter, Gras und Zweige, die das Nest auspolstern, auch Wohlstandsmüll wie Plastik hat Einzug gehalten in die Behausungen. Ist die Brutzeit vorbei, dann ist hier Putzen angesagt. Einige Vögel erledigen diesen Job selbst, andere Unterkünfte säubert der Vogelwart. Käfer, Milben oder Maden würden sonst dort gedeihen und den Bruterfolg gefährden. Bei 100 Nistkästen geht dafür auch ohne größere Reparaturen schnell ein ganzer Tag drauf.

Manche Kästen sind exakt auf die Bedürfnisse der Vogelarten zugeschnitten. Der Baumläufer beispielsweise will kein zentrales Schlupfloch, sondern lieber einen "Seiteneingang", der vom Stamm aus zu erreichen ist. Eine dieser neuen "Plattenbauten" aus Beton und Holzwolle ist zur Überraschung des Vogelwarts aktuell belegt, wenn auch nicht von einem Vogel. "Da hängen doch tatsächlich zwei kleine Fledermäuse drin", staunt er und macht schnell wieder zu. "Also wenn ich ein Vogel wär', ich würd' auf jeden Fall ins Holzhäusl zieh'n", stellt er klar.

Nicht nur Vögel und Fledermäuse wissen das Wohnungsangebot auf dem Eixlberg zu schätzen, auch Wildbienen finden hier eine Bleibe oder die weniger beliebten Wespen. Und in einem Fall blickten die Vogelwarte in die erschrockenen Augen einer kleinen Waldmaus, als sie einen Nistkasten inspizierten. Doch hauptsächlich sind es Meisen wie Kohl-, Blau oder Tannenmeisen, die hier unterkommen, um dann für "Nachmieter" wie die Fledermaus das Feld zu räumen. Die Vogelwarte erkennen das beim Ausmisten am Kot. Leerstände gibt es nach den Erfahrungen der Vogelwarte eigentlich nur dort, wo etwas zu turbulentes menschliches Treiben die Wohnlage beeinträchtigt. 2020 sollen diese Nistkästen deshalb etwas verlagert werden in die schwächer bestückte untere Westflanke des Berges. An Neu- und Ersatzbauten gab es allein in diesem Jahr 15 "Fertighäuser".

Nur mit Alu-Nägeln

Bei der Installation nehmen die Vogelwarte im Übrigen auch Rücksicht auf das spätere Schicksal der Bäume, an denen die Nistkästen angebracht sind. "Wir verwenden zum Befestigen nur Alu-Nägel, damit es nach dem Fällen keine Schäden an Säge oder Hobelmaschinen gibt", erläutert Poschenrieder, dessen Großvater schon ein Faible für die Vogelwelt hatte. "Der hat damals ein Loch in die Haustüre gesägt, damit die Schwalben im Hausflur nisten konnten." Von seinem Wohnort auf der Wiesmühle hat der 53-Jährige nebenher auch die Welt der Wasservögel im Blick. "Leider gibt es inzwischen viel weniger Enten und Schwäne", bedauert er und vermutet als Übeltäter den aus Amerika eingeschleppten Mink, der über die Nester herfällt. Während dieser Einwanderer genauso schwer zu bändigen ist wie das Indische Springkraut an den Naabufern, erhofft sich Poschenrieder von Wanderern und Spaziergängern am Eixlberg doch ein wenig Rücksichtnahme. "Nicht wichtigtuerisch und rücksichtslos herumlärmen", appelliert er an sie. Sein Rat: "Die gottgegebene Stille wahren, in die Natur hineinhorchen und den Stimmen der Vogerl lauschen."

Thorwald Poschenrieder präsentiert eine der neueren Behausungen für Vögel und Fledermäuse. Dass den Tieren die Unterkunft in dem Bau aus Beton mit Holzwolle genauso gut gefällt wie im Holzhäuschen, davon ist er aber nicht überzeugt.
Wenn im Frühjahr oder Herbst "ausgemistet" wird, sind die Vogelwarte zu zweit oder dritt unterwegs. "Einer muss ja die Leiter halten", berichtet Thorwald Poschenrieder.
So sehen die neuen haltbareren Nistkästen für Fledermäuse oder Meisen aus.
Ein Foto im ersten Stock der Klause erinnert an den Einsiedler Johannes Schlothane.
Bis in die 70er Jahre lebte in diesen Räumen in der Klause auf dem Eixlberg ein Einsiedler.
In der winzigen Kammer, wo die Werkbank steht, war früher die Schlafstätte des Einsiedlers auf dem Eixlberg.
Deutlich erkennbar sind in diesem Nistkasten zwei verschiedene Schichten an Nistmaterial.
Hier haben zwei Fledermäuse Unterschlupf gefunden, die sich von Thorwald Poschenrieder nicht aus der Ruhe bringen lassen.
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