25.06.2020 - 14:45 Uhr
Oberpfalz

Die Pille danach – Schlankheitsmittel: Viel Werbung, wenig Wirkung

Vermeintliche Schlankheitsmittel sollen beim schnellen Abnehmen helfen. Verbraucherschützer waren jedoch vor den Erfolgsversprechen. Oft sind sie nicht wissenschaftlich belegt und können – im schlimmsten Fall – gesundheitsschädlich sein.

Ob die Schlankmacher, die in der Werbung angepriesen werden, wirklich beim Abnehmen helfen, ist sehr umstritten.
von Externer BeitragProfil

Abends vor dem Fernseher. Werbung zur besten Sendezeit. „Abnehmen leicht gemacht. Durch die Pille XY in wenigen Wochen drei Kleidergrößen kleiner.“ Der Mann denkt leise: „Das wäre was für sie.“ Die Frau denkt laut: „Das wäre was für mich.“ „Falsch gedacht“, warnen Verbraucherschützer. Die Wirkung der Schlankmacher verdünnisiert sich im richtigen Leben. Wahre Wunder gibt‘s nur in der Werbung. Oder durch Bildbearbeitung, wenn Grafiker am PC die Silhouetten aufhübschen.

Von morgens bis abends zu Hause, der Kühlschrank als guter Freund und Seelentröster: Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen, wenig Bewegung und viele Frusthappen haben die Speckpölsterchen wachsen lassen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Magazins „fit for fun“ hat ergeben, dass ein Drittel der Bevölkerung in Corona-Zeiten zugenommen hat – und zwar vor allem Frauen zwischen 40 und 49 Jahren. Diese zusätzlichen Pfunde wollen viele wieder loswerden. Am liebsten über Nacht und ohne viel Anstrengung. Jetzt kommen vermeintliche Schlankheitsmittel ins Spiel, die den Appetit zügeln und das Bauchfett abschmelzen sollen. Einfach Pille einwerfen, essen so viel man will und dabei ohne große Mühe das lästige Übergewicht verlieren.

Ein Traum? Nein, ein Trugschluss. „Es gibt keine Wundermittel“, bilanziert die Verbraucherzentrale, auch wenn vor allem das Internet so etwas suggeriere. „Vier Kilogramm weg in einer Woche“ sei ein unhaltbares Erfolgsversprechen, das wissenschaftlich nicht belegt sei. Zweifelhaft sind nach Ansicht der Verbraucherschützer auch die Aussagen zur Wirkung solcher Produkte: „Nahrungsfette im Magen werden von Bio-Schlankstoffen angesaugt“ oder „Kohlenhydrate einfach blockieren“. Die Adjektive „natürlich“ und „rein biologisch“ sollen den Kunden dabei suggerieren, dass es sich um ein gesundes Produkt handelt. „Solche Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen“, warnt die Verbraucherzentrale. Selbst wenn rein natürliche Substanzen verwendet würden, seien diese nicht zwangsläufig ungiftig.

Weil Bilder mehr als Worte sagen, setzen etliche Hersteller auf den Vorher-Nachher-Effekt. Gezeigt werden Fotos von Probanden vor und nach der Einnahme des Schlankmachers. Hatte die junge Frau vorher 15 Kilogramm zu viel auf den Rippen, zeigt das Nachher-Foto eine gertenschlanke Traumfigur. „Diese Fotos sind nicht selten gefälscht“, erklären die Verbraucherschützer. Ebenfalls ein Phantom seien immer wieder Mediziner und Wissenschaftler, die in der Werbung zitiert werden: Sie existieren gar nicht. Generell rät die Verbraucherzentrale von Schlankheitsmitteln ab, die auf unseriöse Weise beworben werden: „Im günstigsten Fall sind sie wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsgefährdend.“

Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung und genügend Entspannungsphasen funktioniert das Abnehmen dauerhaft. Allerdings nicht in Rekordzeit. Um die Corona-Kilos wieder loszuwerden, empfiehlt sich, das Essverhalten nachhaltig zu ändern und sportliche Aktivitäten in den Alltag einzubauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat einen Zehn-Punkte-Leitfaden zu vollwertigem Essen entwickelt, der viele Anhaltspunkte liefert – etwa den Genuss der Lebensmittelvielfalt. Die Empfehlung: „Essen Sie abwechslungreich und wählen dabei überwiegend pflanzliche Lebensmittel.“ Obst und Gemüse sollten fünfmal pro Tag verzehrt werden. Bei den Fetten liegt der Schwerpunkt auf pflanzlichen Ölen wie beispielsweise Rapsöl. Versteckte Fette, die dick machen, finden sich in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Fast Food und Fertiggerichten.

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl sei die Vollkornvariante die beste Wahl. Vollwertkost und Aktivität steigern den Erfolg. Wer zu Fuß geht, Treppen steigt oder radelt, reduziert das Hüftgold langsam, aber sicher.

Schlankmacher, Sattmacher, Fitmacher:

Natürliche Fatburner

Viele Gemüsesorten funktionieren als natürliche Fatburner: einfach zugreifen – ohne Reue.

  • Karotten hemmen
    die Kalorienzufuhr, weil
    sich die Faserstoffe im Magen
    in eine gelartige Masse
    verwandeln, die Fett und
    Zucker bindet und abtransportiert. Der Ballaststoff
    Pektin quillt im Magen auf
    und vermittelt dem Gehirn,
    dass der Körper satt ist.
  • Erbsen sind ein Appetitzügler,
    da die langkettigen
    Kohlenhydrate den
    Blutzuckerspiegel konstant
    hoch halten. Der Körper
    fühlt sich länger satt. Weitere
    Punkte auf der Positivliste:
    Mineralstoffe, Magnesium,
    Zink, Eisen und
    Vitamine der B-Gruppe.
  • Radieschen enthalten
    einen hohen Senföl-Anteil, der die Verdauung
    richtig ankurbelt. Sie
    sind ein echter Fettkiller.
    Außerdem sind sie extrem
    kalorienarm, 100 Gramm
    haben 15 Kilokalorien.
    Der ideale
    Knabberspaß für zwischendurch.
  • Gewürzgurken
    hemmen die Lust auf Süßigkeiten.
    Eingelegt in Essig,
    Gewürze und Zucker
    führen sie dem Körper
    Säure zu: Kohlenhydrate
    werden dadurch schneller
    verbrannt. Die Bitterstoffe
    regen die Leber an und
    steigern die Fettverbrennung
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