26.05.2019 - 18:26 Uhr
PirkOberpfalz

"Freunde überlegen, hierher zu ziehen"

Christian Clemenz stammt aus Hamburg, lebte die meiste Zeit seines Lebens aber in München. In unserer Rubrik "Zugroast" erzählt der 75-Jährige von seiner Flucht aus der Großstadt - und was ihm in der Oberpfalz besonders gut gefällt.

Christian Clemenz lebt seit drei Jahren in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

Vor einer Woche feierte Christian Clemenz seinen 75. Geburtstag - in der Oberpfalz, was er vor Jahrzehnten wahrscheinlich nicht gedacht hätte. Der frühere Werbemittelkaufmann stammt ursprünglich aus Hamburg, lebte aber 50 Jahre in München. Seit drei Jahren wohnt er in Enzenrieth, einem Ortsteil von Pirk (Kreis Neustadt/WN). Der Rentner erzählt, dass er der Hektik der Großstadt entfliehen und seine Ruhe finden wollte. Hat geklappt.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Christian Clemenz: Nein, eigentlich gar nicht. Die Begriffe kenne ich zwar, aber die treffen auf die Leute hier nicht zu. Die sind sehr zugänglich, höflich. Die haben uns sehr gut aufgenommen. Alle grüßen, wir haben ein sehr angenehmes Verhältnis zu den Nachbarn. In München ist das nicht mehr der Fall.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Nein, keine Vorurteile. Aber ich war sehr überrascht vom Übergang von der Großstadt in die Einöde, wie ich es immer nenne. Ich wollte ja raus aus dem Großstadtgetümmel, wegen der Ruhe, der Luft, dem wenigen Verkehr. Eine Neuordnung des Lebens. Ich gehe hier gerne mit meinem Hund spazieren. Das hält mich körperlich fit. Und ich genieße die Ruhe. Ich kann hier sehr gut schlafen – in München hat mir immer das Tatütata die Ruhe geraubt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Nein, keineswegs. Mein Endziel werde ich hier erreichen. (lacht) Die Großstadt interessiert mich nicht mehr. Meine Frau ist da anders gestrickt, aber sie nähert sich meiner Ansicht.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Wir werden sehr oft besucht, von alten Bekannten. Am Anfang waren sie aber enttäuscht, sie haben nicht verstanden, dass ich als Stoderer in die Einöde ziehe. Als sie da waren, haben wir Ausflüge gemacht, nach Marienbad, nach Weiden. Dann fanden sie es hier auch schön. Alte Freunde aus München überlegen jetzt auch, ob sie hier her ziehen.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Da habe ich überhaupt kein Problem. Ich verstehe die Leute wunderbar. Das Wou macht mir nichts aus. Die Leute verstehen mich ja auch mit meinem norddeutschen Slang.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ich fühle mich hier wohl, aber ich kann nicht sagen, dass ich ein Oberpfälzer bin. Ich bin ein Preiß – wie die Leute immer zu mir sagen. Aber ich nehme das mit Humor, ich komme mit den Leuten hier gut zurecht.

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Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier

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