08.07.2018 - 13:08 Uhr
PirkOberpfalz

Hasenjagd im Brauereihof

Mit der niederbayerischen Band "Flez Orange" landen die Kulturfreunde Pirk einen Volltreffer bei ihrm Open Air auf dem Schwab-Anwesen.

"Flez Orange" sind Veronika Keglmaier, Matthias Klimmer, Maximilian Maier, Stefan Fußeder und Jochen Rössler. Im Schwab-Hof gewinnen sie einen ganzen Schwung neuer Fans.
von Harald BäumlerProfil

„Glauben Sie, dass die alles drucken, was sie da mitschreiben?“ Der Einwand des Tischnachbarn des Berichterstatters bringt es auf den Punkt. Es wäre besser gewesen, vorab eine halbe Seite in der nächsten Ausgabe zu buchen. Wie soll man auch das Konzert einer Band in wenige Zeilen pressen, die auf der Homepage selber 15 Adjektive zur Selbstbeschreibung benötigt? Doch die Band ist eben ungeheuer vielseitig.

Vielleicht ist das der Grund, warum die Zuhörer in Scharen zum Konzert strömen. Gleich zu Beginn verursachte ein kurzes Regentropfen-Prélude aus dem Himmel kurzzeitig Sorgen um die wertvollen Instrumente, aber die Dame und die vier Herren auf der Bühne ließen sich nicht beeindrucken und verjagten mit einem halsbrecherischen Auftakt aus virtuosen Instrumentalsoli und wilden Taktwechseln sämtliche Regenwolken. Damit schien die Richtung des Abends – „Polka und Folk, Klezmer und Jazz, Reggae und Rock wirbeln bunt durcheinander“ - festgelegt. Denkste! Mit ihrer sehr eigenen Interpretation des Schlagers „Es liegt was in der Luft“ machte "Flez Orange" sofort klar: Versucht erst gar nicht, für uns eine Schublade zu suchen.

Die Niederbayern begeistern nicht nur mit beeindruckender Instrumentalbeherrschung. Besonders die Anmoderationen und teils herrlich albernen Geschichten zu den Stücken lassen kaum ein Auge trocken. Selbst für clownesken Slapstick ist sich das Quintett nicht zu schade. Und so verstecken die Musiker hundertfach musikalische Gemeinheiten aus schrägen Harmonien, verrückten Taktarten und scheinbar wirren Rhythmen in ihren Eigenkompositionen mit ebenso einprägsamen Namen wie „Ali Baba und die 7 Viertel", "Prinzessin Evi" oder "Hasenjagd im 9/8-Takt".

Auf diese Weise entsteht aus der Kombination von Moderation und Musik eine große Geschichte im Kopf des Zuhörers.

in- und hergerissen zwischen ruhigen Balladen, umgedeuteter Volksmusik und atemberaubender musikalischer Achterbahnfahrt nimmt ein äußerst unterhaltsamer Abend seinen Lauf. Selbst der Storch schaut vorbei und klappert vom Dachfirst seinen rhythmischen Kommentar in den Hof. „Eine Kritik muss schon erkennen lassen, wenn etwas ganz besonders gut ist“ sagt der Tischnachbar. Recht hat er.



Aufmerksam lauschen die Zuhörer.
Hasenjagd im 9/8-Takt.
Nächtliche Stimmung im Brauereihof

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