23.07.2018 - 19:50 Uhr
PirkOberpfalz

Pfeilschnell mit 82 Jahren

Die Kinder haben aufgehört und der "alte Depp" sei weitergefahren. So scherzhaft skizziert Rudi Biebl seinen Einstieg ins Rennradfahren. Der Ullersrichter ist 82 und legte beim Einzelzeitfahren des VCC Pirk eine herausragende Leistung hin.

Das muss erst einmal jemand nachmachen: Mit 82 Jahren ist Rudi Biebl eine Rakete auf seinem Rennrad und fährt Spitzengeschwindigkeiten.
von Ernst FrischholzProfil

(fz) Während die Cracks der Tour de France gerade ihre Tagesetappe von Valence nach Bourg d’Oisans über 195 Kilometer beendet hatten, fuhr sich vor den Toren Pirks ein Rennradler für das Einzelzeitfahren des VCC warm. Gelbes Trikot, schwarze Hose, windschnittiger Helm, gestählte Waden, drahtige Figur. Unter der Brille kann man das Gesicht nicht so recht einordnen. Grobe Schätzung: ein total fitter 60er. Er startet in der Klasse "Senioren über 60" für Runden mit 9,3 Kilometern zwischen Pirk und Luhe.

Rudi tritt an und legt einen fulminanten Start hin. Er fährt Höchstgeschwindigkeiten teils über 40 Stundenkilometer. Bei den drei engen Wenden gilt es fast bis zum Stand abzubremsen und wieder anzutreten. Unter dem Beifall der anderen Radsportler fährt der 82-jährige Rudi Biebl mit einer Zeit von 16:18 Minuten und einem Schnitt von 34,25 Stundenkilometern. Zum Vergleich: der Gesamtsieger mit dem Rennrad fährt einen Schnitt über die Herrendistanz (18,6 km) von 42,39 km/h und der Tagesschnellste auf der Zeitfahrmaschine von 47,50 km/h.

So etwas kommt nicht von selbst. Eisernes Training über Jahrzehnte liegen hinter Biebl. In seiner guten Zeit ist er in der Sommersaison 10.000 Kilometer gefahren. Für Biebl gab es nur Arbeiten und Rennradfahren. "Zuhause hab ich gar nichts gemacht." Jetzt tritt er kürzer und fährt "nur" noch so 4000 Kilometer pro Saison. Der Arzt sagt ihm, dass er weiterfahren müsse. Das tut er auch.

Über die Kinder ist er zum Rennrad gekommen. Der Nachwuchs strampelte bei Corona Weiden. "Ich habe mir auch eine Renner gekauft und bin mit." Er war bei Rennen in ganz Bayern dabei. "Die beiden Buben haben dann aufgehört und ich alter Depp bin weitergefahren", lacht Rudi. Seit über 15 Jahren radelt er bei der Concordia Pirk.

Die wöchentlichen Trainingsabende laufen nicht ohne den Rudi. Hat die Gruppe etwa 30 Stundenkilometer erreicht, erschallt der Ruf „Rudi Attacke!“ und der Senior zieht aus der Gruppe einen Sprint an, macht den Hasen für die Jüngeren, die ihn einholen müssen.

"Rudi ist eine absolute Bereicherung für die Concordia", berichtet Vorsitzender Alexander Radlbeck. "Ich erinnere mich, dass er vor ein paar Jahren einmal mit dem Damenradl gekommen ist." Zuhause habe er Besuch gehabt. Er wollte nicht sagen, dass er weggeht und Radrennen fährt. Er habe das Radl von der Frau genommen und gesagt, er schaue nur mal ein paar Minuten rüber nach Pirk. "Er kam, zog Hose und Jacke aus, stand im Radldress da und ist mit dem Damenradl seiner Frau das Einzelzeitfahren gefahren", erinnert sich Radlbeck.

Einzelzeitfahren:

Das Zeitfahren hatte neben der hervorragenden Organisation durch Verena Sprinz und ihrem Team natürlich mehrere Klassensieger (siehe Bericht im Sportteil). Erstmals waren auch die vier Handbiker des Behindertensportvereins Weiden am Start. Stefan Keßler fuhr mit seinem von Hand angetriebenen Hightechgerät ein Stundenmittel von 38,80 km/h. Gesamtsieger des Einzelzeitfahrens war Stefan Schardt von der RSG Vilstal und Gesamtsiegerin Adelheid Schütz von der Corona Weiden. Gerd Biebl wurde Vereinsmeister des VCC Pirk und Elisabeth Hotek Vereinsmeisterin.

Organisatorin Verena Sprinz (Vierte von rechts) und Vorsitzender Alexander Radlbeck (links) gratulieren den Einzelsiegern bei den Damen und den Herren.

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