23.05.2019 - 13:04 Uhr
PirkOberpfalz

Mit Pferd zur Geburtstagsfeier

Ihre Tochter an ihrem Geburtstag besuchen: Das möchte Heidrun Heiselmayer. 700 Kilometer trennen sie. Die Mutter lebt in Salzburg, die Tochter in Braunschweig. Das sind sieben Stunden mit dem Auto –oder zwei Monate mit dem Pferd.

Heidrun Heiselmayer und ihr Pferd Calando verbringen zwei Nächte bei Helga Dirnberger (links) in Engleshof bei Pirk.
von Redaktion ONETZProfil

"Das Wanderreiten war immer mein Jugendtraum", sagt Heidrun Heiselmayer. Heute, mit 67 Jahren, hat sie sich diesen Traum erfüllt. Zusammen mit ihrem Hengst Calando geht es von Salzburg bis nach Braunschweig. "Das wären 700 Kilometer auf der Autobahn. Ich werde die doppelte Strecke zurück legen müssen."

Calando: Das bedeutet in der Musik leiser und langsamer werden. Das passt auch zum Hengst. "Er ist schon sehr cool und gelassen." Eigentlich ist Calando ein Turnier- und Springpferd. "Wir haben in diesem Jahr die Frühjahrsturniere ausgelassen", erzählt Heiselmeyer. Aus Angst vor möglichen Verletzungen bei Pferd und Reiter.

Seit dem Winter plant die Salzburgerin die Reise. Am 29. April ging es dann los. Ungefähr 20 Kilometer pro Tag. Über Salzach, am Inn entlang nach Passau, Richtung Viechtach, Schwandorf und jetzt nach Engleshof bei Pirk. "Uns haben Bekannte angerufen, ob wir nicht für eine Nacht eine Wanderreiterin aufnehmen wollen", sagt Helga Dirnberger aus Engleshof. Aus einer Nacht wurden dann zwei. "Es hat so schlimm geregnet. Das hätte nichts gebracht, wenn sie dann weiter geritten wäre."

Nicht nur mit einer Unterkunft half Helga Dirnberger der Reiterin aus. "Sie hat mich stundenlang bei der Suche nach der nächsten Bleibe unterstützt", erzählt Heiselmeyer. "Frau Dirnberger hat mir sogar einen Kaffee ans Bett gebracht." Jetzt gehen sie noch zusammen einkaufen, denn ihre Schuhe haben den Regen nicht überlebt. Am Nachmittag geht es weiter. Nächster Halt ist Weiden. "Die nächsten Etappen haben wir jetzt geplant. Bis Grenzmühle (bei Erbendorf) komme ich." Schwierig werde es wieder zwischen Münchberg (Oberfranken) und Saalfeld (Thüringen). Das sind drei Stationen. Dort fehlen mir noch Unterkünfte." Bisher kam sie auf Höfen, privaten Reiterställen oder Ferienhäuschen unter.

Es ist aber nicht immer leicht, eine Bleibe zu finden. "Nehmt sie einfach auf! Sie braucht ja nur ein bisschen Platz und keinen Whirlpool", appelliert Dirnberger. Über Facebookgruppen und Mundpropaganda versucht die Wanderreiterin Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. "Ich möchte dann auch nicht irgendwo reingehen und Calando draußen im Regen stehen lassen", erzählt die Salzburgerin. "Er arbeitet doch auch." Die meiste Zeit führt sie ihren 19 Jahre alten Hengst. "Nur auf gerader Strecke reite ich ihn manchmal. Nicht, dass er bergab mit seinen langen Beinen ins Stolpern kommt. Er tut sowieso so viel für mich."

Ein Auf und Ab ist es auch mit der Gefühlslage von Heiselmayer. "Wenn ich wieder Unterkünfte gefunden habe, geht es mir wieder besser", sagt sie. "Aber jeder Tag ist ein Gewinn und ich habe gelernt, es geht immer weiter." Die Leute, die die Wanderreiterin auf ihrem Weg trifft, seien alle nett. "Mich hat mal jemand gefragt, ob er dem Pferd Karotten geben darf, die er gerade gekauft hat. Manchmal zeigen Leute im Auto auch einen Daumen hoch." Auch seien die meisten Autofahrer sehr rücksichtsvoll, wenn die Wander-App versagt, und sie doch mal die Bundesstraße überqueren muss.

Angst vor Autos habe Calando nicht, und das obwohl er ein "zartbesaiteter Mann" sei. "An manchen Orten gefällt es ihm und an anderen nicht. Da frisst er dann ohne ersichtlichen Grund gar nichts." Auf dem Weg machen sie oft Pause zum Grasen. "Er lässt es mich schon wissen, wenn es Zeit für eine Mahlzeit ist", sagt Heiselmeyer. Die beiden sind ein super Team. "Wir sind während dieser Zeit zusammen gewachsen."

Rechtzeitig zum Geburtstag ihrer Tochter Mitte Juni wird es Heidrun Heiselmeyer wohl nicht mehr nach Braunschweig schaffen. Die wird das ihrer Mutter aber mit Sicherheit nicht übel nehmen.

Auch Helga Dirnbergers Hund freut sich über den langbeinigen Gast.
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