17.06.2021 - 12:15 Uhr
PirkOberpfalz

Ein Stück Pirk verschwindet: Kegelbahn weicht Kinderkrippe

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Die alte Kegelbahn muss für eine Kinderkrippe weichen. Für viele Pirker ist das nicht einfach ein Gebäude gewesen, sondern ein Ort, an dem sie viel erlebt und im Stüberl Geselligkeit gepflegt haben. Wehmut macht sich breit.

Ein jähes Ende der bisherigen Kegelbahn in Pirk. Der Abriss läuft.
von fsbProfil

Vor gut einer Woche rückten die ersten Maschinen einer Moosbacher Abbruchfirma auf dem Grundstück der Katholischen Kirchenstiftung in Pirk an, um die bisherige Kegelbahn im Pfarrheim abzureißen. Dies war im Zuge des Neubaus einer zweiten Kinderkrippe erforderlich.

Die Zwei-Bahnen-Anlage genügte auch nicht mehr den Anforderungen der Bezirksoberliga, in der die Erste Mannschaft des Sportkegelklubs antritt und deshalb für ihre Kämpfe die Anlage der SpVgg Weiden anmieten musste. Mittlerweile ist eine neue Vier-Bahnen-Kegelbahn im Sportfunktionsgebäude Bestandteil des Sportparks.

Mit dem Abriss der alten Kegelbahn verschwand ein markantes Gebäude der jüngeren Ortsgeschichte. Abteilungsleiterin Melanie Dobner und der langjährige aktive Kegler Josef Halbig schoben im April die letzten Kugeln auf der Anlage, die auch in die Jahre gekommen war. Nach dem Bau der Auferstehungskirche zu Beginn der 1960er Jahre war an den damaligen Pfarrer Gottfried Leibl 1967 die Anregung herangetragen worden, im Pfarrzentrum eine Kegelbahn zu bauen. Bis Ende des Jahres wurde unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung durch viele freiwillige Arbeitsstunden und Geldspenden eine zweibahnige Anlage fertiggestellt.

Schon am 15. Januar 1968 fand im Gasthaus Gmeiner die Gründungsversammlung des Sportkegelklubs SKK Pirk statt, zu der 32 Männer erschienen waren. Vorsitzender wurde Leonhard Ruhland. In der Saison 1968/69 wurde erstmals mit einer Mannschaft aus neun Keglern am Sportbetrieb teilgenommen, und bald konnte der Verein zahlreiche Erfolge vermelden. In der Folgezeit bildeten sich vier Herren- und eine Damenmannschaft. Dabei spielte die Erste Mannschaft in der Bezirksliga A, was Fahrten bis in den Bayerischen Wald bedeutete.

Auch die Gesellschaftskegler schätzten die Kegelbahn, die 1985 umfangreich renoviert worden war. Der heute 83-jährige Josef Halbig gehörte von Anfang an der Ersten Mannschaft an, war 14 Jahre Sportwart und von 1982 bis 1992 Vorsitzender des Vereins sowie anschließend Zweiter Vorsitzender bis 1996. Er erinnert sich etwas wehmütig an die schönen Stunden im angegliederten Kegelstüberl, von dem aus er in den letzten Jahren jeden Samstag nach dem Gottesdienst seinen Keglern zuschaute.

Der "Halbig-Sepp", wie er genannt wird, hat sich schon immer dem Kegelsport verschrieben. Schon als kleiner Bub hatte er in seinem Geburtsort Töging im Altmühltal in der dortigen überdachten Freiluftholzbahn für eine Brotzeit die Kegel von Hand aufgestellt. Auch in Pirk gab es bis in die 1950er Jahre eine solche Anlage. In der Ortschronik ist zu lesen, dass schon im 19. Jahrhundert ein Johann Gmeiner neben der Landwirtschaft sowie einer kleinen Metzgerei und Bäckerei das "viel ältere Gasthaus mit Kegelbahn" führte.

Früher hatte jede Dorfgaststätte, die etwas auf sich hielt, ihre Kegelbahn. Ältere Pirker können sich an die Holzkegelbahn der "Beck'n" erinnern, die sich am unbefestigten Weg Richtung Pischeldorf links an das Schlachthaus anschloss. Johann Kammerer weiß noch, dass er als "Kegelbou" für das Kegelaufstellen 20 Pfennige erhielt. Sie wurde schließlich abgerissen, als das Interesse an ihr nachgelassen hatte und die Durchfahrt durch das Anwesen verlegt wurde. "Jetzt kommt der Sepp mit seine Boum", hieß es Anfang der 1970er Jahre, wenn Halbig mit den erfolgreichen Jungkeglern in anderen Orten aufkreuzte, darunter Manfred Kraus, der 1974 Oberpfalzmeister wurde und wie Franz Ruhland mehrmals an den deutschen Jugendkeglermeisterschaften teilnehmen durfte.

Heute zählt der Verein 36 aktive Kegler. Seit März letzten Jahres wurden coronabedingt weder Training noch Wettkämpfe abgehalten. Schon 2017 gab es Überlegungen, mit der SpVgg Pirk zu fusionieren. Das bot sich wegen des neuen Sportparks, in dem eine notwendige und förderfähige Vierbahnen-Anlage eingeplant werden konnte, an und wurde 2019 vollzogen. Dadurch, so Dobner, die den Verein seit 2017 führte und nun Abteilungsleiterin der SpVgg ist, ergeben sich neue Perspektiven für die vier Herrenmannschaften, ein Damen- und ein gemischtes Team und die in einer Spielgemeinschaft stehende Jugend.

Baulich tut sich einiges in Pirk

Pirk
Hintergrund:

Geschichte des Kegelns

  • Seit Jahrhunderten hat das Kegelspiel Tradition. Es wurde nur an Sonn- und Feiertagen durchgeführt.
  • Im Mittelalter war es jedoch oft mit Wetten, Schlägereien und Alkoholexzessen verbunden. Deshalb und weil sich die Spieler weniger um die Gottesdienstzeiten kümmerten, verboten Kirche und Obrigkeit das Kegeln für bestimmte Zeiten.
  • Eine Kegelbahn fehlte auf keinem Jahrmarkt. Bis ins 18. Jahrhundert kegelte man ausnahmslos im Freien.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man zusehends automatische Bahnen, bei denen die Kegel an Schnüren hängen
  • Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten deutschen Kegelvereine gegründet.

 

 

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