16.08.2019 - 09:56 Uhr
PirkOberpfalz

Zwillingsgeburt bei Schildkröten in Pirk

Vor zehn Jahren begann Josef Meißner mit der Zucht von griechischen Schildkröten. Nun wurde er erstmals Geburtshelfer bei Zwillingen.

Die beiden Schildkröten-Zwillinge sind noch mit der Nabelschnur und dem Dottersack verbunden.
von Rita KreuzerProfil

Dieses Jahr brachten seine Schützlinge bereits über 20 Jungtiere zur Welt. Einige leben noch im Brutkasten.

Bis die Winzlinge so wiet sind, als überlebensfähige Tiere aus dem Ei zu schlüpfen, vergehen zwei Monate. Eine Brutpflege oder gar Aufzucht durch das Muttertier findet in keiner Weise statt.

Vor dem Schlüpfen entnimmt Meißner die vergrabenen Eier aus dem Freigehege. Vor zwei Wochen fiel ihm auf, dass ein Ei zwei Körper in sich trägt. Besonders erfreut war der Züchter zuerst nicht, da das Sterberisiko in so einem Fall recht hoch ist, da der Dottersack oft nicht beide Babys ernähren kann. Doch sowohl das acht, als auch das zwölf Gramm schwere Exemplar schafften es.

Während Einzelbabys keinen Geburtshelfer benötigen, war in diesem Fall Hilfe gefragt. Nach Tagen drehte Meißner beide Schildkröten um 360 Grad gegeneinander, beide Nabelschnüre verdrehten sich vor dem fast leeren Dottersack. Nach dem Eintrocknen trennte er beide Tiere mit der Schere. Inzwischen fressen beide Klee, Spitz- und Breitwegerich sowie Milchdisteln.

Meißner schuf dem Paar eine kleine Anlage im Garten, richtete schräge Flächen zum Sonnen ein und kleine Hindernisse wie Steine und Erdhaufen. Mittlerweile ist er Profi und überlegt, auch schon mal ein oder zwei Jahre mit der Zucht auszusetzen, weil es zu viele Schildkröten werden.

Jedes Jahr, wenn die Tage im April länger werden, hatte die Paarung Erfolg. In Sand und Rindenmulch, darüber eine Glasplatte mit tropenähnlichem Klima, gelang die Eiablage immer besser. Viel Wissen hat sich der Pirker über das Internet angeeignet. Doch die Zucht ist auch mit Bürokratie verbunden. Seit 1973 stehen die Schildkröten nach dem Washingtoner Abkommen unter Artenschutz. Mit einer Bescheinigung beim Landratsamt muss Meißner jedes lebende Tier der Unteren Naturschutzbehörde melden. Damit wird bescheinigt, dass die Tiere in Gefangenschaft geboren wurden. Gut gewachsene Exemplare verkauft Meißner schon mal an Interessenten, die er auch gerne in Sachen Zucht berät.

Josef Meißner mit dem Muttertier und einigen Tieren im Freigehege.
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