19.07.2020 - 15:52 Uhr
Pleußen bei MitterteichOberpfalz

Altes Gelöbnis bekommt neue Qualität

Die Fußwallfahrt zur Gommelberg-Kapelle in Pleußen geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahr 1836 zurück. 2020 lässt sich zur damaligen Thematik eine Brücke schlagen.

Eine stattliche Anzahl von Fußwallfahrern nahm am Sonntag an der Wallfahrt zur Gommelberg-Kapelle teil. An geführt wurden sie von Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl.
von Konrad RosnerProfil

Ein beeindruckendes Bekenntnis zum christlichen Glauben war am Sonntag die Fußwallfahrt vieler Gläubiger aus Waldsassen und Kondrau zur Gommelberg-Kapelle in Pleußen. Dort wurden sie bereits von den Einheimischen erwartet. Diese Fußwallfahrt geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahre 1836 zurück, als befürchtet wurde, dass die im benachbarten Eger ausgebrochene Cholera auf das Stiftland übergreifen könnte, was dann aber nicht geschah. Für die aktuelle Wallfahrt gab es wegen der Corona-Beschränkungen eine Ausnahmeregelung des Landkreises.

„Habt's alle ausgeschlafen?“, wollte Waldsassens Stadtpfarrer Thomas Vogl zu Beginn des Freiluftgottesdienstes vor der Gommelbergkapelle wissen. Ehe er an alle appellierte, Abstand zu halten. "Aber wer z'samm g'hört, geht z'samm.“ Der Geistliche verwies auf das damalige Gelöbnis, als die Cholera über das Stiftland hereinzubrechen drohte. Die vergangenen Monate seien ähnlich gewesen. Der Mensch habe einen Geist und eine Seele. „Und wir glauben an Gott“, so der Dekan, der dem alten Gelöbnis eine neue, aktuelle Qualität bescheinigte.

„Gema Unkraut spritzen“

In seiner Predigt ging er auf das Tagesevangelium, dem Gleichnis vom Guten und dem Bösen, ein. Dabei wurde einmal mehr klar, welch exzellenter Prediger Pfarrer Vogl ist, denn seine Worte faszinierten wohl fast jeden im weiten Rund auf dem Gommelberg. Das Böse, das Unkraut werde bekämpft, dies machten auch die Landwirte. „Gemma Unkraut spritzen“, zitierte Vogl. Die Botschaft von Jesus sei, dass neben dem Weizen, dem Guten, auch das Böse mitwachse.

Hintergründe zur Gommelberg-Wallfahrt:

Dieses Gleichnis von Himmel und Hölle habe sich tief eingeprägt, ja es sei zu einem Angstbild geworden. Allerdings sei es das Alltägliche in der menschlichen Existenz. Der Mensch frage sich: „Wie gehe ich mit meinen Fehlern um?“ Kritik übte der Pfarrer an den Fundamentalisten, für die es nur schwarz oder weiß gebe. „Denn dadurch wird vieles kaputt gemacht."

Gott sei weiser und gütiger. „Darin besteht seine Macht. Gott trägt für alle Sorge, seine Stärke ist die Gerechtigkeit“, sagte Vogl. Keiner von uns komme als Heiliger in den Himmel. „Am allerwenigsten ich“, so der Pfarrer augenzwinkernd. Er wies darauf hin, dass „die Menschwerdung anstrengend ist, aber auch die Erlösung“.

Pfarrer mahnt zur Vorsicht

Keiner wisse, wie es mit Corona weitergehe, ob ein Impfstoff gefunden werde. Dennoch meinten viele Mitmenschen, dass mittlerweile wieder alles normal laufe. „Manche haben schon alles wieder vergessen“, mahnte der Stadtpfarrer. Dabei brauche man noch die Zeit der Läuterung. „Wichtig ist, dass das Gute in einem mehr wächst als das Böse“, fasste Thomas Vogl zusammen.

Dank zollte der Stadtpfarrer dem verstorbenen Heimatpfleger Robert Treml, der stets bei dieser Wallfahrt dabei gewesen sei und sich auch um die Chronik verdient gemacht habe. „Lieber Robert, mit dir ist das Gedächtnis des Stiftlandes verloren gegangen.“ Gleichwohl werde Treml wohl von oben am Gottesdienst mit teilnehmen.

Am Ende segnete der Stadtpfarrer noch das mit viel Liebe zum Detail restaurierte Feldkreuz neben der Gommelberg-Kapelle. Die Restaurierung dauerte eineinhalb Jahre. Eine Sprecherin dankte den beteiligten Firmen und allen Spendern für die Unterstützung. Zudem wies sie darauf hin, dass die Kapelle momentan jeden Tag geöffnet sei.

Gut besucht war der Freiluftgottesdienst bei der Gommelberg-Kapelle.
Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl: "So eine Fußwallfahrt mit Abstand hat schon etwas, sie sieht gleich viel größer aus."
Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl segnete das mit viel Liebe zum Detail restaurierte Feldkreuz neben der Kapelle.
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