06.02.2020 - 11:38 Uhr
PleysteinOberpfalz

Drei Generationen singen weiter

Der Männergesangverein 1895 Pleystein feiert heuer mit mehreren Großveranstaltungen sein 125-jähriges Bestehen. Höhepunkt ist das Festwochenende vom 10. bis 12. Juli.

Die Aktiven des Männergesangvereins stellen sich am 19. Juli 1914 beim Waldfest auf dem Fahrenberg vor der Wallfahrtskirche dem Fotografen.
von Autor TUProfil

Die Vereinschronik zu diesem Anlass hat Erwin Klotz zusammengestellt. Pleystein, eng verbunden mit den Stadttürmern aus dem Geschlecht der Familie Müllner, war schon seit Jahrhunderten eine Stadt der Musik und des Gesangs. Was lag also im ausgehenden 19. Jahrhundert näher als dem Beispiel vieler deutschen Städte zu folgen und auch hier einen Gesangverein zu gründen, um dem „Deutschen Lied“ eine organisierte Heimat geben konnte.

Am 6. Dezember 1895 hoben sechs junge Männer – Alois Wildenauer, Johann Müllner, Carl Pflaum, Carl Sax, Alois Müllner, Franz Pühler – in der „Alten Post“ in der Altstadt den Männergesangverein aus der Taufe. Die nachfolgenden Jahre waren gekennzeichnet von einem regen Zuspruch und vom steten Aufschwung.

1923 wurde die Fahnenweihe festlich begangen. 89 Vereine waren eingeladen. Fahnenjunker war Anton Bock, Fahnenbraut Emma Wildenauer. Der damalige Patenverein, der Sängerbund Weiden, existiert heute nicht mehr. Die Taubstummenanstalt Michelfeld fertigte die Fahne, die inflationsbedingt 48 Millionen Mark kostete.

Die goldenen zwanziger Jahre waren geprägt von großartigen Operettenaufführungen und Singspielen. Heimatdichter Anton Wurzer, die Gebrüder Alois, Hans und Sebastian Sax, Franz Landgraf, Sebastian Müllner, Johann Müllner, Alois Wildenauer, Josef Schön, Wenzel Kirner, um nur einige zu nennen, haben damals einige bedeutsame Kapitel in der Geschichte des Traditionsvereins mitgeschrieben.

14 Pleysteiner Sänger fuhren 1928 nach Wien und beteiligten sich dort mit Fahne am 10. Deutschen Sängerbundfest. Nach der kriegsbedingten Pause wurde der Verein am 1. Februar 1949 im Gasthaus Völkl, dem Vereinslokal seit 1924, reaktiviert. Nach einem Gespräch mit Sängern aus dem Sudetenland, die als Flüchtlinge oder Vertriebene ihre Heimat verlassen mussten, und in der Gastwirtschaft Lehner selbst einen Gesangverein gründen wollten, schlossen sich diese dem Männergesangverein Pleystein an. Somit erfolgte nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine menschliche Eingliederung in der neuen Heimat.

Erster Vorsitzender nach dem Krieg wurde Josef Schön, Dirigent Sebastian Müllner. 1959 ging der Dirigentenstab in die Hände von Alois Sax über, der den Chor bis 1968 leitete. Es folgten als Dirigenten Josef Wildenauer, Johann Sax, Albert Götz und Georg Landgraf. Seit November 1999 fungiert Alexander Völkl als Chorleiter, mit Holger Scheufler als Stellvertreter. Als Vorsitzende folgten Georg Reger, Sebastian Sax, Stephan Heindl, Josef Bauriedl, Adolf Zeller, Anton Schön, Michael Hartung, Xaver Gallitzendörfer sowie Albert Schopper. Seit Januar 1989 steht Karl Herrmann an der Vereinsspitze. Sein Stellvertreter ist Stefan Weig, Schriftführer ist Alexander Wittmann und Schatzmeister Manfred Reil.

Mit vielfältigen Veranstaltungen brachte und bringt sich der MGV seit 1949 nachhaltig in der Öffentlichkeit wieder ins Rampenlicht und wurde zum kulturellen Aushängeschild in der Großgemeinde. Dem „Deutschen Lied“ widerfuhr eine Erneuerung, die bis in die Gegenwart anhält. Unvergessen bleibt das 100-jährige Gründungsjubiläum mit Segnung der neuen Fahne, das im Jahre 1995 über die Bühne ging. Derzeit zählt der Traditionsverein 298 Mitglieder, davon 41 Aktive, von denen erfreulicherweise viele Sänger unter 30 Jahre alt sind. Das Durchschnittsalter des Männerchores, in dem drei Generationen vereinigt sind, beträgt 46 Jahre.

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