Wenn eine Violinistin und ein Zither-Duo gemeinsam aufspielen, der Duft feiner Köstlichkeiten durch die Räume zieht und bei einem Glas Wein Geschichten aus vergangenen Zeiten lebendig werden, dann ist Museumsnacht in Pleystein. Die lange Museumsnacht im Stadtmuseum wurde heuer zu einem besonderen Abend voller Musik, Humor, Begegnungen und Heimatgeschichte und lockte zahlreiche Besucher.
Wie bei "Unter unserem Himmel"
Mit einem Lied aus Jütland begrüßten Anja Stecker, eine gebürtige Pleysteinerin an der Violine, sowie Albert Sommer und Daniel Riebl aus Vohenstrauß an den Zithern die Gäste. Das Trio erwies sich als Glücksgriff und gab dem Abend einen beschwingten und zugleich stimmungsvollen Rahmen. Erstmals seit längerer Zeit hatten Grete Reger und Christa Wildenauer gemeinsam mit dem Museumsarbeitskreis die lange Museumsnacht wieder organisiert.
Schon beim Betreten des Museums wurde deutlich, dass es diesmal nicht allein um die Exponate gehen sollte. Herbststräuße mit Beeren und Äpfeln verliehen den Räumen eine warme, einladende Atmosphäre. Musikalisch führte die Reise weiter mit einem Südtiroler „Ländler aus Klausen“ und dem bezaubernden „Casino Flair“. Bei „Üba d’Alma da gibt’s Kalma“ erkannten viele Besucher die vertraute Melodie aus dem Vorspann der BR-Dokumentarfilmreihe „Unter unserem Himmel“. Mit viel Gefühl ließen die Zitherspieler ein Stück bayerisch-österreichischer Klangwelt durch das Museum schweben.
Gespannt warteten die Zuhörer schließlich auf den angekündigten Pleystein-Marsch „Hoch Pleystein“ von Ludwig Damberger. Grete Reger vermutet, dass der Komponist ein Belegmeister aus einer der einst am Zottbach angesiedelten Spiegelglasschleifereien gewesen sein könnte. Auf dem erhaltenen Liedblatt findet sich die persönliche Widmung: „Meiner lieben Freundin Frl. Martha Hönig Zitherlehrerin gewidmet.“
Von Salzburg nach Pleystein
Auch Daniel Riebl verbindet mit dem Marsch eine besondere Geschichte. Bereits bei der ersten Aufführung des Pleystein-Liedes im Jahr 2010 war er dabei. Altbürgermeister Johann Walbrunn erinnerte daran, dass 2002 im Rathaus eine Anfrage aus dem Salzburger Raum eingegangen war, ob man in Pleystein den Marsch kenne. Das Stück stammte aus einem Nachlass und war zunächst in einer Dreierbesetzung überliefert. Später erhielten die Oberpfälzer Musikanten Notenmaterial, das der Diplom-Musiker Joschi Deißenberger für ein Orchester arrangiert hatte. Aufgeführt wurde das Pleystein-Lied schließlich auch in Neustadt/WN. Umso schöner, dass der Marsch nun wieder dort erklang, wo sein Name hingehört: in Pleystein.
Die Schrammelmusik ließ das Museum für einen Augenblick sogar wie ein Heurigenlokal im Wiener Weinort Grinzing erscheinen – ein musikalischer Ausflug, der bestens zum geselligen Abend passte. Doch nicht nur die Musik sorgte für Unterhaltung. Johann Walbrunn begrüßte die Gäste, darunter Diplom-Geograph Martin Füßl, den aus Pleystein stammenden und inzwischen in Freiburg lebenden Herbert Piehler sowie Stadtrat und Stadtheimatpfleger Bernd Piehler. Danach gehörte die Bühne den Geschichten. Mit „Der verwunschene Frosch im Schlossweiher“ präsentierte Walbrunn eine heitere Erzählung. Auch Geschichten aus der Sammlung des Volkskundlers Franz Xaver von Schönwerth durften nicht fehlen.
Kostbarkeiten in Vitrinen
Johann Walbrunn und abwechselnd Christa Wildenauer ließen alte Überlieferungen wieder lebendig werden. Es wurde geschmunzelt, gelacht und aufmerksam gelauscht. Natürlich konnten die Besucher auch sämtliche Räume des Stadtmuseums erkunden. Besonderes Interesse galt der Glaskunst aus Böhmen aus dem Nachlass der Mutter des Vohenstraußers Hans Oppelt. Die Kostbarkeiten in den Vitrinen zeugen von der großen Bedeutung der Glasregion und ihrer handwerklichen Tradition.
In der Museumsküche kümmerten sich die Frauen des Frauenbundes und des Arbeitskreises um das leibliche Wohl und verwöhnten die Gäste mit allerlei regionalen Köstlichkeiten. So wurde die lange Museumsnacht zu weit mehr als einem Abend im Museum. Sie verband Musik und Geschichten mit Kulinarik, Geselligkeit und dem Blick auf die eigene Vergangenheit.



























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.