16.12.2020 - 13:18 Uhr
PleysteinOberpfalz

„Hygienekonzepte anscheinend nutzlos“

Die Stadt- und Schulbücherei Pleystein war eine 15-jährige andauernde Erfolgsgeschichte. Die Schließungen wegen Corona machen sich aber nun bemerkbar. Die Art der Maßnahmen frustriert, wie Hans Müllhofer vom Bücherei-Team erzählt.

Das Bild zeigt Büchereiarbeitskreismitglied Hans Müllhofer in der Stadt- und Schulbücherei.
von Autor TUProfil

ONETZ: Wie geht es Ihnen in Corona-Zeiten?

Hans Müllhofer: Leider nicht so gut. Die Einschränkungen und staatlich verordneten Maßnahmen haben auch uns als Stadt- und Schulbibliothek schwer getroffen. Die Ausleihen sind in diesem Jahr massiv zurückgegangen. Das liegt zum einen daran, dass unsere Bücherei von Mitte März bis Juni geschlossen war und ein zum anderen, dass der Großteil unserer Ausleihen, besonders im Kinder- und Jugendbereich, über die Schule abgewickelt wird. Da hatten wir starke Einschränkungen.

ONETZ: Aber die Schule war doch offen….

Hans Müllhofer: Ja, aber unter normalen Umständen gehen die Klassen abwechselnd in die Bücherei und leihen sich gemeinsam Bücher aus. Aufgrund der Einschränkungen und unseres Hygienekonzepts durften wir nur noch maximal vier Personen gleichzeitig in die Bücherei einladen. Da würden sich die Ausleihzeiten mit den Schülern über die ganze Woche hinziehen und so viel Personal, welches ja ehrenamtlich bei uns tätig ist, haben wir nicht. Auch unser beliebter Sommerferienleseclub fiel den Hygienemaßnahmen zum Opfer, ebenso einige andere Veranstaltungen wie Preisverleihungen oder Klassenführungen.

ONETZ: Welche Maßnahmen würden Sie sich denn wünschen?

Hans Müllhofer: Nun zunächst möchten wir uns bei dem Sachaufwandsträger bedanken. Die Stadt unterstützt uns beim Kauf der Medien und auch die Hilfestellung durch die Fachstelle der öffentlichen Bibliotheken lässt nicht zu wünschen übrig. Natürlich wünschen wir uns einen ungehinderten Zugang zur Bücherei, wenn das Hygienekonzept angewandt wird. In der Zwischenzeit ist das Problem auch auf der oberen politischen Ebene angekommen. Wir finden gut, dass sich zum Beispiel Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger mit etlichen Kollegen für die Situation der Büchereien im Freistaat in diesen Zeiten interessiert und einen dementsprechenden Antrag im Landtag eingebracht haben. Wir hoffen, dass dabei auch etwas Substanzielles rauskommt.

ONETZ: Wie geht es denn weiter?

Hans Müllhofer: Seit den Sommerferien haben wir am Mittwoch und Freitag wieder die normalen Ausleihzeiten, aber wir spüren schon, dass die Besucherzahlen generell zurückgehen. Wir haben viele treue Leser, aber uns fehlen vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ich denke, da machen sich die neuen Medien ganz stark bemerkbar. Wir konnten dank Unterstützung der Stadt und der Landesfachstelle in den letzten Wochen noch einmal viele neue Medien kaufen. Das geht von neuen Bilder- beziehungsweise Kinderbüchern über DVDs und Romane bis zu den neuen Krimis. Da ist sicher für viele Leser etwas Interessantes dabei und wir hoffen, dass wir gerade in den Wintermonaten viele alte und neue Besucher begrüßen können.

ONETZ: Wie ist die finanzielle Situation?

Hans Müllhofer: Wie schon erwähnt, können wir uns über die finanzielle Unterstützung nicht beklagen. Das größere Problem liegt im ehrenamtlichen Engagement. Wir sind im Moment sieben aktive Mitarbeiter im Büchereiteam und alles läuft ehrenamtlich. Wir haben zweimal in der Woche normal geöffnet und laden bei Gelegenheit auch Schüler während des Unterrichts zur Ausleihe ein, aber damit ist es natürlich nicht getan. Bücher müssen ausgesucht, gekauft und ins System eingearbeitet werden. Der Bestand muss gepflegt und die Ausleihungen kontrolliert werden. All das ist zeitintensiv. Deshalb würden wir uns freuen, wenn unser Team Zuwachs bekommen würde.

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ONETZ: Welche Projekte schweben Ihnen denn für die Zukunft vor?

Hans Müllhofer: Wir würden gerne eine eigene Homepage oder Facebook-Seite erstellen, aber dazu haben wir aktuell nicht die geeigneten Ressourcen. Von der technischen Seite ist das kein Problem aber wenn man so etwas macht, dann muss es auch gepflegt und regelmäßig aktualisiert werden. Dazu fehlt im Moment einfach die Zeit. Wenn sich da jemand bereit erklären würde uns zu unterstützen, wären wir vielleicht in der Lage so etwas in Angriff zu nehmen. Wie gesagt, der Aufbau ist nicht das Problem – eher die kontinuierliche Pflege eines solchen Internetauftritts über Jahre hinweg.

ONETZ: Wenn Sie einen Wunsch in Bezug auf ihre Bücherei frei hätten, was wäre das?

Hans Müllhofer: Wir wünschen uns, dass viel mehr Jugendliche und junge Erwachsenen den Wert des Lesens und den Wert eines Buches erkennen würden. Das Lesen ist eine Grundfertigkeit, die auch und besonders in der digitalen Welt, in der Informationen von jedem einzelnen schnell verarbeitet werden müssen, gefragt und notwendig ist. Dabei geht es vor allem um das sinnerfassende und verstehende Lesen. Ich befürchte, dass das bei vielen jungen Leuten noch nicht richtig angekommen ist. Ein Slogan lautet: „Wer Lesen kann ist klar im Vorteil“. Das wird sich in Zukunft noch stärker bemerkbar machen, und wir sehen es auch als Aufgabe unserer Bücherei an, interessierten Menschen diese Möglichkeit ohne finanziellen Aufwand zu ermöglichen. Lesen ist nebenbei auch noch „Fernsehen im Kopf“, regt die Fantasie an und ermöglicht Erholung ohne die eigene Couch verlassen zu müssen.

ONETZ: Wie kommen Sie mit der neuerlichen Schließung der Bücherei zurecht?

Hans Müllhofer: Ehrlich gesagt ist es ziemlich frustrierend, aber eine Einflussmöglichkeit unsererseits gibt es nicht. Obwohl Büchereien und Bibliotheken nicht als Ausbreitungsorte für Viren gelten, wurde alles geschlossen. Hygienekonzepte sind anscheinend nutzlos, aber die Entscheidung treffen andere für uns. Wir bereiten uns jetzt so gut es geht auf die Wiedereröffnung vor. Nach den Verschärfungen wird es wohl erst im Februar soweit sein. Motivierend ist das alles nicht!

Info:

Stadt- und Schulbücherei Pleystein

  • Vor 15 Jahren in zwei Räumen der Zottbachtalschulen (Grabenallee 2) eingerichtet
  • Heute auf 160 Quadratmetern in drei Räumlichkeiten
  • Mehr als 9000 Medien (Bücher, DVD und Hörbücher)
  • Siebenköpfiger Büchereiarbeitskreis um Leiterin Christa Wildenauer
  • Ausleihen steigen: Von 375 (2003) auf 12 000 (2019). Seit Corona auf 7500 zurückgegangen.

 

 

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