22.11.2020 - 14:43 Uhr
PleysteinOberpfalz

Igelfreundliche Gärten: Paradebeispiel aus Pleystein

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Igel lieben reich strukturierte, naturnahe Grünflächen. An perfekten Plätzen finden sie Nahrung und Rückzugsorte, wo sie ihre Jungen aufziehen und überwintern können. Oberpfalz-Medien spürte einen igelfreundlichen Garten in Pleystein auf.

So präsentiert sich der Igel tagsüber nur selten. Die kleinen Säugetiere sind lieber nachts unterwegs.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Im Garten von Hubert G. Schmid in Pleystein fühlen sich allerhand Tiere wohl. Im Herbst bekommt er zusammen mit seiner Frau seit Jahren stacheligen Besuch. Igel finden bei den Schmids ein wahres Paradies vor, in dem es sich prächtig den Winter über wohnen und fressen lässt.

Der kleine Garten hinter dem Haus ist ringsherum mit einer Hecke umrandet. Sträucher wie Weißdorn, Berberitze und Felsenbirne sind an einem leichten Hang längst zu einem dichten Schutzwall verwachsen, der Vögeln, Igeln und Käfern wunderbaren Lebensraum bietet. "Rotkehlchen und Zaunkönig haben heuer darin gebrütet. Auch Meisen waren da. Der Igel ist unten drin. Schmetterlinge, Spinnen und Dorngrasmücke - alles mögliche ist da über das Jahr zu finden", erklärt Schmid. Der 80-Jährige hat besonderes Interesse und Gespür für Tiere und Natur. Als Storchenbetreuer beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit diesem Thema und weiß, auf was man achten muss, damit sich Tiere ansiedeln können.

Aufgepasst: Jungigel unterwegs

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Praktisch und pflegeleicht

Unter den Sträuchern hat Schmid mit Holzpfählen und dicken Ästen eine Art Befestigung gebaut, in der er abgeschnittene Äste, Laub und Grasabfälle sammelt. "Im Laub und Gehölz findet der Igel genügend Unterschlupfmöglichkeiten." Das sieht auf den ersten Blick nach enormer Arbeit aus, sei aber laut Schmid viel praktischer, als den Grünabfall ständig abtransportieren zu müssen. "Das geht dann alles irgendwann in Erde über und oben kann ich wieder neues Material reinfüllen. Das kann man jahrzehntelang so betreiben." Sauber ausgeputzte Hecken und laubfreie Grasflächen sind für den Pleysteiner im Hinblick auf seine tierischen Mitbewohner keine Option. Den Rasen mäht er nur zwei Mal im Jahr. Lärmende Gartengeräte wie Laubsauger wird man bei dem Naturfreund nicht finden.

Zwischen den Blättern am Boden spitzen rote Äpfel hervor, die Schmid dort bewusst liegen lässt. So bekommen seine Schützlinge genügend Vitamine. "Man braucht den Igel nicht zu füttern. Das ist für mich Unsinn", meint der 80-Jährige. In einem funktionierenden Naturkreislauf würden die Tiere genügend Nahrung finden. Schmid weist jedoch auf eine Gefahr hin: "Man muss schon darauf achten, dass die Hecke genügend Abstand zur Straße hat. Die Tiere brauchen Platz, um reagieren zu können."

Auch wenn er seine stacheligen Freunde nicht sieht, weiß Schmid doch, dass sie es sich in seinem Garten gemütlich gemacht haben: "Ich erkenne ja ihre Hinterlassenschaften." Außerdem schlage der Hund nebenan regelmäßig an, wenn er in der Dunkelheit einen Igel bemerkt.

"Im Laub und Gehölz findet der Igel genügend Unterschlupfmöglichkeiten."

Hubert G. Schmid

Hubert G. Schmid

Geräuschempfindliche Tiere

Auch die Kreisgruppe Neustadt-Weiden des Bund Naturschutz (BN) klärt in diesen Wochen darüber auf, wie einfach ein igelfreundlicher Garten gelingen kann. Gute Verstecke in Laub- und Holzhaufen oder Sträuchern bringen das stachelige Säugetier gut durch den Winterschlaf. Wer draußen zufüttern möchte, könne das jetzt tun. Dabei sollten laute Gartengeräte bis zum Frühjahr ruhen. „Igel sind erstaunlich geräuschempfindlich. Dadurch können Laubsauger, elektrische Heckenschere und Rasenmäher ein gut gemeintes Winterquartiert für den Igel unattraktiv machen.“, informiert Corinna Loewert, Vorsitzende der Ortsgruppe Weiden.

Richtiges Futter für den Igel

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Doch nicht nur Igel seien gefährdet. Ordnungsliebe im Garten bedrohe vor allem zahlreiche Kleintiere wie Würmer und Insekten, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Also gerade die Tiere, die der Igel als Fleischfresser zum Überleben braucht. Die Kreisgruppe bittet deshalb alle Gartenbesitzer, auf Laubrechen, -sauger und -bläser zu verzichten und stattdessen lieber wilde Ecken mit Laubhaufen im Garten einzurichten. „Wenn das alte Winterquartier nicht genug Raum und Nahrung bietet oder durch Lärm gestört wird, kann das den Igel töten. Denn die Suche nach einem neuen Schlafplatz kostet viel Energie“, weiß Loewert. Auch weist sie darauf hin, dass Igel im Sommer besonders nützlich sein können: „Ein Schneckenproblem wird es mit einem Igel im Garten sicherlich nicht geben.“

Hintergrund:

Igelhilfe - was ist erlaubt?

  • Nur kranke und verletzte Igel dürfen häuslich aufgenommen und gepflegt werden.
  • Sobald sich diese Tiere wieder selbst erhalten können, müssen sie unverzüglich in die Freiheit entlassen werden.
  • Für die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels reicht Tierliebe allein nicht aus. Igelfinder sollten sich in jedem Fall die nötige Sachkenntnis aneignen oder im Zweifelsfall fachkundigen Rat einholen.
  • Infos gibt es auf https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/igel.
  • Regionaler Ansprechpartner ist die Kreisgruppe des Bund-Naturschutzes, Telefon 0961/4726763, E-Mail: neustadt-weiden[at]bund-naturschutz[dot]de

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