22.11.2019 - 09:36 Uhr
PleysteinOberpfalz

Immer strengere Qualitätskriterien für die Milcherzeugung

Wer Milch erzeugt, muss viele Qualitätsstandards einhalten. Die Molkereigenossenschaft Pleystein mit ihren 150 Mitgliedern informierte sich über die neuesten Entwicklungen.

Bayernland-Produktionsleiter Stefan Bohle wirbt für die den neuen Qualitäts-Standard bei der Milch.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Molkereigenossenschaft liefert seit dem 1. Januar 2019 ihre Milch an die Molkereigenossenschaft Bayernland eG und nicht wie in der Vergangenheit an die Naabtaler Milchwerke. Am Montag luden die Verantwortlichen die Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung in die Stadthalle ein.

Vorstandsvorsitzender Franz Nickl freute sich, dass der Hauptgeschäftsführer der Molkereigenossenschaft Bayernland, Gerhard Meier mit Produktionsleiter Stefan Bohle und dem Erzeugerberater Dietmar Weigert den Weg nach Vohenstrauß fanden. Im Jahre 1970 gehörten der Molkereigenossenschaft Pleystein noch 1150 Milchbauern an. Die exakt um 1000 Mitglieder geschrumpfte Erzeugergemeinschaft produziert aktuell jedoch die doppelte Menge an Milch wie damals. Die Bayernland eG ist einer der größten Milchverarbeiter Deutschlands und baut derzeit unter anderem an ihrem Standort in Bayreuth eine der modernsten Käsereien.

Meier gab den zahlreich interessierten Landwirten einen Einblick in die Geschäftswelt von Bayernland. Die Liefermenge der Pleysteiner Molkereigenossenschaft beträgt rund 40 Millionen Kilogramm. Der Gruppenumsatz von Bayernland umfasse rund 800 Millionen Euro. Bayernland habe eine extrem hohe Exportquote mit über 40 Prozent und liefere in 53 Länder von Australien bis Zypern. Bisher umfasste Bayernland mit den Standorten Bayreuth, Amberg, Regensburg und Kemnath vier Produktionsstätten. Ab 2022 falle jedoch der Standort Kemnath weg, und die Produktion werde auf drei Großbetriebe konzentriert.

Ziel seines Konzerns sei nicht, die Milch billigst zu verkaufen. „In keinem anderen europäischen Land werden die Lebensmittel so billig verramscht wie in Deutschland.“ Bayernland liefere aus diesem Grund auch nicht mehr an den Discounter Lidl. „Wir stellen nichts her und verkaufen auch nichts, was wir nicht unseren Kindern bedenkenlos zu Essen geben können, und das sollte entsprechend honoriert werden.“

Bayernland zahle den Lieferanten aktuell einen Milchpreis von 35,39 Cent pro Liter bei einem Fettgehalt von 4,2 Prozent und 3,4 Prozent Eiweiß. Der Mittelwert von Vergleichsmolkereien betrage 35,01 Cent. In Bayern produziere man derzeit das 1,7-fache an Milch, als gebraucht werde. Deshalb reiche eine Regionalvermarktung bei weitem nicht mehr aus.

„Auch für Biomilchproduzenten haben wir immer ein offenes Ohr und unterstützen den Landwirt.“ Die Entscheidung dafür müsse aber eine Herzensangelegenheit sein und aus ökologischer Überzeugung erfolgen und nicht aus wirtschaftlicher Sicht. In Bayern liege der Biomilchanteil bei knapp 7,5 Prozent. Das sei deutschlandweit die höchste Quote. „Bio ist eine tolle Sache für wenige Leute.“ Der Großteil sei nach wie vor konventionelle Milch. Meier findet es jedenfalls nicht tolerierbar, dass der Discounter Lidl nun auch Biomilchprodukte billigst verschleudert.

Das Programm für mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl „Qualitätsmanagement Milch“ (QM-Milch) ist der bundeseinheitliche Standard zur Milcherzeugung, der für die Landwirte überarbeitet wurde und unter den Voraussetzungen der neuen Richtlinien ab 1. Januar 2020 in Kraft tritt. „Die Qualitätssicherung im Bereich der Milchproduktion und -verarbeitung basiert auf umfangreichen gesetzlichen Regelungen und Kontrollen“, erläuterte Bayernland-Produktionsleiter Stefan Bohle. Das Hauptaugenmerk richten sich dabei auf den Tierschutz, die Milchhygiene und das betriebliche Umfeld.

Über 99 Prozent der Milcherzeuger bieten hervorragende Voraussetzungen und liefern dementsprechend auch eine hohe Qualität. Doch leider gebe es einige wenige Landwirte, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, deshalb müsse es Ziel sein, diese „schwarzen Schafe“ entweder auf den hohen Qualitätsstandart zu bringen oder sie aus der Genossenschaft auszuschließen. Stefan Bohle ging abschließend noch auf die Lebensmittel ohne Gentechnik (VLoG) und die damit verbundene Kennzeichnungspflicht ein.

Wir stellen nichts her und verkaufen auch nichts, was wir nicht unseren Kindern bedenkenlos zu Essen geben können, und das sollte entsprechend honoriert werden.

Anbindehaltung:

Auch die Anbindehaltung der Milchkühe war ein Thema in der Versammlung. Grundsätzlich schaffe der Landwirt ab 30 Tieren in Anbindehaltung die Arbeit sowieso nicht mehr, deshalb sei diese Art der Haltung eigentlich nur mehr eine Frage der Zeit. Rein aus der örtlichen Dorfstruktur betrachtet, sei es in der Oberpfalz nicht gerade einfach, Freilandhaltung zu betreiben. Von der Betriebsgröße her gesehen rechne sich bei diesen Kleinbauern weder eine Umstellung noch ein Neubau für einen Laufstahl. „Als Unternehmer werden wir niemand einen Preisabschlag für Milch geben, wenn Tiere angebunden sind“, nahm Bayernland-Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier klar Stellung.

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