Jeder Jäger kennt die Prozedur: Einmal im Jahr muss der präparierte Kopfschmuck von männlichem Rehwild, Rotwild und Damwild im Rahmen einer Hegeschau öffentlich ausgestellt werden. So steht es im bayerischen Jagdgesetz. Die Helfer um Christian Ertl, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Vohenstrauß, sind seit Tagen mit den Vorbereitungen beschäftigt. Von Freitag, 28. April, bis Sonntag, 30. April, wollen die Waidmänner und -frauen in der Pleysteiner Schulturnhalle nicht nur den Nachweis für die Erfüllung des Abschussplans erbringen. Die Ausstellung soll als Plattform für einen Meinungsaustausch über Jagd und Natur die breite Bevölkerung ansprechen.
In einer Lagerhalle in Waidhaus wird kräftig geschraubt und montiert. Die grünen Schautafeln, auf denen die fünf Hegegemeinschaften aus Vohenstrauß, Waidhaus, Eslarn, Tännesberg und Leuchtenberg rund 400 männliche Geweihträger befestigen werden, stehen schon bereit. "Es geht uns bei der Hegeschau darum, den Zustand des Wilds zu zeigen", bringt es der Eslarner Eduard Forster, stellvertretender Jagdberater der unteren Jagdbehörde, auf den Punkt. Ertl ist sich bewusst, dass die Experten unter den Besuchern wie Jäger, Landwirte und Forstleute anhand der ausgestellten Exemplare einzuschätzen wissen, wie es um das Wild in unserer Region bestellt ist.
Es fehlen die Alten und Starken
Als Chef der Jäger im Altlandkreis sieht Ertl keine gute Entwicklung: "Grundsätzlich ist ein Trend bemerkbar, der sich in den Gehörnen hier bei der Hegeschau widerspiegelt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Qualität erkennbar gesunken. Es fehlen zunehmend die alten, starken Böcke. Der Altersdurchschnitt sinkt. Es sind immer mehr junge, schwächere Böcke mit nicht gerade überragenden Genen zu sehen." Die Tiere könnten schlichtweg nicht alt und stark werden, weil sie durch die stetig steigenden Abschusszahlen vorher geschossen werden. Es setze sich mancherorts der Grundsatz „Zahl vor Wahl“ durch. Das wirke sich auf die Qualität der Rehpopulation insgesamt aus. Sikawild dränge seit Jahren immer häufiger aus Tschechien in grenznahe Reviere vor. "Hauptsächlich junge männliche Stücke, aber auch Alttiere, die dann Nachwuchs bei uns bekommen. Es werden aber schon etliche Stücke bei uns erlegt", erklärt Ertl.
Ob die Jäger der fünf Hegegemeinschaften im Altlandkreis Vohenstrauß ihre Vorgaben erfüllt haben, ist wenige Tage vor der Hegeschau noch nicht bekannt. Die Meldungen gehen direkt an die Untere Jagdbehörde. Grundsätzlich legen die Abschusspläne fest, wie viel Stück Reh- und Rotwild in einem Jagdrevier – zahlenmäßig getrennt nach Wildart und Geschlecht – erlegt werden sollen. Sie gelten jeweils für ein Jagdjahr, beim Rehwild jeweils für drei Jagdjahre. Bei der Abschussplanung ist neben der körperlichen Verfassung des Wildes vorrangig der Zustand der Vegetation, insbesondere der Waldverjüngung zu berücksichtigen. Den Ergebnissen der Forstlichen Vegetationsgutachten kommt daher eine grundlegende Bedeutung zu.
Hegeschau in der Kellerbar
Veranstalterin der Hegeschau ist die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Neustadt/WN. Von jeher sind jedoch die Jagdverbände mit der Ausrichtung beauftragt. Nicht zuletzt die Landwirte als Grundbesitzer und damit Jagdinhaber nutzen die Gelegenheit, um sich über Situation und Herausforderungen wie zum Beispiel die Rückkehr der Wölfe zu informieren. Eduard Forster erinnert sich: "Vor 40 Jahren war die Hegeschau eine reine Pflichtveranstaltung. In der Kellerbar im Gasthaus Bodensteiner in Moosbach haben wir die Trophäen pflichtmäßig hingestellt. Dann versuchten wir, die Schau mit Tierpräparaten attraktiver zu machen."
Fuchs, Wiesel, Sperlingskauz - gezeigt werden keine Exoten, sondern Präparate von Tieren, die in unserer Region leben oder lebten. Imkerverein und Fischerverein seien mit von der Partie. Vor allem Kinder wollen die Jäger mit ihrer Schau für das Thema Jagd und Natur begeistern. Der Freitagvormittag ist unter dem Thema "Natur erleben und begreifen" fest für Schulklassen reserviert. Ein Jäger wird mit seinem Hund vor Ort sein und den Buben und Mädchen demonstrieren, wie wichtig gut ausgebildete Jagdhunde sind.
Vorurteile ausräumen
Kritikern, die den Jägern angesichts der ausgestellten Gehörne aus der Zeit gefallenen Trophäenkult vorwerfen, begegnen die Mitglieder der Kreisgruppe Vohenstrauß entspannt. Ertls Stellvertreter Sascha Freymann meint nur knapp: "Da ist doch eher derjenige gemeint, der nach Afrika reist, sich eine Antilope schießt und dann stolz darauf ist, dass er die Antilope im Wohnzimmer hat. Das ist Trophäengeilheit. Wir dagegen wollen mit der Hegeschau Vorurteile ausräumen."
Die Vorbereitung der Schau ist aufwändig, kostet Zeit und Geld. Jeder Jäger muss das erlegte, männliche Wild eigenhändig präparieren. Für das stundenlange Auskochen von Rehbockköpfen sei nicht jede Küche wirklich gut geeignet. Nicht zuletzt wegen des unangenehmen Geruchs machen sich so manche Waidleute mit einer elektrischen Kochplatte auf die Suche nach einem Ausweichquartier. Für die Prozedur werden gern auch Feuerstellen an Weihern aufgesucht, gerade wenn es sich um das Präparieren von kapitalen Exponaten wie Hirschköpfen handelt. Erst nachdem der Schädel (nicht das Gehörn) mit Wasserstoffperoxid gebleicht worden ist, könne von einem optisch einwandfreiem Ergebnis gesprochen werden. Nach der Hegeschau montieren die Jäger die Trophäen wieder ab und nehmen sie mit nach Hause. Auch wenn sie dort nicht unbedingt Wände schmücken, bleiben sie doch Erinnerungsstücke an eine waidgerecht erfolgte Jagd.
Hegeschau in der Pleysteiner Schulturnhalle
- Sonntag, 30. April, 10 bis 13.30 Uhr: Hegeschau für die Öffentlichkeit
- Sonntag, 30. April, ab 14 Uhr: Hegeschau der Kreisgruppe Vohenstrauß
- Christian Ertl, Vorsitzender der Kreisgruppe Vohenstrauß, nimmt Stellung zu aktuellen Themen wie Wolf, Rotwildgebiete und Vegetationsgutachten
- Weitere Sprecher: Vertreter des Bayerischen Bauernverbands, der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß, des Forstbetriebes Flossenbürg, des AELF Weiden und des Bayerischen Jagdverbands (BJV)
- Ehrungen langjähriger Mitglieder des BJV
- Statistik und Bekanntgabe der Abschusszahlen für das Jagdjahr 2022/2023


















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