08.02.2019 - 13:47 Uhr
PleysteinOberpfalz

Pleystein in Schutt und Asche

In der Region wüteten im 19. und 20. Jahrhundert viele verheerende Brände. Ein Historiker aus Regensburg hat darüber geforscht.

Pleystein nach dem Großbrand vom 10. Juli 1901.
von Autor TUProfil

Die Feuerwehr feiert von 27. bis 30. Juni ihr 150-jähriges Bestehen. Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs referierte Bernhard Fuchs, Historiker und Doktorand der Universität Regensburg, im Hotel "Regina" vor rund 100 Zuhörern über Brände im 19. und 20. Jahrhundert im Altlandkreis Vohenstrauß. Ein Feuer machte die Betroffenen oder die Gemeinschaft zu Bettlern. Entsprechend hart waren die Strafen für Brandstifter. Bei leichtsinnigem Verhalten wurde der Betreffende des Landes verwiesen.

Der Referent berichtete unter anderem über ein verheerendes Unglück in Waidhaus am 9. und 10. August 1868, bei dem 86 Haupt- und 135 größere Nebengebäude abbrannten. 156 Familien wurden obdachlos. Als Brandursache wurde Brandstiftung vermutet. Menschenleben waren nicht zu beklagen. Das größere Vieh konnte gerettet werden. Viele Brandleider konnten nur das nackte Leben retten und erlitten schwere Not. Entschädigungszahlungen standen weit hinter den Kosten des Wiederaufbaus zurück.

"Die Oberpfalz im Allgemeinen und das Landgericht Vohenstrauß im Besonderen war einer der von Bränden am meisten betroffenen Bezirke im Königreich Bayern. Im 19. Jahrhundert brannten von den acht Städten und Märkten jenes Landgerichts alle mindestens einmal komplett ab. Auch fast alle kleineren Orte fielen im Laufe des Jahrhunderts dem Feuer zum Opfer", fuhr Fuchs fort. Feuersbrünste seien schon immer eine drohende Gefahr für die zumeist aus Holz und Stroh errichteten Gebäude gewesen. Einen Schritt zur Verbesserung zumindest der finanziellen Situation machte 1811 die Brandversicherungsanstalt, bei der die Eigentümer ihre Häuser zu versichern hatten. Die Staatsbehörden erfassten nun die Gebäude jedes Orts. Im Jahr 1815 gab es in der Region 6907 Gebäude. 469 waren mit Ziegeln, 4608 mit Holzschindeln und 1830 mit Stroh eingedeckt. In Vohenstrauß hatten von 371 Häusern 19 Ziegel-, alle anderen Schindeldächer. Den höchsten Ziegelanteil hatte Woppenhof mit 24 von 54 Bauwerken.

In einer Studie listete der Historiker Brandkatastrophen und den nachfolgenden Wiederaufbau in der Region um Vohenstrauß auf. "Von den 34 untersuchten Bränden brachen die meisten durch Fahrlässigkeit aus, so in Pleystein am 10. Juli 1901, als die Grabenmühle am östlichen Rand der Altstadt vermutlich durch Funkenflug aus dem Kamin in Brand geriet. Kaum jemand rechnete damit, dass der gesamte östliche und südliche Teil der Stadt mit den beiden Kirchen ein Raub der Flammen werden würde", betonte Fuchs.

Weitaus unbedeutender seien Wetterereignisse beim Ausbruch von Feuer gewesen. In Tännesberg habe 1826 ein Blitzschlag ein Feuer ausgelöst, dass 68 Anwesen einäscherte. Brandstiftung habe nur für Leuchtenberg 1842 nachgewiesen werden können, als an 5 Stellen im Ort zugleich das Feuer ausbrach. In Moosbach sei 1848 während des Gottesdiensts im Haus eines Hutmachers ein Feuer entstanden, das den ganzen Ort bis auf vier Häuser einäscherte. Das Anwesen sei schon Wochen vorher als Ort eines möglichen Brandausbruchs bezeichnet worden.

Mit Feuer spielende Kindern hätten den großen Brand von Eslarn verursacht, der die Hälfte des Marktes, 147 Anwesen, vernichtete. Der größere Teil der untersuchten Brände habe sich im Hochsommer ereignet, oft nach einer längeren Trockenperiode. Von den jeweils schwersten Bränden, die acht Städte und Märkte des Bezirks heimsuchten, seien fünf im Juli, zwei im August und einer im Oktober ausgebrochen. Fuchs hat alle Brände im Bezirk detailliert aufgeführt, darunter in Eslarn, Tännesberg, Etzgersrieth, Roggenstein, Vohenstrauß, Leuchtenberg, Pleystein, Waldau, Moosbach, Waidhaus, Waldthurn, Altenstadt, Burkhardsrieth, Kaimling, Lerau, Michldorf, Tröbes, Heumaden und Miesbrunn. Wenn das Feuer einmal eine gewisse Mächtigkeit erreicht hatte, habe es praktisch keine Rettung gegeben.

Löschmannschaften seien Anfang des 19. Jahrhunderts noch bei Weitem nicht adäquat ausgerüstet gewesen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seien in den größeren Orten Pflichtfeuerwehren eingeführt worden, deren Erfolg sich jedoch in Grenzen hielt. Ab den 1860er Jahren hätten dann Freiwillige Feuerwehren diese Pflichtfeuerwehren abgelöst. Die erste Freiwillige Feuerwehr in der Umgebung sei 1865 in Vohenstrauß aus der Taufe gehoben worden. Anschließend hätten sich in den übrigen Orten solche Feuerwehren rekrutiert, die jedoch häufig nicht besonders gut ausgerüstet waren. Deshalb habe das Bezirksamt ab 1874 kleine Wehren dazu gedrängt, Feuerlöschbezirke zu bilden und gemeinsame Feuerspritzen mit staatlicher Bezuschussung zu erwerben.

Sie freuen sich schon auf das Feuerwehrjubiläum (von links): Stadtheimatpfleger Bernd Piehler, Feuerwehrvorsitzenden Hans-Peter Wallner, Referent Bernhard Fuchs, Feuerwehr-Festbraut Julia Beugler, Festleiter Hans Rewitzer sowie Altbürgermeister Johann Walbrunn.
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