16.04.2019 - 10:05 Uhr
PleysteinOberpfalz

Rettung von Häftling 1935

Vertreter des Vereins "Lila Winkel" gastieren in außergewöhnlicher Geschichtsstunde.

Esther Dürnberger (links) und Ingrid Portenschlager (rechts) informieren die Schüler.
von Externer BeitragProfil

Es ist immer etwas Besonderes, wenn Schüler Geschichte von Menschen erfahren, die sie selbst erlebt haben. Anlässlich des 74. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg besuchte der österreichische Verein Lila Winkel die siebte Klasse der Zottbach-Mittelschule in Pleystein. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch Zeitzeugengespräche der zweiten Generation junge Menschen über das Unrecht in der NS-Zeit zu informieren, um so zu zeigen, wohin Intoleranz und Missachtung der Menschenwürde führen können. Zuerst zeigte Esther Dürnberger, die Organisatorin des Vereins, durch Fakten über das sogenannte "Dritte Reich", was dieses für die Menschen damals bedeutete.

Dann schilderte Ingrid Portenschlager, was ihr Vater Ernst Reiter als Häftling im Konzentrationslager Flossenbürg erlebte. Ihr Vater war viereinhalb Jahre wegen seiner religiösen Überzeugung als Bibelforscher – so nannte man Jehovas Zeugen damals – im KZ Flossenbürg inhaftiert. Er musste allerlei Schikanen und Folterungen brutalster Art erleiden. Er arbeitete im berüchtigten Flossenbürger Steinbruch und musste Granitsteine per Handarbeit in eine Quaderform bringen. Eines Tages sagte er zu einem Mithäftling, dass er aufgeben wolle, da er nicht mehr könne. Dieser aber überredete ihn, sich wenigstens noch einen Tag am Appellplatz einzufinden. Dort erfuhr er, dass er sofort zum Verwaltungsgebäude kommen sollte. Als er schon damit rechnete, in das Vernichtungslager Ausschwitz überstellt zu werden, hörte er, dass er künftig in der Schreibstube arbeiten sollte. Das rettete ihm, wie er selbst sagte, das Leben.

Den KZ-Insassen wurde jegliche Identität genommen. Sie wurden auf ihre Häftlingsnummer (Reiter bekam Nummer 1935) reduziert und unterschieden sich lediglich durch besondere Kennzeichen auf ihrer Häftlingskleidung. Im Falle von Reiter war dies der für die Bibelforscher typische "lila Winkel". Noch heute kann man in Flossenbürg neben einer Gedenktafel für Reiter diese Erkennungssymbole besichtigen.

Esther Dürnberger (links) und Ingrid Portenschlager (rechts) informieren die Schüler.
Esther Dürnberger (links) und Ingrid Portenschlager (rechts) informieren die Schüler.
Esther Dürnberger (links) und Ingrid Portenschlager (rechts) informieren die Schüler.

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