12.04.2019 - 10:25 Uhr
PleysteinOberpfalz

Schülerlotse und Außenminister feiert Runden

Johann Walbrunn wird am Sonntag, 14. April, 70 Jahre alt. Im Interview blickt der Altbürgermeister auf die wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit zurück und verrät, warum er gerne Schülerlotse geworden ist.

Pleysteins ehemaliger Rathauschef Johann Walbrunn vor der Lourdesgrotte. Am Sonntag feiert er 70. Geburtstag und wünscht sich unter anderem die Kraft, weiterhin für sein "schönes Rosenquarzstädtchen" da sein zu können.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

"Das ist ja ein richtiges Volksfest", staunte am Dienstagabend ein Urlauber, der auf dem Marktplatz den Auftakt der Feier von Bürgermeister Johann Walbrunn zum 60. Geburtstag miterlebte – So begann vor zehn Jahren der Artikel zum Geburtstag des damaligen Pleysteiner Rathauschefs. Sein 70. Wiegenfest möchte Altbürgermeister und Ehrenbürger Walbrunn etwas ruhiger angehen lassen.

ONETZ: Herr Altbürgermeister Walbrunn, 800 Gäste zum 60. Geburtstag am Marktplatz. Das lässt sich zum 70. schwer toppen.

Johann Walbrunn: Also ich habe gesagt, das machen wir ein bisschen kleiner, ich habe ja den 50., 60. und den 65. groß gefeiert. Der 65. war ja auch gleichzeitig mein Abschied aus der Politik.

ONETZ: Was planen Sie?

Johann Walbrunn: Samstagnachmittag ist eine Feier mit Vereinen und Freunden im Sportheim. Ich erwarte etwa 80 Gäste. Ich bin ja in gut 25 bis 30 Vereinen. Die Leute scherzen schon immer, ob ich auch Mitglied im Frauenbund bin. Der Sonntag ist dann gemütlicher. Da feiern wir mit der Familie.

ONETZ: Welche Vereine liegen Ihnen besonders am Herzen?

Johann Walbrunn: Ich war in der Wasserwacht Gründungsmitglied und knapp 30 Jahre lang Vorsitzender, beim TSV-Skiclub Gründungsmitglied und bis 2004 Vorsitzender und 28 Jahre Leiter der Atemschutzgruppe der Feuerwehr. Ich singe in drei Chören, im Kirchenchor seit über 40 Jahren, im Gesangsverein seit 1966, außerdem bin ich Mitglied einer kleinen A-Capella-Gruppe, den Pleysteiner Sängern.
Musik öffnet das Herz.

ONETZ: Und?

Johann Walbrunn: Ich war 24 Jahre Kirchenpfleger. Es gibt vieles, was man noch erwähnen könnte, was man zwischendurch so macht. Trauerreden schreiben etwa, ich bin auch seit neuestem Präsident der Schönwerth-Gesellschaft, und ich habe den Museumsarbeitskreis und den Büchereiarbeitskreis mitgegründet.

ONETZ: Im März 2018 mussten Sie den Tourismusverein mit beerdigen. Das ist Ihnen damals offensichtlich nicht leicht gefallen.

Johann Walbrunn: Ich war ja Stellvertreter und habe das Amt vom Vorsitzenden übernommen, der es 40 Jahre bis zu seinem Tod geführt hat. Wir haben gesagt, wir wollen der Stadt in Form eines Arbeitskreises zuarbeiten.

ONETZ: Bürgermeister Rainer Rewitzer bezeichnete Sie als „Außenminister“ der Stadt.

Johann Walbrunn: Pleystein hat ja zwei Partnergemeinden, in Tschechien die Stadt Bor, das ehemalige Haid, und in der Südsteiermark die Weinbau-Gemeinde Gamlitz. Ich unterstütze nach wie vor die vielschichtigen Verbindungen.

Die Leute scherzen schon immer, ob ich auch Mitglied im Frauenbund bin.

Altbürgermeister Johann Walbrunn

ONETZ: Sie sind auch Schülerlotse.

Johann Walbrunn: Die Lehrer fordern immer wieder die Eltern auf, Schulwegbegleiter zu machen. Da habe ich gesagt, wenn ich nicht mehr Bürgermeister bin, mache ich einmal in der Woche auch einen Schülerlotsen. Die Kinder gehen die paar Hundert Meter zu Fuß und kommen immer froh gelaunt mit roten Backen in die Schule, viel besser, als wenn sie mit dem Auto hingebracht werden, und ich habe auch immer einen schönen Gessprächsstoff mit ihnen.

ONETZ: Sie haben im Lager angefangen und sind später Leiter der Raiffeisenbankfiliale geworden.

Johann Walbrunn: Ja, im Lagerhaus in Pleystein als Großhandelskaufmann. Damals hat man dort teilweise noch Bankgeschäfte erledigt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ab 1981 bis 2002, nach der berufsbegleitenden Ausbildung zum Bankkaufmann, war ich Leiter der Raiffeisenbankfiliale in Pleystein.

ONETZ: Dann kam endgültig der Ruf der Politik.

Johann Walbrunn: Ich war seit 1978 im Stadtrat und mit 29 Jahren gleich Dritter Bürgermeister. Die Entscheidung zur Bürgermeisterkandidatur war nicht einfach. Es ist vorher schon an mich herangetragen worden. Ich war aber noch nicht so weit. Dann hieß es: „Du musst jetzt ran.“ Das habe ich dann auch mit meiner Familie besprochen. Das Ergebnis bei den Wahlen hat mich motiviert: 2002 und 2008 jeweils um die 80 Prozent Zustimmung.

ONETZ: Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken: Was war die wichtigste Entscheidung?

Johann Walbrunn: Wir hatten ja früher Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Die wichtigste Entscheidung war die weitere Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung in der Großgemeinde. In diesem Zug gab es in den Ortsteilen auch eine Dorferneuerung.
In Verbindung mit dem Wasserwirtschaftsamt haben wir eine einzige Satzung geschaffen, sodass die Beiträge und Gebühren überall gleich waren. Das und die Gesamtkosten von 10 Millionen Mark, die wir auch auf die Bürger umlegen mussten, haben für große Diskussionen gesorgt. Auf Zuschüsse mussten wir seinerzeit teilweise drei Jahre warten.

ONETZ: Wofür werden Sie kritisiert?

Johann Walbrunn: Es hat natürlich ab und zu mal negative Aussagen gegeben. Feindschaften haben sich nicht entwickelt. Wenn man in einem öffentlichen Amt ist, ist man natürlich in der Kritik, aber darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Wir haben ja so eine schöne Natur, das ist immer wieder ein Ausgleich. Auch meine Familie. Meine Frau hat mich ja so gut unterstützt.

ONETZ: Was schätzen die Leute an Ihnen?

Johann Walbrunn: Meine Offenheit, ich gehe auf jeden zu, ich spreche mit den Kindern und den Erwachsenen, ich versuche, die Leute anzuhören.

ONETZ: Haben Sie ein Lebensmotto?

Johann Walbrunn: Viele bewundern ein Feuerwerk, nur wenige einen Sonnenuntergang. Oft ist es besser, wenn man mal darüber schläft oder vernünftig darüber nachdenkt, dann macht man vielleicht weniger Fehler. Mein Leitspruch ist: „Wer anderen nützen will, findet überall Beschäftigung.“

ONETZ: Was haben Sie sich zum Geburtstag gewünscht?

Johann Walbrunn: Vor allem Gesundheit, fröhliche Begegnungen und vom Herrgott die Kraft weiterhin für meine Familie und unser schönes Rosenquarzstädtchen da sein zu können.

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