19.02.2020 - 09:19 Uhr
PleysteinOberpfalz

Sonderausstellung im Pleysteiner Stadtmuseum: Plädoyer für den Naturschutz

Die Saison im Stadtmuseum startet mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Lebensräume - Naturschätze - Bald nur noch Erinnerung?" von Hubert G. Schmid im Kultursaal. Sein Vortrag dazu rüttelt die Zuhörer auf.

Autor Hubert G. Schmid beeindruckt mit einem informativen Vortrag über Fauna und Flora in der Region.
von Autor TUProfil

Grete Reger konnte für den Museumsarbeitskreis rund 50 Teilnehmer willkommen heißen. Sie leitete nach der kurzen Vernissage zum zweiten Teil der Zusammenkunft über. Hubert G. Schmid präsentierte dem Publikum farbenprächtige, aber auch aufrüttelnde Lichtbilder über die Fauna und Flora in unserem Raum.

90 Minuten lang offerierte er nicht alltägliche Einblicke in die verschiedenen Naturschönheiten. Er präsentierte unter anderem neben selten gewordenen Pflanzen Hohlwege, Brachen und Trockenmauern, die von Pflanzen besiedelt worden sind. Pflanzen und Tiere würden sich zurückholen, was nicht mehr gebraucht werde. Beispiele dafür seien der Huflattisch, die Zauneidechse und der Mauerfuchs. Natürlich bewachsene Waldränder und Waldwegabgrenzungen seien nicht nur schön anzusehen, sondern sie seien auch ein Schutz gegen Wind und Austrocknung sowie ein Sichtschutz für Rehe und andere Wildtiere. Auch Feldwege und wenig befahrene Straßen sollten zumindest auf einer Seite eine breitere Bepflanzung haben.

Hecken zwischen Feldern und Wiesen seien nicht nur Lebensraum für Insekten, Vögel, Echsen, Schlangen und kleinere Säugetiere, sondern vor allem eine Verbesserung für das Kleinklima auf den anschließenden Flächen. Man habe festgestellt, dass allein die Verbesserung des Kleinklimas den Nutzen eines Grundstücks bereits auf wenigen Metern ausgleiche. Symptomatisch sei das Verschwinden der Rebhühner. Hier seien nicht die Greifvögel schuld. Es fehle Nahrung und Deckung. Interessant sei, dass man schon mehr Feldhasen im Wald finden würde als auf dem Feld.

"Wir sind abhängig von einer gesunden Umwelt. Ein gutes Beispiel ist, großzügige Abstände zu Bächen und anderen Gewässern beim Ausbringen von Dünger einzuhalten. Das alles ist kein Problem der Landwirtschaft, auf die es gerne geschoben wird. Es ist unser aller Pflicht und Schuldigkeit, und es muss uns auch finanziell mehr wert sein". Eines der besten Beispiele für die Reaktion auf die Veränderung der Umwelt sei das Braunkehlchen, das vom Aussterben bedroht sei. Schuld daran seien die Umwandlungen der Strukturen unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche, der Rückgang von Insekten und möglicherweise auch die Klimaerwärmung. Es gebe auch Arten, die recht gut mit den neuen Bedingungen fertig werden würden. Beispiele seien hier der Neuntöter und der Baumpieper.

Käfer und Libellen würden aus unseren Nutzflächen verschwinden und seien nur noch in naturbelassenen Gärten zu finden. Wer Gräben verrohre und Tümpel zuschütte, der brauche sich nicht zu wundern, wenn es keine Frösche, Kröten, Molche und Libellen mehr gebe. Jeder könne in seinem eigenen Garten seinen Beitrag zu ein bisschen mehr Natur leisten. „Interessante positive Entdeckungen macht man an Moor- und Waldweihern, vor allem was Reptilien und Amphibien anbelangt“, betonte der Referent.

"Die Entwicklung unserer Landwirtschaft mit immer weniger Betrieben, die immer mehr Flächen bewirtschaften, führt notgedrungen zu rationellen Bewirtschaftungsmethoden. Nicht mehr eine mehrfache, aufwändige Bearbeitung der Saaten mit mechanischen Mitteln zur Bekämpfung der unerwünschten Wildkräuter wird angewandt, sondern die wesentlich einfachere chemische Behandlung durch Spritzmittel gegen diese Pflanzen sowie gegen den Befall mit Pilzschädlingen und Schadinsekten". Die Folgen seien Monokulturen ohne blühende Pflanzen und die dazugehörigen Insekten.

"Grundsätzliche Änderungen kann man weder von der Industrie, auch nicht von den Landwirten erwarten. Hier müssen alle Menschen von unseren gewählten Vertretern und zwar zumindest in ganz Europa Konsequenzen verlangen", betonte Schmid. Reicher Applaus der Zuhörer belohnte ihn für diese heimatkundliche Exkursion. Stadtheimatpfleger Bernd Piehler und Arbeitskreisleiterin Christa Walbrunn bedankten sich bei Hubert G. Schmid „für den großartigen, zum Umdenken in Sachen Natur- und Umweltschutz anregenden Vortrag und für die an den Wänden installierte Bilderpräsentation“.

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