31.07.2020 - 20:14 Uhr
PleysteinOberpfalz

Stefan Voit: Für Stahlbau ein goldenes Händchen

Das Pleysteiner Unternehmen ist weit entfernt von jeder Corona-Depression: Neben einer Großinvestitionen freut sich der Betrieb über einen besonders und spektakulären Auftrag am Hamburger Elbstrand

Stefan und Ehefrau Margit Voit können mit der Entwicklung ihres Unternehmens sehr zufrieden sein.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Die Region weist die meisten Stahlhallenbaufirmen in Süddeutschland auf - zu einem Aushängeschild hat sich das Unternehmen von Stefan Voit im östlichen Landkreis Neustadt/WN entwickelt. In den kommenden 24 Monaten stehen rund 10 Millionen Euro Investitionen für drei Hallen an. Und dann soll noch ein Hochregallager mit beeindruckenden Dimensionen entstehen. Dazu kommt der spektakulärste Auftrag der Firmengeschichte: Für die Lürssen Werft in Bremen baut der Mittelständler eine schwimmende Halle.

Blick auf den Voit Firmensitz bei Pleystein. In den vergangenen Jahren hat sich hier viel verändert. Die nächste Erweiterung steht schon an.

Das stylische Projekt - die Außenhaut ähnelt dem Design der Münchener Allianz-Arena - misst 160 mal 40 mal 41 Meter. Die Halle pendelt zwischen Bremen und Hamburg. Voit beziffert das Auftragsvolumen auf einen "zweistelligen Millionenbetrag". "Wie die Elb-Philharmonie wird die futuristische Konstruktion die Silhouette Hamburg prägen", sagt Voit. Bei einer Präsentation am 10. August wird die erste 41-Meter-Stütze gesetzt.

"Präzision, Liefertreue, Qualität"

Voits Versprechen für "Präzision, Liefertreue und Qualität" kommt im deutschsprachigen Raum sowie in Italien, Frankreich und Tschechien gut an. "Wir bleiben bei unserer Linie, dass wir nicht an Endkunden, sondern als Lohnfertiger nur an Händler liefern", betont Voit. Wie eine modernistische "Fata Morgana" wirkt in der herben Landschaft zwischen Pleystein und Waidhaus das Areal mit einer Produktionsfläche von über 20 000 Quadratmetern. 12 000 Tonnen Stahl wurden 2019 hier zugeschnitten. 2012 waren es 3800 Tonnen.

Laser-, Plasma-, und Autogenschneidanlagen, sowie vier Sägebohranlagen kappen und trennen den bis zu 21 Meter langen und 30 Zentimeter starken Stahl. Verschweißt werden die Trägerbaugruppen nicht nur von Hand, hier übernehmen drei XXL-Roboter die körperlich anstrengende Aufgabe. Nicht nur hunderte Stahlkonstruktionen für kleine und große Hallen verlassen jährlich das Werk; Stützpfeiler für Lärmschutzwände sowie Industrie-Carports sind inzwischen ein wichtiger Geschäftszweig. In diesem Jahr lieferte Voit 1000 Stück dieser Carports für je acht Autos aus - bis nach Afrika.

"Die Digitalisierung ist voll angekommen", sagt Stefan Voit. Der Technik-affine Firmenchef schrieb die Software für die Schweißroboter selbst, optimierte die Fertigungsprozesse und taktete den Workflow. Im Gegensatz zu den auf Serien programmierten Roboter-Fertigungsstraßen der Automobilhersteller fällt bei Voit jeder Auftrag anders aus, mit entsprechend geringen Stückzahlen.

Keine fossile Energie

Ein persönliches Anliegen ist ihm die Umwelt, sagt Voit. Auf den Dächern der Hallen produzieren PV-Module bis zu 1,4 Megawatt Strom. Stromintensive Arbeitsprozesse plant Voit in den Mittagsstunden oder nachts. Ein Pilotprojekt mit dem Bayernwerk mit einem 100-Kilowatt-Stromspeicher erwies sich als nicht praxisgerecht: "Die Amortisation hätte mehr als 300 Jahre betragen." Dafür bezieht Voit von einem 1100 Meter entfernten Landwirt Abwärme einer Biogasanlage. "Es gibt in unserem Betrieb keine fossile Energie mehr. Auch die Lacke für die Beschichtungen sind lösemittelarm."

Es gibt in unserem Betrieb keine fossile Energie mehr. Auch die Lacke für die Beschichtungen sind lösemittelarm.

Stefan Voit

Mit Freude betrachten Stefan Voit und Ehefrau Margit (Prokuristin) die Resonanz der Mitarbeiter auf die Motivations-Förderung: die Sauna in der Umkleide, Königlich-Bayerischer Biergarten, eigener Fitnessraum, die VS-Bar, die nummerierten Parkplätze mit der Jahreszahl der Betriebszugehörigkeit. Da die Auftragsbücher voll sind, gilt das Arbeitszeitmodell an sechs Tagen die Woche, allerdings individuell frei wählbar von 3 Uhr in der Früh bis 21 Uhr am Abend ohne eine Kernarbeitszeit. Die Zahl der Belegschaft stieg von 8 im Gründungsjahr auf heute 75.

Quasi ein "Alleinstellungsmerkmal" ist die Gemeindeverbindungsstraße Pleystein-Waidhaus: Sie läuft mitten durchs Betriebsgelände. Vergangenen Herbst kam es zu einem schweren Unfall. "Ich will einen neuen Straßenverlauf mit einem Mehr an Verkehrssicherheit", sagt Stefan Voit. Daran hängt auch die Verwirklichung des 3,5 Millionen teuren Hochregallagers. Der Firmenchef ist zuversichtlich, dass es bis zum 20. Betriebsjubiläum am 1. Mai 2022 klappt.

Spendabler Unternehmer

Weiden in der Oberpfalz
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