"Das ist heute wie Weihnachten für mich." Maria Poblotzki, Tochter des Pleysteiner Heimatforschers Siegfried Poblotzki, öffnete kürzlich im Pleysteiner Stadtmuseum ein weitgereistes Paket, um den Inhalt dann umgehend an den Museumsarbeitskreis weiterzuverschenken. Es handelt sich dabei um ein zweites, bislang unbekanntes Werk ihres Vaters, das während seiner Gefangenschaft in Frankreich entstanden war. Im Mai hatte sie eine E-Mail von Christian Jacq erhalten, der bereits 2017 Kontakt zu ihr aufgenommen hatte.
In der Nachricht schreibt er: "Vor ein paar Jahren schickte ich Ihnen mit großer Freude ein von Ihrem Vater gemaltes Bild und sagte Ihnen, dass es noch ein zweites gab, aber ich wusste nicht, wo es war. Nun können Sie sich vorstellen, dass ich es gefunden habe, als ich die Wohnung meines älteren Bruders ausräumte, der letztes Jahr verstorben ist? Ich wusste nicht, dass er derjenige war, der es behalten hatte. Das Format mit Rahmen ist das gleiche wie bei dem anderen (34 mal 26 Zentimeter)." Es handle sich um ein Ölgemälde auf Karton. Jacq beschreibt das Bildmotiv: "Es zeigt ein Dorf mit Bergen im Hintergrund und (vielleicht) dem Meer rechts unten. Sieht aus wie eine mediterrane Landschaft, aber ich bin mir nicht sicher."
Eine kleine Bedingung
Jacq, der in Lot, einem Département im Südwesten Frankreichs, lebt, machte Maria Poblotzki gleich den Vorschlag, auch dieses zweite Gemälde ihres Vaters dem Pleysteiner Stadtmuseum zu überlassen. Er knüpfte nur eine kleine Bedingung daran: "Es ist so, dass die beiden Gemälde immer zusammen bleiben (sollen), so wie sie vorher gelebt haben." Außerdem bat er um die Erstattung der Versandkosten. Überwältig von den Neuigkeiten antwortete Maria Poblotzki: "Es ist schon etwas Besonderes, dass auch das zweite Gemälde meines Vaters in Ihrer Familie ‚überlebt‘ hat. Interessant auch, wie er damals gemalt hat, er war ja noch ziemlich jung. Im Anhang sende ich Ihnen Fotos aus dem Stadtmuseum Pleystein, in dem das erste Bild hängt, das Sie uns geschickt haben. Es bekommt viel Aufmerksamkeit, weil es eine so schöne und seltene Geschichte hat."
Im Jahr 2017 hatte der Museumsarbeitskreis ein Schreiben in französischer Sprache erhalten. Der Brief hatte folgenden Inhalt: Christian Jacq besitzt ein Ölgemälde auf Holz, das ihn an seine Eltern erinnert und das mit "S. Poblotzki" signiert ist. Es stellt eine Hafenansicht der Stadt Close des Concarneau in der Bretagne dar. Jacqs Eltern wurden beide 1919 in der Bretagne geboren, er selber 1954. Der Franzose habe daraufhin im Internet über den Autor recherchiert und sei auf die Homepage des Museumsarbeitskreises und damit auch auf den Kunstmaler Siegfried Poblotzki gestoßen. Er legte Fotos bei. Auch wollte Jacq wissen, wie es dazu gekommen war, dass Poblotzki eine französische Landschaft malte und ob das Werk in Beziehung zum Zweiten Weltkrieg stehen könnte. Auf welche Weise allerdings das Werk in den Besitz der Eheleute Jacq gekommen war, konnte nicht mehr geklärt werden
Eindeutig ein Poblotzki
In ihrer Antwort bestätigten die Verantwortlichen aus Pleystein, dass die Signatur eindeutig dem Pleysteiner Ehrenbürger Poblotzki zuzuordnen sei. Es existiere ein Bild, auf dem der Pleysteiner im Jahr 1940 sein Atelier in Brest verewigt hat. Man gehe deshalb davon aus, dass auch das Gemälde von Jacq in der Kriegszeit entstanden ist. Der Franzose erklärte sich bereit, dem Stadtmuseum das Gemälde von Concarneau als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.
Der Moment, als Maria Poblotzki nun dieses zweite "Zwillingsbild", das die weite Reise in einer blauen Pralinenschachtel angetreten hatte, erstmals in Händen hielt, war für sie und die Beobachter vom Museumsarbeitskreis sehr spannend. Als schickte ihr der Vater nach langer Zeit einmal wieder einen lieben Gruß - diesmal aus einer bergigen Dorflandschaft. Im kleinen Kreis erinnerte sich Maria daran, wie ihr Vater nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft erzählte, dass es ihm seine Bewacher ermöglicht hatten, seiner Leidenschaft nachzugehen. Sie brachten dem "Prisoner of War" (Kriegsgefangenen) Pinsel, Ölfarben und Kartons, auf denen er wohl nach Vorlagen Landschaften entstehen ließ.
In ihren herzlichen Dank schloss sie neben Jacq die fleißigen Mitarbeiter des Museums ein, die bereits einen besonderen Platz für das Bild ausgesucht haben - natürlich in unmittelbarer Nähe zu seinem Zwillingsgemälde. Maria Poblotzki erklärte, dass sie im Herzen immer eine Pleysteinerin geblieben sei, auch wenn sie in Weiden wohne. Ihr Vater würde es als große Ehre empfinden, dass ihm im Museum seiner Heimatstadt ein ganzes Zimmer gewidmet sei. Im Gegenzug bedankte sich Bürgermeister Rainer Rewitzer für das großzügige Geschenk.
Zur Person Siegfried Poblotzki
- Geboren: 13. Mai 1917 in Pleystein, gestorben am 18. November 1997
- Ausbildung: 1931 Lehre zum Bader und Friseur, später Ausbildung zum Drogisten. Arbeit im Gemischtwarenladen der Eltern. 1948 Übernahme des Geschäfts als Drogerie. Mit 58 Jahren Ausbildung als Kfz-Elektriker und Übernahme der Autoelektrik-Firma des Schwiegervaters in Weiden.
- Kriegsdienst: von 1939 bis 1945 als Sanitäter, Gefangenschaft in Frankreich
- Familie: 1947 Heirat mit Maria Walcher, zwei Töchter Ursula und Maria
- Heimatforscher: Poblotzki schrieb Chroniken über Pleystein, Moosbach und Waidhaus. Außerdem verfasste er mehr als 150 Artikel zur Heimatgeschichte.
- Archäologische Arbeiten: Durch zahlreiche Funde (Hallstattgräber bei Lohma und steinzeitliche Werkzeuge im Tal der Pfreimd) konnte Poblotzki die steinzeitliche Besiedelung der Oberpfalz nachweisen.
- Malerei: Er fertigte Skizzen, Aquarelle und Ölgemälde in verschiedenen Stilrichtungen. Ab 1950 war er Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler in Nürnberg.
- Ausstellung: Das Stadtmuseum Pleystein richtete 2007 eine ständige Ausstellung zum Leben und Werk von Siegfried Poblotzki ein.



















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