30.04.2020 - 15:35 Uhr
PlößbergOberpfalz

Alte Pfeiler der Liebensteiner Stausee-Brücke tragen keine höhere Last

Die Brücke über den Liebensteinspeicher im Landkreis Tirschenreuth kann ein teures Großprojekt werden. Für die Entscheidung ob Neubau oder Sanierung hat der Marktgemeinderat Plößberg aber noch Zeit.

Ein Vorzeichenfehler bei der ersten statischen Berechnung hat nun zur Folge, dass die Teilerneuerung auf den bestehenden fünf Pfeilern nicht durchführbar ist. Auf lange Frist wird ein Ersatzneubau nötig sein.
von Florian TrißlProfil

Die jüngste Sitzung des Plößberger Marktgemeinderates beschäftigte sich sehr ausführlich mit einer Teilerneuerung der Brücke über den Liebensteinspeicher und den Ausbau der angrenzenden Straßen im Bereich Ödschönlind-Stein-Dürnkonreuth. Die Mitglieder waren hierfür in den Kultursaal eingeladen worden, um in der Corona-Zeit die nötigen Mindestabstände einzuhalten.

Für die beiden großen Projekte am Liebensteinspeicher waren die zuständigen Planer Karsten Uhlig (von K+U-Plan für die Brücke) und Robert Ernstberger (vom Ingenieur-Büro Bork für die Straßenplanung) geladen, um den Ratsmitgliedern die aktuellen Planungsstände zu präsentieren. Bürgermeister Lothar Müller erinnerte daran, dass im Jahr 2014 die letzte Bauwerksprüfung (findet alle 6 Jahre statt) stattfand und im Jahr 2016 damit begonnen wurde, Überlegungen wegen des Straßenausbaus und der Brückenerneuerung mit Erhöhung der Traglast anzustellen. Erste Kostenschätzungen für die Brücke lagen damals bei rund zwei Millionen Euro.

Zwei Modelle vorgestellt

Karsten Uhlig berichtete, dass bei der detaillierten Planung ein Fehler bei der statischen Berechnung aufgefallen war und festgestellt wurde, dass die bestehenden Pfeiler für eine Erhöhung der Brückentraglast nicht in Frage kommen. Dem Gremium stellte er anschließend zwei unterschiedliche neue Modelle vor. Eine Möglichkeit ist die Sanierung der bestehenden Brücke mit einem Kostenrahmen von etwa 1,4 Mio. Euro. Als Nachteile zählte Uhlig die fehlende Erhöhung der Traglast und keine Möglichkeit der Verbreiterung auf. Weiter sei es möglich, dass die Brücke dann trotzdem nach zehn Jahren neu gebaut werden muss, da nur der Aufbau erneuert würde. Das zweite Modell sieht einen Ersatzneubau mit Abriss der bestehenden Brücke und Neubau mit drei statt fünf Pfeilern vor. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 4 Mio. Euro ohne Nebenkosten.

Einigkeit herrschte beim Gremium darüber, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei, da ein Neubau damit nicht auf längere Zeit ausgeschlossen sei. Hans Klupp (Freie Wähler) hielt eine Haltbarkeit von rund zehn Jahren ohne Sanierung mit Reduzierung der zugelassenen Masse, falls nötig, für ausreichend. Bekräftigt wurde seine Meinung durch die Aussage der anliegenden Großbetriebe, dass für sie die Nutzung der Brücke nicht zwingend notwendig sei. Gleicher Meinung war auch Dritte Bürgermeisterin Susanne Bittner (SPD). Fraktionssprecherin Tina Zeitler (CSU) bat darum, nach fünf Jahren Planung nicht alles über Bord zu werfen. Sie rief in Erinnerung, dass es von der Regierung für beide Projekte eine Förderzusage in Höhe von etwa 80 Prozent gebe. Adalbert Zölch (CSU) meinte, dass jetzt der beste Zeitpunkt sei zu erneuern, alles andere wäre nur ein Aufschieben des Projektes und die Beschränkung der zulässigen Masse sei eine erhebliche Einschränkung für die Landwirtschaft. "Wir investieren hier in ein Bauwerk, was wieder 100 Jahre hält, es gilt keine Zeit zu verlieren und die Infrastruktur zu erhalten," so Zölch.

Bauwerksprüfung abwarten

Das Gremium stimmte nach langer Diskussion einstimmig dafür, eine belastbare Planung, welche an die Regierung weitergegeben werden kann, abzuschließen, die Bauwerksprüfung, die in diesem Jahr stattfindet, abzuwarten und davon ausgehend dann zu entscheiden, wie es mit der Stausee-Brücke weitergeht.

Ohne größere Zwischenfragen stellte Robert Ernstberger die Planung für die Straßenerneuerung Dürnkonreuth-Stein-Ödschönlind vor. Kleinere Abstimmungen bezüglich eines Ersatzbaus oder einer Anbindung an die bestehende Brücke seien noch zu tätigen, die Einreichung für die Förderung zu einem möglichen Baubeginn im Jahr 2021 sei jedoch problemlos möglich. Er wies darauf hin, dass die Straße eine Breite von 5,50 Meter erlangen muss, um die Förderfähigkeit zu erhalten. Die Kosten belaufen sich inklusive Nebenkosten nach aktuellen Planungen auf 5,8 Millionen Euro, wobei der Eigenanteil für die Kommune bei ca. 1,6 Millionen Euro liegt.

In seinem Bericht gab Bürgermeister Lothar Müller bekannt, dass am 11. Mai die konstituierende Sitzung des Marktrates für die Wahlzeit 2020 bis 2026 stattfindet. Aus dem nichtöffentlichen Teil der letzten Sitzung wurden Auftragsvergaben im Zuge des Kläranlagenneubaus und für Asphaltierungsarbeiten im Gemeindegebiet vermeldet. Weiter teilte er mit, dass die Notbetreuung der Kita bisher von einem Kind in Anspruch genommen wurde und dass die Gebühren für den Zeitraum der Schließung satzungsgemäß nicht abgebucht wurden.

Bei der Sitzung stand auch die Verabschiedung fünf verdienter Mitglieder, die mit Ende der Wahlperiode 2014 bis 2020 am 30. April aus dem Marktrat ausscheiden, auf der Tagesordnung.

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