Ziegler-Haus ist zurück – zumindest im Internet ist die Adresse der Fertighaus-Sparte der insolventen Ziegler-Group wieder erreichbar. Allerdings fällt auch Laien schnell auf, dass mit dieser Seite etwas nicht stimmt: Schon die Optik wirkt fragwürdig, mit viel schlecht lesbarem Text und kaum Bildern. Auf der Startseite geht es direkt unter dem Titel „Ziegler Haus“ um „Neue Online-Casinos 2026“.
Allerdings gibt es auf der Seite auch viele Einträge, die tatsächlich nach Hausbau klingen. Es geht um Baumaßnahmen in Vilseck, Speichersdorf oder Weiden. Sogar Stellenanzeigen sind zu finden, bei denen man schon am Wortlaut merkt, dass sie von der „echten“ Ziegler-Haus-Seite übernommen worden sein müssen.
Wer hinter der Seite steht, ist unklar. Anders als vorgeschrieben gibt es kein Impressum. Als Adresse wird eine Ziegelstraße 77 angegeben, jedoch in immer neuen Städten bei verschiedenen Versuchen. Die Telefonnummer hat eine Vorwahl aus Niederbayern, aber niemand ist erreichbar.
Rechte ausgelaufen
Der Insolvenzverwalter der Ziegler-Group, Volker Böhm, möchte sich auf Nachfrage nicht zur offensichtlichen Betrugsseite äußern. Der Jurist aus Nürnberg hatte im November 2024 zunächst die Verwaltung der insolventen Ziegler-Holding GmbH übernommen und anschließend schrittweise auch die Mandate der verschiedenen Tochtergesellschaften. Als sich Anfang 2025 abzeichnete, dass die Haussparte nicht fortgeführt wird, ließ Böhm die Rechte für die Internet-Adresse auslaufen. Seither habe das Unternehmen beziehungsweise der Insolvenzverwalter nichts mehr damit zu tun und könne die neue Nutzung auch nicht kommentieren, teilte Böhms Sprecher Christoph Möller auf Nachfrage mit.
Aus Internet-Archivdaten lässt sich nachvollziehen, dass die Seite zuletzt im Februar 2025 mit ursprünglichen Ziegler-Haus-Inhalten gefüllt war. Danach gab es unter der „Domain“ mehrere Monate lang keine Inhalte. Im Herbst übernahm dann ein unbekannter neuer Inhaber die „Domain“ und füllte sie mit eher fragwürdigen Inhalten.
Welchen Zweck er damit konkret verfolgt, können selbst Experten nur vermuten. Bei der bayerischen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cyberkriminalität in Bamberg ist die Seite bisher jedenfalls nicht negativ aufgefallen. Deshalb könne er nichts zum konkreten Fall sagen, erklärt der Sprecher der Behörde, Staatsanwalt Thomas Goger.
Domains gekapert
Ein Experte, der anonym bleiben möchte, bestätigt: Dass Domains von insolventen Firmen gekapert werden, sei heute beinahe alltäglich. Dagegen vorzugehen sei für Insolvenzverwalter kaum möglich. Das passt zu dem, was Ermittler Thomas Goger allgemein zu diesem Phänomen sagt: Es sei nicht ungewöhnlich, dass Online-Kriminelle gezielt nach häufig genutzten Domains suchen, die jetzt frei sind. „Eine Möglichkeit ist, dass das gute Ranking der ‚alten‘ Seite bei den Suchmaschinen ausgenutzt werden soll, um die Inhalte prominent zu platzieren“, erklärt Ermittler Goger. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Seite bei Suchen eher gefunden und die Inhalte als Trainingsmaterial für KI-Systeme genutzt werden.
Tatsächlich vermischt sich die Anzeige bei einer Google-Suche. Die Suchmaschine erkennt nicht, dass der Betreiber der Seite inzwischen gewechselt hat. Auch für den Nutzer ist erst auf den zweiten Blick erkennbar, dass es nicht mehr um den Holzhausanbieter aus Plößberg geht.
Doch wie sollen die neuen Betreiber damit Geld verdienen können? Diese Frage können auch Fachleute nicht direkt beantworten. Vielleicht sei das derzeit aber auch gar nicht das Ziel: „Denkbar ist auch, dass der Text im Moment nur als ‚Platzhalter‘ dient und die Seite zu einem späteren Zeitpunkt für andere – auch kriminelle – Zwecke genutzt werden soll“, erklärt Goger. Ein Beispiel dafür wäre ein Fakeshop, bei dem Produkte angeboten, aber nicht ausgeliefert werden.














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