An einem Abend abgehakt war 2020 die Entscheidung darüber, wer die Geschicke der Marktgemeinde Plößberg die nächsten sechs Jahre bestimmen sollte. Damals fiel die Wahl auf Amtsinhaber Lothar Müller (CSU), der sich mit 58 Prozent der Stimmen (1119) gegen Susanne Bittner von der SPD (42 Prozent, 810 Stimmen) durchgesetzt hatte. Für die Kommunalwahl 2026 hatte sich die Zahl der Anwärter nun verdoppelt. Und es dürfte deshalb keine große Überraschung gewesen sein, dass bei der Stimmabgabe am Sonntag keiner von ihnen die absolute Mehrheit holen konnte. Am nächsten der hierfür erforderlichen Hürde von über 50 Prozent kam Tina Zeitler (CSU). 863 Stimmen bedeuteten für sie 42,0 Prozent. Damit dürfte sich der Plößberger CSU-Dachverband in seiner Wahl bestätigt sehen, der sich im Herbst auf die Kreisvorsitzende der Frauen-Union und Fraktionssprecherin im Marktgemeinderat festgelegt hatte.
Mit Tina Zeitler zieht Markus Preisinger ("Jetzt bereit für eigene und neue Wege") in die Stichwahl, der ihr allerdings mit 24,8 Prozent (510 Stimmen) doch mit einigem Abstand folgt. Dabei hat diese Konstellation einen pikanten Aspekt, denn Markus Preisinger gehört bislang für die CSU als Zweiter Bürgermeister dem Marktrat an. Er hatte ebenfalls parteiintern Ambitionen auf den Chefposten im Rathaus angemeldet. Den Weg dorthin versucht er seit vergangenem Herbst als Einzelkämpfer zu beschreiten.
Zwei Sitze an neue Gruppierung
Auch Marcus Fritsch kehrte im Vorfeld der Kommunalwahl seiner bisherigen Partei den Rücken. Noch wird der Wildenauer auf der Gemeinde-Homepage als Marktrat der SPD geführt, für das Bürgermeisteramt kandidierte er jetzt aber mit seiner neuen Wählergemeinschaft "Bürger für Bürger im Markt Plößberg" (WgBfB). Ihr hat sich auch SPD-Bürgermeisterkandidatin 2020 Susanne Bittner angeschlossen. Im Gegensatz zu Preisinger verpasste Fritsch aber mit 18,6 Prozent der abgegebenen Stimmen (383) den Sprung in die Stichwahl.
Auch aus dem Rennen ums Rathaus ist Bettina Krapfl von den Freien Wählern, die auf 299 Stimmen (14,5 Prozent) kam. Ihre Gruppierung kann im Marktrat allerdings die vier Sitze halten. CSU und SPD verlieren dagegen je ein Mandat (künftig sieben beziehungsweise drei) an die WgBfB. Ein Blick auf die neun Wahlbezirke (davon drei für Briefwahl) verdeutlicht, dass die Kommunalwahl eine Personenwahl ist. So holten sowohl Preisinger in Schönkirch (42,6 Prozent) als auch Fritsch in Wildenau (46,5 Prozent) in ihren Heimatorten die meisten Stimmen. Ansonsten lag jeweils Tina Zeitler vorne.
Bei "vier starken Kandidaten" sei mit einer Stichwahl zu rechnen gewesen, meint sie auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Zwar "gigantisch", aber doch "vermessen" wäre es gewesen, hätte man damit gerechnet, dass "es im ersten Wahlgang durchgehen würde". Dennoch freut sie sich, "mit etwas Abstand zu den anderen" abgeschnitten zu haben. In den kommenden Tagen werde noch versucht, die Wähler zu überzeugen. Zeitler wünscht sich so wie bisher mit den bestehenden Fraktionen einen fairen Wahlkampf. In diesen werde man "manche Dinge konkret äußern" und so auch nach außen geben, und zwar dass die CSU als künftig immer noch größte Fraktion hinter ihr stehen werde, betonte sie im Hinblick auf ihren Kontrahenten und bisherigen Parteikollegen.
In die Stichwahl zu kommen, war für Markus Preisinger das "Primärziel". Dieses zu erreichen, sei für ihn mit seiner neuen Gruppierung nicht ganz einfach gewesen. Umso mehr freue er sich nun auf die Stichwahl in zwei Wochen, für die er sich aufgrund seiner Erfahrung als Zweiter Bürgermeister und seines Berufs als Vertriebsleiter "gut aufgestellt" sieht. Die Leute wünschten sich Veränderung, das habe er in den vergangenen Wochen in Gesprächen festgestellt. Es gelte, Projekte schneller voranzubringen, pragmatische Lösungen zu finden und Entscheidungen konsequent umzusetzen. Sollte er bei der Wahl in zwei Wochen Tina Zeitler unterliegen, wäre es für ihn (vorerst) das Ende in der Kommunalpolitik, da er "bewusst ohne Marktratsliste" angetreten sei.
(K)eine Empfehlung
"Wir haben gut gefeiert. Wir haben auch einen Grund dazu gehabt", gibt Marcus Fritsch am Montag seine Stimmungslage wieder. Er zeigte sich "mega überrascht und stolz" auf das Wahlergebnis, vor allem weil die Mehrheit im Marktrat gekippt werden konnte und den "Altparteien Sitze abgeluchst werden konnten". Auch er habe in Gesprächen festgestellt, dass die Bürger Veränderungen wollten, aber "ein paar haben sich wohl nicht getraut", mutmaßt er im Hinblick auf ein möglicherweise noch besseres Abschneiden. Man habe sich nichts vorzuwerfen, sagt er mit Verweis auf ein "starkes Team" und einen fairen Wahlkampf. Bei der Stichwahl gehe seitens der Gruppierung die Tendenz eher zu Markus Preisinger, dem er einen "sehr guten Wahlkampf" attestierte.
Die Enttäuschung ob ihres Ergebnisses für die Bürgermeisterwahl währte bei Bettina Krapfl nur kurz, wie sie am Telefon berichtet. Es sei ihr erster Versuch gewesen, und wer sich aufstellen lasse, müsse auch mit einem solchen Ergebnis rechnen, meint die 33-Jährige. Zudem würden ja doch "fast 15 Prozent meinen Weg unterstützen". Auch sei sie stolz auf die erhaltenen Stimmen für den Marktrat (1180), mit denen sie fast mit Urgestein Hans Klupp (1224) gleichgezogen hat. Die Wähler sähen sie wohl eher als Markträtin, folgert sie. Unentschieden zeigt sie sich auf die Frage, wem sie und die "Freien" in der Stichwahl mehr Erfolg wünschen würden. "Wir haben zwar in der Fraktion darüber geredet, aber bis dato keine Positionierung gefunden."
Über den Autor: Hubert Lukas ist seit 2000 Redakteur bei Oberpfalz-Medien, zunächst im Landkreis Neustadt/WN. Seit 19 Jahren begleitet er mittlerweile das lokale und politische Geschehen im Landkreis Tirschenreuth.




















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