07.02.2020 - 11:56 Uhr
PlößbergOberpfalz

Plößberger Schnitzer bauen die größte Krippe der Welt

Plößberg im Landkreis Tirschenreuth ist eine Hochburg was Krippenbaukunst betrifft. Auch wie man diese Kunstwerke richtig präsentiert wissen die Verantwortlichen ganz genau. Jetzt bauen sie die größte Krippe der Welt.

Die vordere Hälfte des Kultursaals ist wie ein antikes Theater aufgebaut. In den Nischen links und rechts werden verschiedene Krippen platziert. Im Hintergrund der Durchgang zur größten Krippe der Welt, wo im Zentrum etwa 10 000 LEDs im Wechsel Morgen- und Abenddämmerung simulieren.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Alle fünf Jahre findet so eine große Präsentation statt. Zum 50. Jubiläum geht ab Ende November die 11. Präsentation dieser Art über die Bühne. Und zum Jubiläum greifen die Krippenfreunde diesmal nach den Sternen. Denn sie bauen die weltweit größte Krippe mit handgeschnitzten Figuren.

"Das hat nichts mit dem Streben nach einem Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde zu tun, sagen die zwei Hauptverantwortlichen der neuen Schau, Manfred Kopp und Hubert Haubner. Vielmehr sei es ihr Ansinnen, möglichst viele Menschen auf die Geburt Christi und die Bibelgeschichte aufmerksam zu machen, in einer Zeit, in der diese Werte immer mehr verloren gingen.

Voll in Vorbereitungen

Weihnachten ist vorbei, der Fasching hat das Land im Griff und im Kirchenjahr ist die Osterzeit das nächste große Fest. Da denkt niemand groß an Krippen, außer vielleicht an die wenigen Passions-Krippen, wie es sie bei uns vereinzelt gibt. In Plößberg ist das ganz anders. Dort stecken die verantwortlichen Krippenfreunde bereits voll in den Vorbereitungen für die große Krippenschau. Heimatpfleger und Museumsbetreuer im OWV Plößberg, Manfred Kopp und der Chefplaner des Projekts "größte Krippe der Welt", Hubert Haubner, sind längst im Ausstellungsmodus und fiebern dem Ereignis entgegen, das einmal mehr alles in den Schatten stellen soll, was die Plößberger bisher gezeigt haben - und schon das war nicht wenig.

Seit rund zwei Jahren ist Haubner mit der Theorie beschäftigt, überlegt er wie die neue Präsentation aussehen könnte. Er zeichnet auf, verwirft, präzisiert und konstruiert. In den vergangenen Wochen hat der Schreiner in seiner Freizeit ein 1:20-Modell geschaffen, das veranschaulicht, was die Krippenfans im Spätherbst im Kultursaal erwartet. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, das beeindruckt in jeder Hinsicht.

Das Konzept sieht vor, dass in der vorderen Hälfte des Kultursaals 34 große Hauskrippen aufgebaut werden. Die anschließende hintere Hälfte nimmt dann die größte Krippe der Welt mit handgeschnitzten Figuren auf. Sie wird in einem antiken Theater präsentiert und ist stolze 140 Quadratmeter groß.

Gigantischer Wurzelberg

Durch einen riesigen Torbogen gelangt man an den Ort, den ein gigantischer Wurzelberg direkt in der Mitte dominiert. Dieser Krippenberg (typisch für Plößberger Krippen) reicht fast bis zur Decke des Kultursaals. Die Besucher stehen mitten in dieser riesigen Anlage, werden quasi Teil von ihr und selbst zu Krippenfiguren. "Da stehen dann mehrere Tausend Figuren der verschiedensten Plößberger Schnitzer in einer Krippe", schwärmt Haubner. Mittelpunkt dieser weltgrößten Krippe ist der Stall mit der Heiligen Familie aus der berühmten "Gerl-Krippe" mit dem Engelskranz.

Die Straße vom Siloah-Teich zum Tempelberg in Jerusalem, war zu Herodes Zeiten der wichtigste Zugangsweg für alle Pilger und Fremden, die die Stadt besuchten. Sie wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt und freigelegt. Teile dieses historisch fundierten Abschnitts hat Hubert Haubner für die größte Krippe der Welt nachgebaut. Vier Jahre hat er dafür gebraucht. Der Aufbau enthält unter anderem das Dungtor mit dem Teich Shiloah, das Hippodrom wo einst Pferderennen stattfanden und Pferde versteigert wurden sowie den Robinson-Bogen.

Die begehbare Krippe wird auch mechanische Teile aufweisen. So gibt es bewegliche Wasserräder, die Bergpredigt ist auf einer Drehscheibe montiert und kann so von allen Seiten betrachtet werden. Und auf den Bergen im Hintergrund wird es sogar schneien. Darin enthalten sind auch 60 neue Figuren.

58 Meter lang, rund zwei Meter tief und bis zu drei Meter hoch umschließt die Krippe rund 300 Raummeter. Im Krippenberg sind 24 Meter für die große Nische und 30 Meter für weitere Einzelkrippen vorgesehen. Rund 12 000 Krippenfiguren, schätzen Manfred Kopp und Hubert Haubner, gibt es in Plößberg. Wer seine eigenen Figuren in der größten Krippe der Welt ausstellen will, sei dazu willkommen.

Viele Bildszenen aus den Evangelien werden zu sehen sein. Es existiere wohl kaum eine Krippe, die so viele biblische Geschehnisse in sich vereine. Um den gigantischen Bau zu realisieren, werden rund 30 Kubikmeter Holz und 3000 Quadratmeter Spanplatten benötigt. Allein für den Himmel verarbeiten fleißige Hände 280 Quadratmeter Stoff. Außerdem brauchen die Krippenbauer für die Realisierung etwa 150 Liter Farben, Tausende von Schrauben und Hunderte Meter an Kabeln.

Eigenes Handwerkerteam

Etwa 12 Leute, darunter Schreiner, Elektriker und Maurer, gehören zum aktiven OWV-Handwerkerteam, das im Juni mit den Vorbereitungen für das bevorstehende Großereignis beginnt. Haubner und Kopp betonen, dass es kaum eine Plößberger Familie gebe, die nicht schon einmal nachgefragt habe, ob sie auf irgendeine Art und Weise mithelfen könne. Das zeige, dass sich der ganze Ort mit dieser Tradition identifiziere.

Neue Internetpräsenz

Um die Geschichte von der größten Krippe der Welt auch in diese hinauszutragen, haben die Krippenfreunde eine komplett neue Internetpräsenz geschaffen. Dort sind alle wichtigen Informationen inklusive Flyer vereint. Die Seite wird ständig aktualisiert. Eine Kamera hält den Aufbau im Zeitraffer fest, so dass man über die Homepage live beim Aufbau dabei sein kann.Weitere Informationen: www.krippenschau.de/

Die Heiligen Drei Könige in Jerusalem.
Ein Hirte unterwegs in der Stadt.
Musikanten in der Krippe.
Das Dungtor am Stadtrand.
Hubert Haubner hält wie immer die vielen Fäden zur Ausstellung sicher in der Hand.
Im Hippodrom fanden Pferderennen statt und wurden Pferde verkauft.
Blick auf den Kultursaal.
Informationen:

Der Weg ins Plößberger Krippenparadies

Die Krippenschau 2020 ist vom 28. November 2020 bis 10. Januar 2021 Montag bis Freitag von 13 bis 21 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 21 Uhr sowie am 24.12. und 31.12. von 10 bis 13 Uhr und vom 25.12. bis 30.12. von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 6 Euro. Kinder von 6 bis 16 Jahren bezahlen 3 Euro, Kinder unter 6 Jahre sind frei. Gruppen ab 25 Personen zahlen pro Person 5,50 Euro. Interessierte können sich ab sofort anmelden. Eine Führung dauert etwa 45 Minuten. Veranstaltungsort ist das Plößberger Krippenparadies im Kultursaal, Jahnstraße 1 in 95703 Plößberg. Anfragen über den OWV Plößberg, Hubert Haubner, Schirnbrunn 8, 95703 Plößberg, Telefon: 0 96 36-92 48 18, E-Mail: info[at]krippenschau[dot]de (tr)

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