20.05.2020 - 16:58 Uhr
PlößbergOberpfalz

Prophezeiungen und kraftvolle Lieder

Manches ändert sich schneller als gedacht. Das musste auch Ulrike Remold feststellen, die sich vorgenommen hatte, gemeinsam mit Hubert Gleißner aus Mitterteich eine CD über die Prophezeiungen des Bayerwald-Propheten Mühlhiasl aufzunehmen.

Ulrike Remold (Bild) nahm mit Hubert Gleißner aus Mitterteich eine CD auf - inspiriert von den Prophezeiungen des Mühlhiasl. Das Werk ist auch ein Ergebnis der Corona-Zeit.
von Externer BeitragProfil

"Im trockenen Sommer 2018 wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie konkret die Bedrohung durch den Klimawandel ist,“ erzählt Ulrike Remold aus Plößberg. „Wie lange würde ich unsere fünf Pferde bei anhaltender und wiederholter Trockenheit noch mit Heu versorgen können? Eine Angst, die ich damals mit vielen großen und kleinen Tierhaltern teilte. Aus dieser Angst heraus entstand in meinem Kopf eine neue Strophe zu einem alten Lied: ‚Es geht ein dunckle Wolk herein.’ Sie lautete: ‚Die liebe Sonn ist kommen, hat alles weggenommen, das grüne Gras, den dunklen Wald, so werden wir verderben bald.’ Anders als im ursprünglichen Text, wo sich die Menschen früherer Zeiten in ihren einfachen Häusern vor Kälte und Regen fürchteten, war für uns nun Hitze und Dürre zu einer realen Bedrohung geworden.“

Zur gleichen Zeit fiel Ulrike Remold ein Buch mit den Prophezeiungen des Mühlhiasl in die Hände, eines Müllersohns, der vor über 200 Jahren durch den Bayerischen Wald gezogen war und mit seinen Zeitgenossen seine erstaunlichen, oft auch erschreckenden Zukunftsvisionen geteilt hatte. Beides, das alte Liedgut und die Zukunftsvisionen des Waldpropheten, verschmolzen dann zur Idee eines Musikprojekts.

„Vieles, was der Mühlhiasl vorausgesagt hat, ist längst eingetroffen,“ erklärt Ulrike Remold. „Anderes steht noch aus.“ Da liest man zum Beispiel: "Wann der Kranzltag auf'n Johannitag fallt, dann is soweit", eine Prophezeiung, die später zum Titel der CD werden sollte. „Kranzltag“ wird im Bayerischen Wald der Fronleichnamstag genannt und der wird im Jahr 2038 mit dem Festtag des heiligen Johannes zusammentreffen. Fronleichnam wird dann am 24. Juni gefeiert werden, erläutert Ulrike Remold.

Großer Schatz

Sie begann, zu einigen ausgewählten Prophezeiungen passende Lieder zu suchen. „Da besonders meine jüngste Tochter Franziska, die auch im Geschichtspark Bärnau aktiv war, und ich gern mittelalterliche und Landsknechtslieder singen, konnten wir auf einen großen Schatz alter Lieder zurückgreifen. Ich versuchte, mich in dieses Liedgut einzufühlen. Was haben die Menschen damals erlebt, was hat sie beschäftigt? Faszinierend ist die Kraft dieser Lieder, die sehr rhythmisch und mit schlichten Texten daherkommen.“ Um diese Kraft auch dem heutigen Hörer erlebbar zu machen, wurden einige der Lieder mit aktuellen Texten versehen und sie inhaltlich passend um die Texte des Mühlhiasl gruppiert. Es fanden sich Prophezeiungen zum Klimawandel, zu sozialen Verwerfungen und zu einem sogenannten „Bänker-a-ramer“, also einem Bankabräumer.

„In der Literatur wurde der Bankabräumer üblicherweise als Krankheit gedeutet, eine Seuche ungeahnten Ausmaßes. Als die Arbeit an der CD begann, konnte ich mir nicht vorstellen, was das für eine Seuche sein könnte. Nun hat mich die Wirklichkeit sozusagen überholt." Die Corona-Pandemie motivierte Remold, das Projekt rasch voranzutreiben. "Und sie verschaffte mir und meinen drei Töchtern mit der erzwungenen häuslichen Ruhe die Möglichkeit, viel Zeit und Energie in die Umsetzung des Projekts zu investieren.“

Und so kann man wohl sagen, dass die Mühlhiasl-CD mit dem Titel „Wann der Kranzltag auf’n Johannitag fallt…“ nicht nur ein Produkt von Hubert Gleißner und Ulrike Remold, sondern auch ein Produkt der Corona-Zeit ist, eine Reaktion auf die drastischen Veränderungen in den zurückliegenden Wochen. Sie ist aber auch ein hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft. Denn trotz aller Bedrohlichkeit steht am Ende der Vorhersagen des Mühlhiasl ein positives Versprechen: „Nachher...kommt eine schöne Zeit“, heißt es dort. „Die Leute grüßen wieder ‚Gelobt sei Jesus Christus’. Große Glaubensprediger stehen auf und heilige Männer. Die tun viele Wunder.“

Trost und Kraft

Dieser Hoffnung verleiht auch das letzte Lied auf der CD Ausdruck: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ wurde von Georg Neumark in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg geschrieben und durch einen Chorsatz von Johann Sebastian Bach bekannt. Bis heute wird es im Gottesdienst gesungen und gibt Menschen Trost und Kraft. Und das wünscht sich Ulrike Remold auch von ihrer CD. Sie ist unter anderem erhältlich in der St.-Peter-Buchhandlung in Tirschenreuth, im Bücherhaus Rode in Tirschenreuth und im Musikhaus Zölch in Wondreb oder direkt bei Ulrike Remold unter der E-Mail (grenzganguli[at]web[dot]de).

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.