25.06.2021 - 14:48 Uhr
PlößbergOberpfalz

Auf den Spuren meisterhafter Handwerker: Zu Gast im Ofenmuseum

Gegründet 1978, zeugt das Glasschmelzofenmuseum von einer jahrhundertealten Wirtschaftstradition. Was in Plößberg die Wurzeln hat, ist heute weltweit zu finden.

Museumsleiter Manfred Kopp lässt seine Besucher, wenn sie möchten, immer einen der Schamottsteine für den Ofenbau stemmen. "Dann sehen die Gäste gleich, wie viel Muskelkraft für den Schmelzofenbau erforderlich war", sagt er lachend.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der Blick aufs Ampellicht gilt selten der runden Scheibe an sich. Dabei wären es die Glasscheiben selbst auch wert. Sie sind nicht etwa aus Kunststoff - wertvolles Buntglas wird verwendet. Was kaum jemand weiß: Viele Ampelgläser stammen aus einem Glasschmelzofen, den Ofenbauer aus Plößberg gemauert haben.

Zeugnisse davon und von über 1000 weiteren Glasprodukten, geschmolzen in Öfen aus dem Stiftland, gibt das Glasschmelzofenmuseum Plößberg. "Hier stellen wir Exponate aus, die in einem Ofen aus unserer Marktgemeinde geschmolzen wurden", erklärt Museumsleiter Manfred Kopp seinen Gästen immer wieder stolz. Vorher soll der Besucher erst die Tradition der Ofenmaurer kennenlernen, deren Handwerkszeug bewundern und Wissenswertes über den Bau eines Glasschmelzofens erfahren. Dafür hat der Markt Plößberg ein kleines, aber feines Museum aufgebaut.

Über tausend Exponate

"Plößberger Ofenmaurer" haben eine lange Tradition. In der neu eingerichteten Glasschmelzofenbau-Hütte im Rathaus wird die Entwicklung des Handwerks von 1840 bis zur Gegenwart nachgezeichnet: Zu sehen sind zwei Modelle von Glasschmelzöfen, Handwerkszeug, Pläne, Dokumentationen und über 1000 gläserne Exponate.

Museen-Karte

Ofenmaurer waren ehemals Wanderarbeiter. Die Glasschmelzöfen konnten nur an Ort und Stelle aufgestellt werden. Gab es später Reparaturen, wurden wieder die Plößberger Handwerker gerufen. Manfred Kopp kann heute einen großen Schatz an Wissen weitergeben. "Das Museum ist dem Rathaus angegliedert und war ausgerechnet am Wochenende, wenn Touristen und Besucher kamen, geschlossen. Dann habe ich mich angeboten, am Samstag, Sonntag und an Feiertagen aufzuschließen", erzählt der 67-jährige Plößberger, wie er Museumsleiter wurde. Seit dem Jahr 2000 betreut Kopp das Kleinod nun schon, dem auch eine Krippenschnitzer-Abteilung angegliedert ist.

Öfen rekonstruiert

Denn die berühmten Krippenschnitzer von Plößberg sind eng mit dem Glasofenbau verbunden. "Die Öfen konnten nur im Sommer gebaut werden. Deshalb suchten sich die Handwerker für den Winter eine andere Beschäftigung", erklärt Kopp die Verbindung der völlig unterschiedlichen Tätigkeiten. Alles begann in Bayern und Böhmen: In der Rekonstruktion einer Glashütte sind zwei Hafenöfen aufgebaut. "Es sind Modelle. Die Originale würden hier nicht reinpassen", sagt Kopp und ergänzt lachend, selbst für die Modelle habe man den Zimmerboden verstärken müssen. "Sonst wäre der Ofen eines Tages unten im Erdgeschoss gelandet."

Kopp kennt die Geschichte der Glasherstellung weltweit. Das gehört dazu bei seinen Führungen. 1556 wird der erste Glasschmelzofen in Venedig erwähnt. In Böhmen und Bayern wurde diese Tradition im 17. Jahrhundert aufgegriffen, weil die Rohstoffe vorhanden waren. "Das lag an unserer waldreichen Gegend. Die Öfen sind regelrechte Holzfresser", so Kopp. 70 Prozent Quarz, 15 Prozent Pottasche und 10 Prozent Kalk: Das sind die Zutaten für Glas. Im Museum können diese Rohstoffe in Rundgläsern betrachtet werden.

Immer noch präsent

Was damals begann, ist noch heute ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region: Eine digitale Infotafel zeigt die Entwicklung des Traditionsfamilienunternehmens Horn. Und auch die Glashütte Lamberts aus Waldsassen hat ihren Platz in der Dokumentation über weltweite Glasherstellung vom Stiftland aus. Lamberts hat erst im Jahr 2020 die Uhr des Londoner Big Ben mit Buntglas gestaltet. Geschmolzen wurde das Glas natürlich in einem Ofen aus Plößberg. Das und mehr erzählt Hans Kopp seinen Besuchern, darunter häufig Experten aus aller Welt, eingeladen von Schott Rohrglas in Mitterteich, Horn oder Lamberts. Bei Manfred Kopp kann selbst die versierte Fachwelt noch viel lernen. Was er nicht weiß, ergänzt Benno Krottenthaler, ein ehemaliger Glasofenbauer der Firma Horn. Auch Krottenthaler gehört dem Förderverein an und hat in den beiden Ausstellungsräumen sein Gesellenstück ausgestellt. Seine Arbeit zeigt das bayerische Wappen, eingraviert in ein großes Glas.

Dazu gibt es feine Tafelgläser, Vasen, Figuren, Deko- und Wirtschaftsgläser, Flaschen und Medizingläschen in den beiden gegenüberliegenden Ausstellungsräumen zu sehen. Stolz zeigen Kopp und Krottenthaler all diese Schätze, die in Plößberger Öfen entstanden sind. Die Exponate stammen aus der nahen Umgebung wie Windischeschenbach, Waldsassen oder Neustadt/WN ebenso wie aus Polen, Serbien, Kroatien, Österreich oder Skandinavien.

Zuletzt zu den Krippen

Kopp und Krottenthaler erzählen den Gästen immer auch von der ehemaligen Glasbauschule in Zwiesel. Unter den Exponaten im Glasofenmuseum findet der aufmerksame Besucher viele künstlerische Arbeiten, darunter kleine bunte Glaspfeifen aus "geschundenem Glas". Kopp erklärt dies mit der Restmenge bei der Glasherstellung. Diese durften die Glasmacher für sich selbst verwenden, was sie sehr kreativ umsetzten. Zu sehen gibt es unter anderem eine gläserne Krippe aus der "verlorenen Form". Was es damit auf sich hat, ist eine eigene Geschichte. Manfred Kopp erzählt sie und führt seine Gäste anschließend noch ins Krippenmuseum.

Die Ofenbauer brachten die Schnitzkunst nach Plößberg. Eine Tradition, die noch heute von vielen im Markt gepflegt wird.

Plößberg
Info:

Infos

  • Eintritt 1 Euro, Kinder bis 14 Jahren frei
  • Öffnungszeiten: Montag und Freitag 9 bis 11.30 Uhr,
    Donnerstag 14 bis 17 Uhr, Gruppenführungen nach Anmeldung
  • Das Museum ist für Familien mit Kindern geeignet
  • Barrierefreiheit besteht bedingt (Treppen am Eingang und in den ersten Stock)
  • Anmeldungen unter Tel. 09636/921110 (Tourist-Info) oder
    09636/91228 (Museumsleiter Manfred Kopp)
Info:

Hintergrund

Der Museumsbesuch in Plößberg lässt sich verbinden mit:

  • Krippenmuseum Plößberg (im gleichen Gebäude)
  • Naturschutzgebiet Waldnaabtal
  • Burgruine Schellenberg
  • Großer Weiher – Badeweiher bei Plößberg, Tretboot, Boot, Minigolf
  • Bockelradweg
  • Mountainbike- und Rennradtouren um Plößberg

 

 

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