Seit vielen Jahren wird die Radlersaison im Landkreis Schwandorf mit einem großen Event entlang des Bayerisch-Böhmischen Freundschaftswegs eröffnet. Genauer gesagt auf dem Teilabschnitt Wölsendorf-Schönsee, auf dem der Radweg auf einer stillgelegten ehemaligen Bahntrasse verläuft.
Der Radlersonntag hat sich im Laufe der Jahre zum richtigen Event mit einer Fülle von Aktionen und Einkehrmöglichkeiten entwickelt. Zeitgleich organisieren Vereine, Verbände und Wirtshäuser an diesem Tag Feste, auf denen sie die Radfahrer mit Grillsachen, Weißwürsten, Dotsch, Pizzen, Steckerlfisch, geräucherten Forellen und anderen Schmankerln verwöhnen lassen dürfen. Dazu gibt es Ausstellungen, Besichtigungsmöglichkeiten und Führungen.
Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Radveranstaltungen, wie der Panoramatour oder der Pirker Zoigltour, sind nicht in erster Line sportlich ambitionierte Radfahrer die Zielgruppe, sondern es geht um Erholung und Geselligkeit. Ganze Familien kommen, um gemeinsam in die Pedale zu treten.
Der Aktionstag wirbt nicht nur für den Radtourismus im Schwarzach- und Murachtal, sondern macht auch auf den Radlerbus aufmerksam. Er verkehrt von 1. Mai bis 3. Oktober an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen Nabburg und Schönsee.
Überall Radlerbusse im Einsatz
Das Konzept würde auch gut zu den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN passen. Dort gibt es ebenfalls zu Radwegen umgebaute Bahnstrecken. Auch dort sind im Sommer Radlerbusse unterwegs. Im Landkreis Neustadt/WN verkehrt der Bus am Bockl zwischen Neustadt/WN und Eslarn. Im Landkreis Tirschenreuth gibt es seit diesem Jahr sogar zwei Radlerbusse: den Grenzlandexpress, der an Wochenenden sowie an Feiertagen von Tirschenreuth bis zur Grenze bei Waldsassen tourt, und den Naabtalexpress, der fast zeitgleich von Tirschenreuth nach Fichtelberg fährt: ideale Voraussetzungen also, um den Radlersonntag auf alle drei Oberpfälzer-Wald-Landkreise auszuweiten.
Die elf in der ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) Brückenland Bayern-Böhmen zusammengeschlossenen Städte und Gemeinden haben deshalb Tuchfühlung zu den Kollegen in der Grenzregion in den beiden anderen Landkreisen aufgenommen, um den Aktionstag auszudehnen.
Die Strecke soll so gewählt werden, dass die beworbene Trasse drei Bahntrassen-Radwege miteinander verknüpft: den Freundschaftsradweg im Landkreis Schwandorf, den Bockl im Landkreis Neustadt und den Vizinalbahnradweg im Landkreis Tirschenreuth. Bereits in diesem Jahr hatte man beim Radlersonntag auf Wunsch von Bürgermeister Rainer Gäbl aus Eslarn die Strecke von Schönsee ein paar Kilometer bis in den Landkreis Neustadt ausgedehnt. Die Resonanz war so gut, dass die Macher nun einen größeren Wurf wagen wollen.
Von Eslarn aus, so war in der Sitzung zu hören, könne man über den Bockl bis nach Floß fahren. Von dort sei es möglich, über den neuen Haselstein-Radweg zum Vizinalbahnradweg ins Stiftland zu wechseln. Der Vizinalbahnradweg verbindet wiederum auf einer Länge von 25 Kilometern Bärnau über Liebenstein und Tirschenreuth mit Wiesau. Das wären dann Aktionen und Events auf einer fast durchgehenden Radwegstrecke von über 100 Kilometern, die sogar noch ausgeweitet werden könnte, weil es bei Wiesau einen Anschluss an den Steinwald-Radweg gibt.
Drei Bahntrassen-Radwege
Bei einer Sitzung des Zweckverbands Interkommunale Zusammenarbeit Stiftland (Ikom) im Plößberger Rathaussaal machten der Projektmanager der ILE Brückenland Bayern-Böhmen, Christian Karl, zusammen mit der neuen Projektmanagerin der ILE Naturparkland aus dem Landkreis Neustadt/WN, Franziska Hufnagel, den Bürgermeistern der Ikom Stiftland diesen gemeinsamen Radlersonntag im Oberpfälzer Wald schmackhaft. Die Bürgermeister aus dem Landkreis Tirschenreuth zeigten sich an der Möglichkeit durchaus interessiert. „Das könnte eine coole Veranstaltung werden, die sicher Erfolg hätte“, meinte Franziska Hufnagel. „Wir würden uns ums große Ganze kümmern“, versprach Karl.
Für die Vereine entlang des Freundschaftsradwegs ist der Aktionstag nach Karls Auskunft in der Regel ein lukratives Geschäft. Sie kümmern sich um die Bewirtung und könnten damit bei passendem Wetter richtig gut Kasse machen. Und selbst bei schlechtem Wetter kämen entlang des Freundschaftsradwegs mittlerweile so viele Besucher, dass sich die Sache lohne.
"Die Idee ist gut", fand Ikom-Vorsitzender Bernd Sommer. Der Rathauschef von Waldsassen regte an, als nächsten Schritt die eigenen Touristiker mit ins Boot zu holen, um als weitere Diskussionsgrundlage die ideale Streckenführung für solch eine Aktion zu haben. Zusagen wollte Bürgermeister Sommer aber noch nicht. "Wir tasten uns erst einmal an die Sache heran", sagte er. Die Frage sei, ob der Termin – immer am letzten Sonntag im April – "auch für uns passt".
An diesem Termin will die ILE Brückenland Bayern-Böhmen nämlich unbedingt festhalten. "Der hat sich bewährt", so Projektmanager Karl, auch weil da die Festsaison erst beginne und viele Vereine Zeit zum Mitmachen hätten.
Geplant ist nun, Vertreter der ILE Brückenland, der ILE Naturparkland und der Ikom Stiftland für die Aktion an einen Tisch zu bringen. Am 24. September ist dazu eine Sternradfahrt für offizielle Vertreter geplant. Dies erweist sich schon einmal als problematisch, weil der Termin für die Sternradfahrt sich mit der Eröffnung der Erlebniswochen Fisch in Waldsassen überschneidet.
Bahntrassen-Radwege im Oberpfälzer Wald
- Bayerischer Freundschaftsradweg: Verbindet Nabburg mit Horšovský Týn in Tschechien. Der Teilabschnitt Wölsendorf - Schönsee (40 Kilometer) verläuft einer ehemaligen Bahntrasse. Gesamtlänge 98,1 Kilometer,
Höhenmeter 1037. - Der Bockl: Verbindet Neustadt/WN mit Eslarn. Länge zirka 52 Kilometer, Höhenmeter 396. Zugleich Teil des Paneuropa-Radweges (Paris über Straßburg und Nürnberg nach Prag).
- Vizinalbahnradweg: Verbindet Wiesau über Tirschenreuth mit Bärnau. Länge 29,7 Kilometer, Höhenmeter 123. Führt durch die Tirschenreuther Teichpfanne.













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