Egal ob Fußballplatz oder Stammtisch: Vermeintliche oder echte wirtschaftliche Probleme beim Bau- und Holzkonzern waren am Wochenende in der gesamten Region Thema. Die Spekulationen reichten so weit ins Unternehmen selbst, dass sich die Geschäftsführung nach Informationen von Oberpfalz-Medien dazu veranlasst sah, am Montagnachmittag die Mitarbeiter in allen Unternehmensteilen der Holding zu informieren.
Teilnehmer berichten gegenüber Oberpfalz-Medien, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Informationsveranstaltung nicht dementiert wurden. Über die Planungen für die Zukunft drang von den Veranstaltungen aber nichts nach draußen. Auch auf Nachfrage gab es am Montag und am Dienstag weder von der Pressestelle noch von Stefan Ziegler direkt eine Reaktion.
Schuldenlast drückt
Unbestritten scheint aber wohl, dass hohe Schulden die Ziegler Holding und ihre Tochterfirmen belasten. In der letzten einsehbaren Bilanz aus dem Jahr 2022 weist das Unternehmen alleine gegenüber Banken Verbindlichkeiten von rund 360 Millionen Euro aus. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien liegt der Wert heute deutlich höher.
Die in den vergangenen Jahren gestiegenen Zinsen und dem Einbruch der Baukonjunktur und der Nachfrage nach Holzprodukten machen es betriebswirtschaftlich schwieriger, Verpflichtungen aus Zins und Tilgung nachzukommen. In der Branche wird zunehmend darüber spekuliert, dass die kreditgebenden Banken ihren Einfluss im Tagesgeschäft geltend gemacht haben.
In der Öffentlichkeit ist das Unternehmen untrennbar mit Stefan Ziegler verbunden. Der heute 44-Jährige war 2008 in die Geschäftsführung des Familienbetriebs eingestiegen, den sein Großvater 1948 auf der Betzenmühle, einem Ortsteil von Plößberg im Landkreis Tirschenreuth, gegründet hat. Spätestens mit dem Kauf des Bahnhofs in Wiesau und der Gründung der Logistiksparte begann ab 2011 die Verwandlung und der Aufstieg von einem bereits sehr großen Sägewerksbetrieb zu einem Konzern mit Angeboten von Gastronomie bis hin zum Hausbau.
Jährlich 30 Prozent Wachstum habe er sich selbst zum Ziel gesetzt, hatte Ziegler in einem Interview mit Oberpfalz-Medien noch im Sommer 2022 erklärt. Dieser aggressive, schuldengetriebene Wachstumskurs könnte das Unternehmen nun belasten.
Private-Equity-Manager
Längst gibt es aber weitere Akteure neben dem Inhaber Ziegler. Teilweise geht es um Manager aus externen Firmen, die auch nicht öffentlich für Ziegler in Erscheinung treten. Der im Herbst vorgestellte neue Geschäftsführer Jörg Artmann gilt als Sanierungsexperte. Auf seinem LinkedIn-Profil bezeichnet sich der Manager aus dem Ruhrgebiet selbst als "Managing Director" im Bereich "Private Equity", sein Amt als Geschäftsführer in der Ziegler Group wird nicht erwähnt.
Einen Namen hat sich Artmann in der Holzbranche gemacht, weil er schon einmal ein in Schieflage geratenes Unternehmen saniert hat. Im Anschluss wurde die damalige Klenk Holz AG im Jahr 2013 an ein amerikanisches Private-Equitiy-Unternehmen verkauft, das den Betrieb dann nochmals in Einzelteile aufspaltete und weiterverkaufte. Den größten Teil übernahm im Jahr 2017 das österreichische Unternehmen Binder Holz. In welche Richtung es mit der Ziegler Holding weitergeht, müssen nun aber die nächsten Wochen oder Tage zeigen.
Die Ziegler Group
- Gegründet: 1948
- Firmensitz: Betzenmühle bei Plößberg (Kreis Tirschenreuth)
- Mitarbeiter: 3200
- Umsatz: 482 Millionen Euro (2022)


















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