23.11.2018 - 11:55 Uhr
Poppenreuth bei WaldershofOberpfalz

Ein Herz für die Ärmsten

Vor 17 Jahren gründete Hubert Ebenhofer auf der philippinischen Insel Negros einen Sozialfonds. Seither gibt es medizinische Hilfe für bedürftige Kranke.

Für viele Einwohner von Punta Ballo ist die medizinische Versorgung unbezahlbar. Zudem gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung.
von Oswald ZintlProfil

Das Reisen in ferne Länder hat Hubert Ebenhofer schon immer gereizt. Der Fliesenlegermeister legt dabei nicht den größten Wert auf Komfort, sondern wollte – egal, wo er sich erholte – Land und Leute kennen lernen. So war es auch im Jahr 2001, als er auf der philippinischen Insel Negros seinen Urlaub verbrachte. Durch den Tipp eines Insiders und nach sechs Stunden Busfahrt von Dumaguete City nach Sipalay kam die Reisegruppe im Februar 2001 nach Punta Ballo mit einem etwa 1,5 Kilometer schneeweißen Sandstrand. Dort gab es lediglich ein kleines Tauch-Ressort eines Schweizers mit zwei Zimmern, allerdings ohne Telefon und ohne Internet. Und Ebenhofer erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: „Wir fanden dort beim Tauchen unberührte Korallenriffe, japanische Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg und manchmal zogen Walhaie und Mantas an uns vorbei.“

So schön für die Besucher die Region war: Sie wurden auch mit der anderen Seite der Medaille konfrontiert. Die erkennbare Not vieler Bewohner war für den Poppenreuther Anlass genug, diesen Menschen in irgendeiner Form zu helfen. Nach vielen Gesprächen stellte sich heraus, dass die gesundheitliche Versorgung das größte Problem für die Ärmsten der Armen darstellt, da es auf den Philippinen keine gesetzliche Krankenversicherung gibt. Die Kosten für den Arzt und die Arznei müssen immer bar bezahlt werden.

Ebenhofer suchte vor Ort Ansprechpartner und fand diese in Schwester Vivian, Leiterin der Krankenstation, in der Frau eines befreundeten Tauchers und im Gemeindeoberhaupt. Alle drei Helfer vor Ort haben einen sehr guten Einblick, welche Familien in der Gemeinde wirklich bedürftig sind. Mit diesen drei Partnern gründete Ebenhofer einen Sozialfonds und stellte dafür Geld zur Verfügung.

Der Sozialfonds ist allen Einwohnern der kleinen Gemeinde bekannt. In all den Jahren hat Hubert Ebenhofer, unterstützt von Freunden und Bekannten, immer wieder Geldbeträge zur Verfügung gestellt.

Vor einigen Tagen feierte Hubert Ebenhofer den 70. Geburtstag. Er verzichtete dabei auf persönliche Geschenke und bat um Spenden für sein Hilfsprojekt. Insgesamt kamen hier 1700 Euro zusammen, wofür sich Ebenhofer an dieser Stelle noch einmal bedankt und erklärt: „Die Hilfe ist für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“

In all den Jahren war gewährleistet, dass jeder Euro zu einhundert Prozent bei den Hilfsbedürftigen ankam. „Jede einzelne Ausgabe wird von Schwester Vivian dokumentiert und von den Nutznießern gegengezeichnet“, erklärt Hubert Ebenhofer. Er ist überzeugt, dass hier das Vertrauen in keinster Weise missbraucht wird. Die Einkommenssituation habe sich zwar in den vergangenen Jahren durch den Tourismus leicht verbessert. Der Verdienst der Einheimischen in den ländlichen Gegenden liege aber lediglich bei umgerechnet rund 80 Euro im Monat.

Hubert Ebenhofer feierte kürzlich 70. Geburtstag.
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