05.05.2020 - 08:55 Uhr
PoppenrichtOberpfalz

Poppenrichter Frauen nähen in Heimarbeit mehr als 200 Mund-Nase-Masken

Ein neues, ungewohntes Bild in Läden, Bahn und Bussen: Die Deutschen tragen Masken. Lange Zeit gab es keine zu kaufen, das rief die Kreativen auf den Plan, so auch in Poppenricht.

Mehr als 200 Mund-Nase-Masken nähen Poppenrichter Frauen in Heimarbeit und helfen damit Seniorenheimen in Sulzbach-Rosenberg bei der Einhaltung der Hygiene-Vorschriften.
von Helga KammProfil

Den Anstoß gaben Altenpflegerinnen, die Anfang März die Notlage in ihren Heimen schilderten: Es gebe kaum Mund-Nase-Schutz, beklagten sie die gefährliche Situation, und wenn ja, dann hätten die Krankenhäuser Vorrang. Als es immer mehr Aufrufe und Anleitungen zum selber Nähen von Schutzmasken gab, ergriff Martina Böhm die Initiative. Sie setzte sich an die Nähmaschine. Zusammen mit ihrem Mann Hermann fertigte sie rund 40 Schutzmasken aus Baumwollmaterial an. „Einfach waren sie“, sagt Hermann Böhm, „aber besser als nix.“ Und die Falten habe er in die Maske gebügelt, fügt er nicht ohne Stolz hinzu.

Daraufhin boten einige Frauen ihre Hilfe an. Silvia Lang aus Altmannshof und Ramona Scharl aus Witzlhof können beide mit der Nähmaschine umgehen, Rita Kummert stellte den Stoff zur Verfügung, „Bettwäsche, die noch aus meiner Aussteuer stammt“, erklärt sie. Das Problem war dann fehlender Gummi für die Befestigung der Masken hinter den Ohren. Ein erneuter Aufruf hatte ungeahnten Erfolg. „Hunderte Meter Gummi hatten wir plötzlich“, erinnert sich Martina Böhm. Und dann ging es in die Vollen. Die Näherinnen richteten sich nach einer Internet-Anleitung der Feuerwehr Essen, bis Ramona Scharl ein eigenes Masken-Modell kreierte. Wegen der Kontaktsperre war ein gemeinsames Nähen nicht möglich, so dass die Frauen getrennt zu Hause ans Werk gingen, sich lediglich über Telefon oder SMS abstimmen konnten,

In wenigen Wochen produzierten die Poppenrichter Näherinnen über 200 Schutzmasken und übergaben sie an Altenheime in Sulzbach-Rosenberg. Die dort arbeitenden Poppenrichter Frauen Ulrike Bauer in St. Barbara, Nici Krieger in der Bühler Höhe und Laura Mothes im Kastenbauer-Haus nahmen die Masken für sich und ihre Schützlinge dankbar entgegen. Auch das Praxisteam von Dr. Ulrich-Michael Aigner in Amberg war froh über diese Unterstützung.

„An Ostern haben wir aufgehört“, sagt Hermann Böhm, „denn dann wurden staatlicherseits Schutzmasken zur Verfügung gestellt.“ Jetzt arbeiten die Poppenrichter im kleinen Stil weiter, bedienen Nachbarn und Freunde, die noch keine Schutzmasken haben. Hermann Böhms Dank und Respekt galt den Näherinnen, „die trotz Beruf und Home-Schooling mit ihren Kindern Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit bewiesen haben“. Für ihn selber, so sagt Poppenrichts Zweiter Bürgermeister, war die Mitarbeit beim Maskennähen „Abwechslung, das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und weitaus schöner, als jeden Abend Corona-Talkshows anzuschauen“.

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