Alois Krammer und seine Vorstandsteam kennen kennen die ganze Geschichte dieser Kapelle, von der Idee bis zur Einweihung. Bei einer Maiandacht 1995 kam der Wunsch einiger Frauen nach einer Kapelle auf. Nach alten Erzählungen war nämlich bereits 1880 eine kleine Kapelle gebaut worden - doch der Bischof hatte sich geweigert, seinen Segen dazu zu geben. So konnte sie kein Ort des Gebetes werden. 1920 riss man den Bau wieder ab, nur das Kruzifix wurde aufgehoben - und später in der neuen Kapelle wieder aufgehängt.
Peter Hirmer nahm den Wunsch der Frauen in die Hand. Bei der Gründungsversammlung am 24. Juni 1995 fanden sich 44 Interessierte für den "Kapellenverein Prackendorf" unter seinem Vorsitz. Bei der Standortfrage kam die Flurbereinigung mit der Dorferneuerung zur rechten Zeit. Die Gemeinde kaufte die kleine Hofstelle der Familie Hörl. Nachdem der Standort mitten im Dorf feststand, begann Michael Steidl mit den Planungen. Nach dem Abbruch der alten Gebäude musste die Hanglage in Eigenleistung mit einer stabilen Mauer gesichert werden. Am 17. September 1999 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Tagtäglich waren von nun an freiwillige Helfer auf der Baustelle.
Jeder im Dorf brachte sich mit seinen handwerklichen Fähigkeiten ein. Einheimische und ortsverbundene Firmen halfen bei den verschiedenen Gewerken. "Jeden einzelnen Bauabschnitt feierten wir mit der Dorfgemeinschaft und das schweißte zusammen", erzählt Siglinde Brandl. Gemauert wurde ganz ohne Zement, nur mit Sand und abgelöschtem Kalk setzten die Mauerer die Steine aufeinander. An Arbeitskräften fehlte es an keinem Tag, das ganze Dorf war eingebunden, erzählt Alois Krammer.
Schmunzelnd berichten die Vorstandsmitglieder so manche Anekdote aus der Bauzeit. Manfred Schönberger beschreibt einen amüsanten Pflastertransport. Am 2. Juni 2000 war es soweit, die Johanneskapelle wurde eingeweiht vom Ortsgeistlichen und dem gebürtigen Prackendorfer Pfarrer Michael Bauer. Eine Besonderheit ist der geschnitzte Altar mit dem heiligen Johannes. Er wurde nicht gefasst sondern naturbelassen, genauso wie die beiden Figuren des heiligen Florian und der heiligen Maria. Den heiligen Johannes wählt man als Patron, "weil die Gründungsversammlung zum Kapellenbau an Johanni (24. Juni.) war".
Neuer Platz für alte Glocke
Die Glocke stammt vom Glockenturm der Familia Herl, nach einer Restauration wurde sie im Kapellenturm eingebaut. Auch das Kreuz, das am Giebel der Scheune der Familie Hörl hing, fand einen neuen Platz im Umgriff der Kapelle. Die Kreuzwegstationen im Innern stifteten einzelne Familien. Auf die Frage nach den Kosten antwortet Alois Krammer: "Die Kosten betrugen 290 000 Mark. Sie wurden so klein gehalten durch 2880 Arbeitsstunden in Eigenleistung. Mit Zuschüssen vom Ordinariat, der Dorferneuerung und großzügigen Spenden von Förderern konnten die Kosten gedeckt werden." Die Bauphase und jetzt die Pflege werten die Verantwortlichen als vorbildliches Zusammenarbeiten der Dorfgemeinschaft, alles ehrenamtlich.
Wanderer halten inne
Die Kapelle wird täglich, Sommer wie Winter, von der Mesnerin Siglinde Brandl aufgesperrt. Oft verweilen Wanderer hier für ein kurzes Gebet. Auf dem Weg nach Dautersdorf halten die Eigelsberger Pilger am 15. August an der Kapelle kurz inne. Regelmäßig trifft sich die Dorfgemeinschaft zu Maiandachten, Rosenkränzen, Kreuzwegen, Adventsandachten und anderen Gebetsanlässen. Bei Heimatbesuchen feiern auch die gebürtigen Prackendorfer Geistlichen Michael Bauer und Thomas Fischer dort eine Messe. Das größte Fest ist natürlich das "Hansenfest" um den 24. Juni, wegen Corona musste es zuletzt ausfallen, genauso wie die Feier zum 20-Jährigen der Kapellenjubiläum 2020.
Für heuer ist alles schon geplant: Am 26. Juni gibt es um 10 Uhr Festgottesdienst mit Pfarrer Markus Urban in Konzelebration, anschließend Frühschoppen und Mittagessen. Mit Kaffee und Kuchen klingt das Fest am Nachmittag aus, Gläubige aus Nah und Fern sind als Gäste erwünscht.
Seit dem Tod von Peter Hirmer 2010 hat Alois Krammer das Amt des Vorsitzenden inne. Leicht steigend ist die Tendenz bei den Mitgliedern, aktuell sind es 54, und willkommen sind auch neue Mitglieder, die nicht in Prackendorf wohnen.
Kapellenverein Prackendorf
- Mai 1995 erste Gedanken zum Kapellenbau
- 24. Juni1995 Gründungsversammlung
- 17. September 1999 Grundsteinlegung
- 2. Juni 2000 Einweihung
- 54 Mitglieder
- Vorsitzender Alois Krammer
- Patrozinium 26. Juni
- "Hansenfest" heuer am 26. Juni mit Festgottesdienst, Frühschoppen, Mittagessen, Kaffee und Kuchen



















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