Schmerzhafte Begegnung mit dem Eichenprozessionsspinner

Den Bäumen macht der Eichenprozessionsspinner nicht viel aus. Doch wer, wie Elke Edenharter-Herl aus der Gemeinde Dieterskirchen, mit den Härchen der Raupe in Berührung kommt, erlebt eine unliebsame Überraschung.

Mit Transparenten wird vom Eichenprozessionsspinner gewarnt. 2021 ist im Landkreis Schwandorf kein großer Befall bekannt, jedoch machte ein Ehepaar in Prackendorf eine schmerzhafte Erfahrung.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Ein sonniger Tag Anfang September 2021. Johann Herl und seine Gattin Elke machen sich zu ihrem Waldstück am "Rotbügerl" bei Prackendorf auf. Am Waldrand sind einige Festmeter Holz zum Trocknen gelagert, welches sie nun vor dem Winter als Brennholz nach Hause holen. Das Kleinschneiden wird vor Ort erledigt und die Scheite auf den Wagen geworfen. Zu Hause schichtet Elke Edenharter-Herl diese dann gleich anschließend im Schuppen auf. "Ich hatte Handschuhe und ein T-Shirt an", berichtet sie vier Wochen später der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Und auch, dass sie künftig nie mehr ohne Jacke und Mundschutz "Holz machen" wird.

Denn am Abend, ein paar Stunden nachdem das Holz eingelagert war, spürte sie ein Jucken am ganzen Körper. "Ich hab alles mögliche gemacht, wie Kühl-Akkus draufgelegt und mit Fenistil eingecremt", berichtet Elke Edenharter-Herl. Doch am nächsten Morgen war das Brennen und Jucken nicht vorbei: An Hals, Armen und Bauch hatten sich rote Pusteln gebildet. Im Krankenhaus Oberviechtach bekam die Prackendorferin eine Cortison-Infusion angelegt. Zurück zu Hause, ging es am Abend wieder los.

Stationäre Behandlung

„Ich hatte Juckreiz und starke Schmerzen", erinnert sie sich. Beim Anruf in der Asklepios-Klinik wird der Rat gegeben, sich ins Klinikum Weiden zu begeben. "Hier wurde ich dann zwei Tage stationär aufgenommen und mit Cortison-Infusionen, Medikamenten und Cremes behandelt", berichtet Edenharter-Herl. Und sie stellt fest: "Nachdem wir die Symptome gegoogelt hatten war für uns gleich klar, dass es der Eichenprozessionsspinner war." Schließlich hatten sie das Holz am Waldrand in der Nähe einer mächtigen Eiche gelagert.

Gatte Hans, der weniger Berührung mit dem Brennholz hatte, kam mit Cortison-Cremes und zwei Tagen Krankschreibung "davon". Elke Edenharter-Herl musste eine ganze Woche pausieren und hat jetzt, vier Wochen später, noch immer mit Rötungen zu kämpfen. "Wir hatten nichts von einem Gespinst oder den Raupen gesehen. Aber beim Werfen der Scheite müssen sich wohl die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners gelöst haben", so die Vermutung. Dies wurde dann auch dem zuständigen Forstamt gemeldet.

Einatmen gefährlich

"Ich hatte ja noch Glück", berichtet die Prackendorferin. Denn im Weidener Klinikum habe man sie darauf hingewiesen, dass das Einatmen der Härchen auch Asthma auslösen könnte. Um andere Leute zu warnen, will sie ihre schmerzhafte Erfahrung nun öffentlich machen: "Um das Bewusstsein zu stärken, dass der Eichenprozessionsspinner auch bei uns vorkommt und dass man sich schützen sollte". Und sie ergänzt: "Die Gefahr ist da, auch wenn man sie nicht sieht." Elke Edenharter-Herl rät dazu, die Kleidung nach einem Brennholz-Kontakt gut zu waschen. "Ich lang die Scheite jedenfalls heuer nicht mehr an", stellt sie fest. Das übernimmt jetzt ihr Mann, der das Holz "gut angezogen und mit Maske" in den Heizungskeller befördert. Wer sich informiere, der erfahre schnell, dass der Kontakt mit den Gifthaaren der Raupen eine Immunreaktion auslösen kann, die sich in Juckreiz, Hautentzündungen bis hin zur Nesselsucht bemerkbar machen könne.

Der Eichenprozessionsspinner profitiert von Wärme und Trockenheit. Wie Oberpfalz-Medien im Juli 2021 berichtete, ist die Gefahr wetterbedingt heuer geringer als in den Vorjahren. Fachberater Wolfgang Grosser vom Landratsamt Schwandorf gab auf Nachfrage im Juli Entwarnung: "Das Telefon ist sehr ruhig zurzeit." Früher habe es fünf Anrufe wöchentlich gegeben, die Nester gemeldet haben, jetzt sind es einer, vielleicht zwei. "Das liegt an dem vielen Regen und den heftigen Winden," erklärte Grosser, dadurch seien Raupen auf Bäumen generell dezimiert worden. Doch die Gespinste bergen oft noch über Jahre hinweg ein Risiko für Menschen.

Prozessionsspinner: Befall hält sich wegen kühlem Wetter in Grenzen

Schwandorf
Der Ausschlag am gesamten Bauch juckte stark.
Das Holz lagerte am Waldrand bei Prackendorf.

„Ich hatte Juckreiz und starke Schmerzen.“

Elke Edenharter-Herl ist vier Wochen nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner noch immer nicht beschwerdefrei

Elke Edenharter-Herl ist vier Wochen nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner noch immer nicht beschwerdefrei

Hintergrund:

Der Eichenprozessionsspinner

  • Bis 2018 kam der Eichenprozessionsspinner in der Region nur sporadisch vor. Doch 2019 und 2020 wurden etliche Vorkommen gemeldet. Das nasse Jahr 2021 dämmte die Verbreitung ein.
  • Der Eichenprozessionsspinner ist ein nachtaktiver Falter, der seine Eier auf dünnen Ästen im oberen Kronenbereich von Eichen ablegt. Die Raupen schlüpfen je nach Witterung zwischen Anfang April und Anfang Mai.
  • Anfang Juni bauen die Tierchen ihre Gespinste (Raupennester) an den Stämmen und in Astgabeln von Eichen. Von dort aus wandern sie nachts in Gruppen von etwa 20 bis 30 Raupen zum Fressen in Richtung Baumkrone und kehren im Morgengrauen wieder zurück. Diesen "Prozessionen" verdankt der Eichenprozessionsspinner seinen Namen.
  • Die Raupen häuten sich in den Gespinstnestern. Nach der Verpuppung der Raupe (Anfang Juli) haften dort noch Unmengen der Brennhaare. Daher bergen die Gespinste oft noch über Jahre ein Risiko für den Menschen.
  • Die toxischen Härchen können bei Hautkontakt zu schweren allergischen Reaktionen führen, wie zur Bildung von "Quaddeln" am Körper oder bei Einatmen zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhäuten oder Asthmaanfällen.
  • Wer den Eichenprozessionsspinner im Garten entdeckt, sollte eine Fachfirma beauftragen. Diese rückt im Schutzanzug sowie mit Maske und Schutzbrille an.

 

 

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