18.05.2020 - 11:39 Uhr
PressathOberpfalz

Aus Anlage soll Park werden

Papierkörbe und Bänke fehlen noch, dafür sind die Bauzäune weg. Die Pressather können nun Professor-Dielt-Anlage erkunden.

Noch ist - auch "coronabedingt" - nicht alles perfekt, doch freuen sich Bürgermeister Bernhard Stangl (Mitte), Verwaltungsleiter Christian Moller (rechts) und Bauamtsmitarbeiter Lukas Emmerich, die Professor-Dietl-Anlage nach nahezu abgeschlossener Neugestaltung wieder den Bürgern als Ruhepol und grüne Lunge übergeben zu können.
von Bernhard PiegsaProfil

Kleine „Restarbeiten“ sind noch zu erledigen, und auch auf Sitzbänke, Papierkörbe und die öffentlichen Toiletten müssen Spaziergänger wegen „coronabedingter“ Sondervorschriften vorerst verzichten. Ansonsten aber steht einem erholsamen Streifzug durch die Professor-Dietl-Anlage ab sofort nichts mehr im Wege – insbesondere keine Bauzäune. Die ließ die Stadt nämlich am Freitag beseitigen.

Nicht zuletzt bedeutet dies: Wer den Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege am Ehrenmal ein stilles Gedenken widmen möchte, kann dies jetzt wieder tun. Das „Kriegerdenkmal“ wurde sorgfältig instandgesetzt, am Fuße des Sockels nennt eine Gedenktafel die Namen der Kriegsopfer. Sobald es die Umstände zulassen, will die Stadtverwaltung die feierliche Einweihung nachholen – und vielleicht verbindet sich damit auch eine kleine „Umetikettierung“ verbunden.

„Das schmucke ‚grüne Herz‘ unserer Stadt hätte eigentlich verdient, nicht mehr nur bürokratisch-trocken als ‚Anlage‘ bezeichnet zu werden“, ist Bürgermeister Bernhard Stangl überzeugt. Deshalb wolle er im Stadtrat beantragen, dass aus der „Anlage“ ein „Park“ werden solle. Damit nicht genug: Im künftigen „Professor-Dietl-Park“ wird eine Gedenkstele an den Namensgeber erinnern. Eine noch weiter gehende Aufwertung soll das künftige Nutzungskonzept bringen: „Mit Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüssen hat die Stadt bereits die technischen Voraussetzungen für öffentliche Veranstaltungen wie Serenaden, Konzerte, Feste oder Public Viewing geschaffen.“

An Ensembles, Kapellen und Chören für anspruchsvolle Musikdarbietungen fehle es der Haidenaabstadt immerhin nicht, betont Stangl: „Außerdem haben wir bei unserer Partnereinheit der U.S. Army angeklopft, die ebenfalls über ausgezeichnete Musiker verfügt.“

Kein Bauzaun stört mehr den Blick in die Professor-Dietl-Anlage. Das Gefallenenehrenmal wurde sorgfältig instandgesetzt, nahebei soll bald eine Stele an den Namensgeber, den aus Pressath stammenden Theologen Georg Alois Dietl, erinnern.
Info:

Volksnaher Aufklärer

Professor Dietl? Wer ist das eigentlich? „Georg Alois Dietl, dem die Grazien bei der Geburt gelächelt, sah das Licht der Welt im Jahre 1752 zu Pressath, einem schönen Flecken in der Oberpfalz“, heißt es in dem überschwänglichen Nachruf, den der Landshuter Theologe Anton Drexel seinem „echt-christlichen und menschenfreundlichen“ Dozentenkollegen nach dessen Tod anno 1809 widmete. Ab 1766 besuchte der Sohn eines angesehenen Chirurgen aus alteingesessener Pressather Bürgerfamilie das Amberger Jesuitengymnasium. Dessen Lehrer bescheinigten dem Abiturienten 1772, „aller Empfehlungen würdig“ zu sein.

Im gleichen Jahr trat Dietl, der schon als Kind spielerisch „Messen zelebriert“ haben soll, in den Jesuitenorden ein, den Papst Clemens XIV. allerdings ein Jahr später auflöste. Dem kirchlichen Dienst blieb er indes treu, schloss 1777 in Ingolstadt das Theologie- und Kirchenrechtsstudium ab und empfing im gleichen Jahr die Priesterweihe in Regensburg. Von Jugend auf bildungshungrig und ein begeisterter Anhänger der katholisch-aufklärerischen Reformbewegung, stellte der junge Geistliche als Kaplan in Ebnath (1779-1781) und als Pfarrer im österreichischen Wallfahrtsort Maria Taferl, im niederbayerischen Berg und schließlich in Landshut sein rhetorisches und pädagogisches Talent in den Dienst der religiösen Volksbildung.

Ein Dorn im Auge war ihm dabei vor allem die Fixierung vieler katholischer Christen auf Dogmen und veräußerlichtes Religionsbrauchtum. Mit Nachdruck bemühte er sich deshalb um die geistliche wie geistige Hebung der Gläubigen, die er – womöglich beeinflusst von lutherischen Ideen, mit denen er sich schon als Gymnasiast beschäftigt hatte – zu einem bewusst im biblischen Geiste des „Friedens und der lautersten Liebe“ gelebten Leben zu erziehen suchte. In satirischen „offenen Briefen“ zog Dietl über dogmatische und institutionelle Verkrustung in seiner Kirche her, was ihm Ärger mit kirchlicher wie weltlicher Obrigkeit eintrug. Doch unter dem aufklärungsfreundlicheren bayerischen Kurfürsten Maximilian IV. Joseph wurde er 1799 zum Schulinspektor in Landshut und 1801 zum Dozenten an der dortigen Universität berufen. Als der hochgeachtete Gelehrte am 17. Mai 1809 an einem chronischen Halsgeschwür verstarb, rühmte ihn das „Landshuter Wochenblatt“ als „Boten des Himmels“. (bjp)

Gelebte Nächstenliebe und Friedfertigkeit im Geiste des lebendigen "Wortes Gottes" statt starrer Dogmen und äußerlicher Frömmigkeitsübungen: Mit biblisch orientierten volksnahen Predigten versuchte Georg Alois Dietl den Glauben vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das Bild zeigt den gebürtigen Pressather während seiner Zeit als Pfarrer im niederbayerischen Berg Ende des 18. Jahrhunderts.

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