04.02.2020 - 11:27 Uhr
PressathOberpfalz

Argentinische Tango-Stimmung in Pressath

Das war ein Auftakt nach Maß im Kulturleben des Pressather Jubiläumsjahres. Das Gabla-Tango-Trio sorgte mit feurigen Tango-Weisen für einen voll besetzten Pfarrsaal.

Die ergreifende Vielfalt des Tango Argentino präsentierte das Tango-Trio Gabla im Pressather Pfarrsaal mit großer musikalischer Spielfreude. Das Ensemble besteht aus (von links) Tatjana Kwint am Flügel, Tobias Kalisch am Kontrabass und Norbert Gabla mit dem Bondoneon.

Das Gabla-Tango-Trio bewegte mit hohem musikalischem Niveau das Publikum zu „Sehnsucht, aber auch Hoffnung“, brachte der neue Vorsitzende des Kulturkreises Pressath und Kulturtreffs Kastl, Richard Waldmann, die von „Tango, Tango, Tango“ geladene Stimmung auf den Punkt.

Der Gründer und Bandoneonist des Trios – er konzertierte vor 27 Jahren schon einmal in Pressath – vermittelte humorvoll eine neuartige Sichtweise auf die herkömmliche Vorstellung gewohnter Tango-Musik. Zu vergessen seien Wiegeschritt und die typisch deutsche, romantisch angehauchte Serenade mit den zackig-zickigen Schritten und Bewegungen eng umschlungener Paare nach dem Tanzschulen-Muster.

Tango artikuliere sich enorm vielfältig im Metrum, in der Stimmung und werde zügig gleitend wie auf Kufen getanzt, vereine Macho-Gehabe und Grandezza gleichermaßen. Dabei versprühen die Abwandlungen fröhliche Milonga bis zum Walzer knisternd emotionale Funken oder traurig-ernste Gefühlsmomente durch abrupte Wechsel in Tempo und Rhythmusbewegungen.

Tango Argentino besteht nur zu zehn Prozent aus den Kompositionen des berühmten argentinischen Begründers des Tango Nuevo, Astor Piazolla. Einen Großteil der Interpretationen beim Gabla-Trio nahmen Eigenbearbeitungen ein, die Gabla seinem Vater, seiner Frau und seinem Sohn gewidmet hat: wehmütig, lyrisch „Alter Ukrainer“, gefühlvoll „Juttl’es 3er“ und die pfiffige „Romilonga“ mit Themenwiederholungen.

Die Zusammensetzung des Trios mit Tatjana Kwint am Flügel, die eingangs kraftvoll einen Tango als eine Art Intrada solo vorstellte, dem Kontrabass, der von Tobias Kalisch souverän nicht nur zum Streichen und Zupfen, sondern auch als Schlagwerk eingesetzt wurde, und dem Bandoneon, das sich Norbert Gabla nach eigenen Vorstellungen herstellen hat lassen, um die umfangreiche Gestaltungs- und Ausdrucksvielfalt mit zehn Fingern aus dem Balg und der filigraneren Zunge als beim Akkordeon herauszuholen. An diesem von Deutschland nach Argentinien und Uruguay importierten Instrument brillierte er und erschloss dem staunenden Publikum den Geist des wahren Tangos mit vibrierendem Piano bis zum letzten Ton oder Trommeleffekten. Das war ergreifend und nachwirkend beim meditativen „Ave Maria“ von Piazzolla im gebetartigen „Tanti Anni Prima“ intensiv zu erleben.

Die Variantenreichweite der Tango-Musik mit ihren charakteristischen Gegensätzen repräsentierten weiterhin die schnelle Milonga „Nocturna“ oder die tänzerische „Sambamilonga“ und „Contrabajeando“, temporeich im Duo von Bandoneon und Kontrabass gestaltet. Der Walzer „Desde el Alma“ im Dreivierteltakt von Rosita Melo vermittelte eindrücklich den Liedtext über das Gut-Sein aus tiefster Seele. Für die „schönste Tangoballade“ von Astor Piazzolla, „Oblivion“, lieferte der Kontrabass die ruhige Struktur, das Klavier untermauerte mit Akkorden und das Bandoneon vibrierte die Melancholie der Liedstimme feinsinnig. Ebenso wenig fehlten die Klassiker „El Choclo“ vom „Vater des kreolischen Tango“, Angel Gregorio Villoldo, „La Cumparsita“, „Inspiracion“ und das durch den argentinischen Kultsänger Carlos Gardel berühmt gewordene „Mi Buenos Aires Querido“, für das Norbert Gabla einen „funkigen“ Mittelteil arrangiert hat.

Diese hochmusikalische Musizierfreude öffnete den Zuhörern einen Konzertgenuss, dem die Zugaben „Libertango“ (Piazolla) und das schmissige lautmalerische „La Yumba“ (Osvaldo Pedro Pugliese) die nachhallenden Schlusspunkte setzten.

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