24.05.2018 - 18:48 Uhr
PressathOberpfalz

Bisschen flirten reicht nicht

Der Lippert-Schock ist etwas verdaut, nun kommen die Fragen. Pressaths Junge Union stellt sich eine ganze Menge. Der CSU-Nachwuchs glaubt nicht, dass die Stadt genug getan hat, um das Maschinenbauunternehmen am Ort zu halten.

Lippert: Dass die Firma die Böttgerstraße in Pressath verlässt, die JU kann es nicht fassen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) Die JU Pressath hat mit einer Mitteilung auf die Nachricht reagiert, dass das Maschinenbauunternehmen Lippert von Pressath ins Industriegebiet "Am Stadtwald" Eschenbach umzieht. "Die Firma Lippert kehrt unserer Stadt nach weit über sechs Jahrzehnten den Rücken. Ein Traditionsbetrieb mit rund 250 Mitarbeitern, einer unserer wichtigsten Gewerbesteuerzahler, verlässt Pressath", heißt es in der Erklärung, die Oberpfalz-Medien vorliegt. "Wie konnte das denn passieren? Wer trägt die Verantwortung für die erfolglosen Verhandlungen?" Was bedeutet die Aussage des Geschäftsführers, dass er sich nicht detailliert zu der plötzlichen Entscheidung äußern möchte, da er sonst "schmutzige Wäsche waschen" müsse?". Diese Frage stellt die Junge Union in Richtung der Stadtverwaltung um Bürgermeister Werner Walberer.
Dessen Aussage, die Stadt habe sich den "A... aufgerissen" für Lippert, möchte die Junge Union keinen rechten Glauben schenken. "Das passt doch alles hinten und vorne nicht zusammen und riecht äußerst verdächtig nach verzerrten Wahrnehmungen!" Die Stadt scheine sich in Sicherheit gewogen zu haben und "nach dem ersten Rendezvous schon erwartungsvoll vor dem Altar auf ihre Lippert-Braut gewartet zu haben, während andere Gemeinden ihr rund um die Uhr den Hof machten", heißt es in der Erklärung fast lyrisch.
"Ein bisschen flirten und dann auf Rückrufe warten", sei ein "Anfängerfehler" bleibt die JU im Bild. Die Verantwortlichen der Stadt hätten sich um die "gute Partie" Lippert intensivier bemühen müssen. "Unbedingt persönlich erscheinen, ununterbrochen Aufmerksamkeit schenken - nicht im stillen Kämmerlein sitzen und den E-Mail-Posteingang beobachten". Die Stadt stehe nun vor einem Scherbenhaufen. "Eine riesige Lücke klafft im Steuerhaushalt. Arbeits- und vor allem wichtige Ausbildungsplätze brechen weg." Die Junge Union befürchte, dass "andere Gewerbetreibenden und die Bevölkerung jetzt bluten" müsse.
Um aus dem Fall zumindest Lehren zu ziehen, fordert die Junge Union einen "Masterplan" für die nächsten zehn Jahre. "Dass hier seit so vielen Jahren eine Baustelle nach der anderen vergeigt wird, ist für die Jugend ein schmerzhafter Schlag." Die Erklärung der JU endet dann mit einer mehr oder weniger versteckten Drohung: "Vielleicht sollten wir jungen Leute ja auch lieber mit den umliegenden Gemeinden flirten, wenn das Leben dort 'sexier' ist?"

Info:

Fehlender Grund ein Problem

Wieso fiel die Entscheidung gegen Pressath? Weil sich Lippert-Geschäftsführer Hubert Schug in Schweigen hüllt, gibt es auch eine Woche nach der Bekanntgabe keine klare Begründung des 250 Mitarbeiter-Betriebs in die Nachbarstadt. Fest steht, dass die Entscheidung tatsächlich sehr kurzfristig fiel. Noch einige Wochen vorher, schien alles für Pressath zu sprechen. Verschiedene Quellen sehen den Grund unter Umständen, um den gestiegenen Platzbedarf des Unternehmens. Diesen konnte das Pressather Industriegebiet in Döllnitz zumindest kurzfristig nicht abdecken. Eine Erweiterung wäre zwar möglich gewesen, hätte aber Zeit für die Ausweisung gekostet. In Eschenbach steht dagegen genug Gewerbefläche sofort bereit, weil der ehemalige Bürgermeister Robert Dotzauer die Ausweisung einer größerer Fläche des Stadtwalds veranlasste. Dort müssen zwar Bäume gefällt werden, die aufwändige Beplanung der Fläche ist dagegen bereits erleidgt

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