14.05.2020 - 15:40 Uhr
PressathOberpfalz

Eltern sauer über Situation im Schulbus

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Ihre Kinder würden im Schulbus von und nach Pressath während der Corona-Pandemie viel zu eng aufeinander sitzen, weil das Busunternehmen nun ein kleineres Fahrzeug einsetzt, beklagen Eltern. Inzwischen ist aber eine Lösung in Sicht.

Symbolbild.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die teilweise Öffnung der Schulen während der Corona-Pandemie bringt im Alltag auch Probleme mit sich. So beklagen sich einige Eltern gegenüber Oberpfalz-Medien über die Situation in den Schulbussen. "Bei uns wurde zuletzt ein kleinerer Bus als sonst eingesetzt. Die Abstandsregeln sind da nicht einzuhalten. Alle Maßnahmen werden doch konterkariert, wenn die Schülern in den Bussen eng gedrängt sitzen", beschwert sich ein Vater, dessen Kind auf die Grund- und Mittelschule Pressath geht. "Es ist Aufgabe der Politik einen ordentlichen öffentlichen Nahverkehr anzubieten. Es kann nicht die Lösung sein, dass Eltern sich entscheiden ihre Kinder aus Sicherheitsgründen selbst zur Schule zu fahren."

Die Eltern haben sich auch an Schuldirektorin Ulrike Neiser gewandt. "Wir achten in der Schule streng auf die Einhaltung der Regeln. Nach Auskunft der Regierung ist im ÖPNV und im Schülerverkehr der Mindestabstand ebenfalls einzuhalten, wo möglich. Allerdings ist das nicht immer möglich. Wir haben uns daher auch schon mit dem Busunternehmen Cermak besprochen. Mir wurde zugesichert, dass so bald wie möglich wieder ein größerer Bus eingesetzt wird. Das kann schon ab Freitag der Fall sein, aber spätestens ab Montag", erklärt Neiser auf Nachfrage.

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Weiden in der Oberpfalz

Warum überhaupt ein kleinerer Bus eingesetzt wurde, erläutert Günther Cermak, Geschäftsleiter des Busunternehmens mit den schwankenden Schülerzahlen. "Wir sind natürlich darauf bedacht die Schülerzahlen zu berücksichtigen. Wir haben einen 22-Sitzer eingesetzt, in dem genügend Abstand gewährleistet ist. Der Bus war zu keiner Zeit voll besetzt", erklärt er. Laut seiner Aufzeichnungen sei lediglich an einem Tag der Bus mit 16 Schülern gefahren. Auch Cermak verweist auf das Schreiben des Ministeriums, dass eine Einhaltung der Abstandsregel im Schulbus nicht immer möglich ist.

Die unterschiedlichen Schülerzahlen und der Schichtunterricht machen eine Einschätzung der tatsächlichen Schulbus-Passagiere schwer. "Ich kann bestätigen, dass nach Pressath wieder ein 50-Sitzer eingesetzt wird", sagt Cermak. Finanzielle oder andere Gründe hatte das Vorgehen des Unternehmens nicht, sagt er. Einfach ist die Situation auch für die Busunternehmen nicht. Gerade die Kontrolle der Maskenpflicht, bedeutet auch Mehrarbeit für die Busfahrer.

Stellungnahme des Bayerischen Verkehrsministeriums:

Die aus Infektionsschutzgründen gebotenen Abstände sind in der Vierten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geregelt. Empfehlungen für Mindestabstände im ÖPNV ergeben sich aus den Vorgaben für den allgemeinen öffentlichen Raum. Der Mindestabstand von 1,50 Metern soll dort eingehalten werden, wo dies möglich ist. Im freigestellten Schülerverkehr sowie im ÖPNV ist die Einhaltung nicht durchgehend möglich. Daher wird es hier insgesamt für zulässig erachtet, von der zwingenden Einhaltung der Abstandsregelung abzusehen. Voraussetzung hierfür ist aber das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, die auch in Schulbussen – sowohl im ÖPNV als auch im freigestellten Schülerverkehr – Pflicht ist. Ein Verstoß gegen diese Tragepflicht stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und ist bußgeldbewehrt.

Kommentar:

Wir brauchen Regeln für den Alltag, nicht für's Reißbrett

Die Corona-Pandemie stellt alle vor Herausforderungen. Die schrittweise Öffnung der Schulen bringt wieder neue Fragen mit sich. In den Schulen und im Alltag wird viel dafür getan, die Sicherheitsregeln einzuhalten. Dass Eltern sauer reagieren, wenn sie ihre Kinder dann eng zusammensitzend in einem Schulbus sehen, ist nur nachvollziehbar. Das Bayerische Verkehrsministerium ist sich sogar bewusst, dass es mit den derzeitigen Regeln nicht möglich ist, die Abstandsregeln in Schulbussen immer gerecht zu werden. Anstatt aber eine Lösung anzubieten, ist eine Fahrt auch ohne Abstandsregel möglich. Eltern verlassen sich darauf, dass ihre Kinder sicher zur Schule und zurück kommen. Das Ministerium tut sich keinen Gefallen, wenn es Regeln aufstellt, die es im nächsten Satz entkräftet. Wenn dann Bilder von Schulbussen auftauchen, in denen Kinder zusammensitzen, ist das nur Wasser auf die Mühlen der Corona-Demonstranten. Auch die Maskenpflicht in Bussen wirft Fragen auf. Wer soll dafür sorgen, dass die Schüler brav ihre Masken tragen? Die Busfahrer können das unmöglich alleine leisten. Hier zeigt die Politik wieder, dass sie zwar Vorgaben macht, sich aber um die Umsetzung erst kümmert, wenn es Probleme gibt. Das sollten wir uns gerade während der Corona-Pandemie nicht leisten.

Matthias Schecklmann

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