23.11.2020 - 15:20 Uhr
PressathOberpfalz

Ensemble "Ventuno" gastiert mit "Konzertpaar" in der Pressather Pfarrkirche

Mit Kreativität und freudigem Elan will "Ventuno" die Zuhörer mitreißen und frische Impulse für ein packendes Konzerterlebnis im 21. Jahrhundert setzen. Der Name "Ventuno" – italienisch für „Einundzwanzig“ – deutet auf dieses Ziel hin.

Das Streichorchester "Ventuno" spielte sein erstes Konzert nach den Lockerungen nach dem Corona-Lockdown als Open-Air unter der Theodor-Heuss-Brücke in Nürnberg. Mitte Dezember will es mit weihnachtlicher Barockmusik in der Pressather Stadtkirche konzertieren.
von Redaktion ONETZProfil

Von Heiner Brückner

"Ventuno" konzertiert am Freitag, 18.Dezember, um 17 und um 19 Uhr mit barocker Weihnachtsmusik in der Pfarrkirche St. Georg. Das 2013 gegründete Ensemble ist ein professionelles Kammerorchester aus der Metropolregion Nürnberg.

Den jungen Künstlern ist daran gelegen, mit ihrem Programm routinierte Konzertgänger, aber auch Zielgruppen, die im Allgemeinen mit klassischer Musik weniger vertraut sind, anzusprechen. Auf dem Programm stehen: das Konzert für zwei Violoncelli von Antonio Vivaldi, von Arcangelo Corelli das als „Weihnachtskonzert“ bekannte Concerto grosso und das Brandenburgische Konzert Nr. 4 von Johann Sebastian Bach mit schwungvoller barocker Pracht.

Am Freitag, 18. Dezember, um 17 und um 19 Uhr musizieren die jungen Künstler in der Stadtpfarrkirche St. Georg in Pressath, sofern es die coronabedingten Einschränkungen und Auflagen zulassen. Voranmeldung in der Buchhandlung Bodner, Telefon 09644/8000, ist erforderlich.

ONETZ: Bis zu 21 professionelle junge Musiker wirken je nach Projekt im Orchester "Ventuno" mit. Wie organisieren Sie Ihr Ensemble und die Konzertplanung?

Ensemble "Ventuno": Ein kleines Team aus vier Personen trifft sich etwa alle sechs Wochen und kümmert sich um die Planung der anstehenden Projekte, wobei sich auch viele Orchestermitglieder bei der Umsetzung der Organisation einbringen.

ONETZ: Offensichtlich musizieren Sie ohne Dirigenten. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Ensemble Ventuno: Das Orchester "Ventuno" wurde 2013 vom Dirigenten John Lidfors gegründet. Nach dessen beruflich bedingtem Wegzug hat das Orchester den Mut gefasst, es auch mal ohne Dirigenten auszuprobieren. Das Spiel ohne Dirigent erfordert von jedem Mitspieler ein Maximum an Eigenverantwortung und Konzentration und dieses Unter-Strom-stehen überträgt sich auch auf das Publikum. Die Resonanz auf die ersten Konzerte in dieser Form war so positiv, dass wir dabei geblieben sind. Nur bei größeren Projekten mit Bläsern oder Chor vertrauen wir uns einem Dirigenten oder einer Dirigentin an.

ONETZ: Sie haben sich einen Vermittleranspruch für klassische Musik gesetzt. Wie ist das pädagogische Konzept dazu?

Ensemble Ventuno: Wir veranstalten regelmäßig Kinderkonzerte: Entweder besuchen wir dabei Schulen oder das junge Publikum kommt zu uns ins Konzert. Eine Konzertpädagogin führt anhand einer phantasievollen Erzählung durch ein klassisches Werk und lässt die Kinder auch aktiv, wie zum Beispiel durch Dirigieren, teilnehmen.

ONETZ: Die Corona-Pandemie hat ein unbekanntes Loch aufgerissen. Wie haben Sie die ungewohnte Situation gemeistert?

Ensemble Ventuno: Während des Lockdowns haben wir sehr aufmerksam die Signale aus der Politik beobachtet, wann und unter welchen Umständen wieder kulturelle Veranstaltungen zugelassen werden würden und uns frühzeitig über unser erstes Projekt nach dem Lockdown Gedanken gemacht.

ONETZ: Ihr erstes Konzert nach den Corona-Lockdown-Lockerungen fand als Open-Air unter der Theodor-Heuss-Brücke in Nürnberg statt. Warum haben Sie dafür den für Konzerte untypischen Ort gewählt?

Ensemble Ventuno: Die Entscheidung, ein Konzert dort zu veranstalten, ist schon vor Corona gefallen. Wir wollten ein jüngeres, diverseres Publikum erreichen, als wir es mit unseren anderen Konzerten schaffen. Dass gegen Ende des harten Lockdowns in Aussicht gestellt wurde, speziell Veranstaltungen unter freiem Himmel bald wieder zuzulassen, hat uns sehr dazu motiviert, an der Idee festzuhalten und maximal viel Energie in dieses Projekt zu stecken.

ONETZ: Wie stellt sich das Streichorchester auf die anderen Voraussetzungen in einem Kirchenraum ein?

Ensemble Ventuno: Anders als vor der Pandemie müssen wir jetzt unsere Aufstellung viel genauer planen, um die Abstände einhalten zu können. Die stellen uns noch vor eine ganz andere Herausforderung: Das gemeinsame Musizieren über so große Distanzen, erschwert durch eine hallige Kirchenakustik, erfordert noch mehr Aufmerksamkeit.

ONETZ: In Ihrem Programm „Concerto3.0“ folgt auf den Weihnachtshit von Corelli das 4. Brandenburgische Konzert von Bach. Verraten Sie uns das musikalische Konzept Ihrer Absicht?

Ensemble Ventuno: Das Aufeinanderprallen dieser beiden sehr gegensätzlichen Werke spiegelt die barocke Ästhetik des Spannungsfeldes „carpe diem – memento mori“ sehr anschaulich: Corellis Weihnachtskonzert steht wie alle Weihnachtskonzerte seiner Zeitgenossen in einer Moll-Tonart und symbolisiert so die Kälte der Welt, in die der Heiland hineingeboren wird. Bachs jubelndes 4. Brandenburgisches mit seiner überbordenden Ornamentik ist in seiner Grundstimmung nicht weit entfernt vom „Jauchzet, frohlocket!“ im Weihnachtsoratorium.

ONETZ: Sie haben sich dankenswerterweise spontan bereit erklärt, das Konzert in Pressath zweimal hintereinander zu spielen. Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht?

Ensemble Ventuno: Das Projekt unter der Theodor-Heuss-Brücke war bereits eines dieser „Konzertpaare“, die man jetzt häufiger erlebt. Die Konzerte unterscheiden sich, sind aber beide auf jeweils andere Art irgendwie gleich schön. Leider bleibt diese Erfahrung nur denjenigen vorbehalten, die beide Aufführungen erleben, also meistens uns.

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