04.10.2019 - 15:33 Uhr
PressathOberpfalz

Hessenreuther Berg: Eine Mammut-Baustelle

Kurvig, eng, gefährlich. So kennen Autofahrer die B 299 am Hessenreuther Berg. Nach dem Ausbau der Straße soll das anders sein. Wie sich die Strecke bislang verändert hat, ist ab Mitte Oktober zu sehen. Dann ist der erste Teil fertig.

von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die alten Warnschilder am Abspann, dem höchsten Punkt auf dem Hessenreuther Berg, kündigen es noch an: Die Abfahrt zu beiden Seiten - Richtung Pressath auf der einen und Richtung Erbendorf auf der anderen - ist steil und unbequem. 19 Prozent Gefälle. Nicht wenige Autofahrer hatten besonders im Winter ihre Probleme, den Hang heil hinunter zu kommen oder den Berg bei Schnee und Eis zu erklimmen. Für all die Hessenreuther-Berg-Passierer hat Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach gute Nachrichten. Von den 19 Prozent bleiben nach dem Ausbau der B 299 nur noch 9 Prozent übrig. Eine enorme Erleichterung.

Doch dieser Bereich der insgesamt 4,7 Kilometer langen Strecke ist derzeit noch nicht an der Reihe. Die Hauptarbeiten konzentrieren sich zunächst auf das 2 Kilometer lange Teilstück auf Erbendorfer Seite, das nach Aschen- und Eppenhof führt. Und dort sind die Bauarbeiten bereits gut vorangeschritten, berichtet der Baudirektor. Die Straße wurde von rund 5 auf 7,5 Meter erweitert, ein Regenrückhaltebecken ist entstanden. Seit Anfang Oktober wird nun die Tragschicht asphaltiert. Binder- und Feinschicht folgen bis Mitte Oktober. Dann ist das Teilstück, das laut dem Baudirektor fünf Millionen Euro kostet, fertig. Feinarbeiten wie Böschungen und Pflasterarbeiten sollen noch bis Ende November andauern. Doch Schulbusse und Anwohner können die Straße da schon wieder nutzen. Bislang mussten sich diese auf Sand und Schotter, entlang der Baufahrzeuge, einen Weg zu den Häusern bahnen. "Der Schulbusverkehr wurde aufrechterhalten", erklärt Projektleiter Hans Gschrey. Die Anwohner seien zum Glück geduldig mit der Großbaustelle gewesen, ergänzt Kederer dankbar.

Doch nicht nur die Anwohner sind auf der Baustelle unterwegs. Obwohl die B 299 seit September für den Verkehr gesperrt ist, holpern immer wieder neugierige Autofahrer durch die Baustelle - unbefugt. Die Absperrböcke schieben sie einfach zur Seite, um durchfahren zu können. "Die Anlieger sagen, hier ist oft ein richtiger Tourismus-Verkehr", berichtet Bauaufseher Richard Trescher. "Sie glauben ja gar nicht, was es alles gibt. Die Autofahrer fragen die Arbeiter in den Baustellenfahrzeugen sogar, ob sie wegfahren können, weil sie durchmüssen." "Auf eigene Gefahr", betont Gerhard Kederer, "die Fahrer sind dann nicht versichert." Auch bei diesem Besuch auf der Baustelle rumpelt ein älterer Herr von Pressath kommend mit seinem Auto durch das unwegsame Gelände. Die drei Männer können nur noch den Kopf schütteln.

Bei der Rundfahrt über die Baustelle wird es hinter dem bereits ausgebauten Straßenstück wieder enger und kurviger - dieser 2,7 Kilometer lange Bereich, der 16 Millionen Euro kosten wird, ist noch nicht ausgebaut. Was aber sofort ins Auge sticht, sind die Erdmassen, die neben der Straße aufgeschüttet wurden, und die Helligkeit. "60.000 Kubikmeter Erde haben wir Richtung Pressather Seite verlegt", erzählt Gschrey. Das reiche aber bei Weitem noch nicht, um den steilen Hang aufzufüllen. "Entweder kaufen wir zu oder holen Aushub von anderen Baustellen", informiert Kederer. So könne die Straße schließlich flacher und gleichmäßiger verlaufen. Dass nun auch mehr Licht auf die Straße fällt, liegt an den umfangreichen Rodungsarbeiten. Wurzelstücke zu beiden Seiten der Straße erinnern an die Bäume, die die B 299 einst direkt säumten. Diese sind nun passé.

Die ersten Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt haben mittlerweile auch schon begonnen. "Wir haben mit drei der vier Brücken angefangen", sagt Kederer. Geplant sei zunächst gewesen, Umfahrungen für die Autofahrer zu bauen und die Brücken erst später in Angriff zu nehmen. Die Strecke hätte dann vorübergehend für den Verkehr geöffnet werden können. Aber: "Wir wollen den Bauablauf insgesamt so kurz wie möglich halten, deshalb werden nun gleich die Brücken gebaut", erklärt Kederer. Durch das Weglassen der Umfahrungen könne Zeit gespart werden. "Dadurch ist aber nicht möglich, dass wir die Strecke freigeben." Der Baudirektor schätzt das Ende der Sperrung und des Ausbaus auf Sommer 2021. Allein die Brückenbauten sollen bis zum Frühsommer 2020 andauern. Darunter ist auch eine 50 Meter lange Faunabrücke. Dort könnten Waldtiere die Straße sicher überqueren, sagt Kederer. Denn Umweltschutz und Straßenausbau müssten an einem Strang ziehen. "Bevor wir mit dem Projekt starten konnten, mussten Eidechsen umgesiedelt werden", berichtet Gschrey. "Wir wollen zwar eine Straße bauen, aber man muss ja nicht jeden Vogel aus seinem Nest werfen." Das sei auch der Grund, warum die Bäume ausschließlich in den Wintermonaten gerodet werden durften. Danach richte sich dann auch der Rest der Maßnahme. Und für jeden Quadratmeter gerodetes Waldstück müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden.

Info:

Im Winter Zufahrt zur Loipe

Für Skilangläufer hat Gerhard Kederer noch eine weitere gute Nachricht: Vermutlich zur Weihnachtszeit wird die bis dahin noch nicht ausgebaute Strecke zwischen Pressath und dem Abspann, wo sich die Loipe durch den Hessenreuther Wald schlängelt, noch einmal geöffnet. Dort können die Skifahrer dann parken und in die Loipe einsteigen. Laut Kederer wird die Strecke von Pressath bis zum Abspann zu dieser Zeit geräumt.

Info:

Der Abspann

Der höchste Punkt auf dem Hessenreuther Berg wird Abspann genannt. Gerhard Kederer weiß auch, warum: Fuhrwerkfahrer, die früher den Berg hoch wollten, mussten unten mehr Pferde vor den Wagen spannen, um den steilen Hang überwinden zu können. Oben seien die Tiere dann wieder "abgespannt" worden - daher auch der Name "Abspann".

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