17.10.2018 - 15:09 Uhr
PressathOberpfalz

Kritik am neuen ärztlichen Bereitschaftsdienst

Wer am Wochenende krank wird oder am Abend unter schwerem Fieber leidet, muss mitunter weite Wege auf sich nehmen. Apotheker Christian Mörtl ärgert sich über die Neustrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Nach der Neustrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes müssen die Ärzte ihren Dienst am Klinikum Weiden machen. Das bedeutet für die Patienten teilweise weite Wege.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

„Nach Weiden sind es aus Eschenbach 30 Kilometer, und womöglich hat dann noch eine Apotheke in einem anderen Ort Dienst“, wettert Mörtl, Apotheker aus Pressath. Seit dem 26. Juni gibt es im Landkreis Neustadt keinen ärztlichen Bereitschaftsdienst mehr. Die Bereitschaftsärzte müssen zum Dienst ins Klinikum nach Weiden. Hier ist auch außerhalb der regulären Praxiszeiten geöffnet.

Zu oft hat Mörtl schon Fälle mitbekommen, in denen die Patienten weite Wege auf sich nehmen müssen. „Gesundheitsministerin Melanie Huml ist mit der Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes vor der Ärzte-Lobby eingeknickt“, schimpft er. Zumindest unter der Woche sollten die Praxen doch lokale Bereitschaft machen dürfen. Beim Notarztdienst habe sich zwar nichts geändert, aber durch die weiten Wege, sieht Mörtl ein weiteres Problem: „Die Menschen werden dazu verleitet den Notarzt zu rufen, obwohl es eigentlich nicht notwendig ist.“

Nicht mobile Patienten können zwar über die Telefonnummer 116 117 einen den ärztlichen Fahrdienst nach Hause bestellen, doch auch das sei keine zufriedenstellende Lösung. „Bei fünf Anrufen in kurzer Zeit ist dieser Dienst ausgelastet“, sagt Mörtl. Dr. Wolfgang Rechl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Weiden, weiß um die Belastung des Fahrdienstes: „Ja, da sind teilweise weite Strecken zu fahren. Allerdings haben die Ärzte einen Fahrer. Das gab es früher nicht.“

Mörtl ärgert sich über die Reform: „Das zuvor bestehende und ortsnahe Bereitschaftssystem hatte sich doch bewährt.“ Rechl dagegen ist ein negatives Fazit zu voreilig. „Die Neuerung gibt es seit gut drei Monaten. Wir müssen diesem Kompromiss eine Chance geben und dürfen nicht sofort wieder alles umwerfen. Jede Änderung hat Vor- und Nachteile.“

Ein großes Problem sei die Landflucht der Ärzte. Ein lokaler Bereitschaftsdienst sei auf Dauer auch nicht die Lösung. „Man muss bedenken, dass es vor allem in den ländlichen Regionen viele ältere Ärzte gibt. Wenn sie über 62 Jahre alt sind, können sie sich vom Bereitschaftsdienst befreien lassen“, erklärt Rechl. Durch die neuen zentralen Anlaufstellen würden die Ärzte entlastet.

Für einen Patienten, der in Weiden oder in der Umgebung wohnt, ändert sich ohnehin nichts. Jemand aus Waidhaus oder Eschenbach muss die Fahrtzeit in Kauf nehmen. Aber die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat sich damit eingehend beschäftigt. „Es ist eine bayernweite Reform. Im Bereich Weiden ist die Bereitschaftspraxis innerhalb von maximal 30 Fahrminuten zu erreichen“, erklärt Pressesprecherin Birgit Grain.

Die KVB habe die Standorte so gewählt, dass dies auf nahezu alle Orte zutrifft. Laut Grain bringt die Reform weitere Vorteile mit sich: „Für Patienten ist es nun klarer, wohin sie am Wochenende oder am Abend müssen. Weiterhin werden die Ärzte entlastet, da sie weniger Bereitschaftsdienste machen müssen. Außerdem sind die Praxen oft an Kliniken gebunden und können so direkt in die Notaufnahme verweisen, falls es notwendig sein sollte.“

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