18.04.2019 - 13:38 Uhr
PressathOberpfalz

Osterlicht am Esstisch

Man nehme: einen weißen Kerzenrohling, bunte Wachsplatten, Geduld und Fingerspitzengefühl. Im Pressather Kolpingheim entstehen so kleine Kunstwerke für Zuhause - denn was wäre Ostern ohne Osterkerze?

Gemeinsam basteln Mama Stefanie Sattler und ihr siebenjähriger Sohn Luis eine Osterkerze.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Vorsichtig gleitet die scharfe Messerspitze durch die grüne Wachsplatte. Der siebenjährige Luis Sattler versucht, den Rand der Schablone genau nachzufahren. Seine Mama Stefanie beobachtet ihn dabei, die Hände an den Wangen - aus Angst, dass er sich in die Finger schneidet. Die 33-Jährige hilft ihm schließlich, fährt selbst konzentriert die Linien entlang; erst den Rücken, dann die Beine des Lammes. Luis drückt das Wachs-Lamm auf das gelb-orange Kreuz, das die beiden zuvor aus Wachs ausgeschnitten und auf den weißen Kerzenrohling geklebt haben. Mama und Sohn sind das erste Mal dabei beim Osterkerzenbasteln des Arbeitskreises "Ehe und Familie" der Pfarrei. Die Oma hat die beiden dieses Mal mitgenommen. "Ich bin eigentlich keine Bastlerin", gesteht Stefanie Sattler und legt die nächste Schablone zurecht. "Gut, dass es Schablonen gibt", schmunzelt sie.

Circa 25 Bastler sind mittlerweile ins Pressather Kolpingheim gekommen. Sie suchen sich ein Motiv aus, wählen die Farben - die Auswahl ist groß - und starten. "Die Schablonen werden oft auch gar nicht gebraucht, weil die Teilnehmer so kreativ sind", erzählt Cilla Helm. Sie und Christine Reis haben das Osterbasteln organisiert, das es schon seit bestimmt zehn Jahren gibt, schätzt Helm.

Sohn feuert Mutter an

"Wir könnten noch ein Herz machen", wünscht sich Luis. "Dann hol mal rotes Wachs", sagt die Mama. Mit der Omega-Schablone versucht sie, die Bögen für das Herz zu formen. "Das setzt mich ja jetzt gar nicht unter Druck", murmelt Stefanie Sattler. "Das kannst du", feuert der kleine Luis seine Mama an. Mehrmals wiederholt er den Satz, bis die Mama ein Wachs-Herz in der Hand hält. Zum Schluss sind noch die griechischen Buchstaben Alpha und Omega an der Reihe. ",Anfang und Ende' heißt das - das lernst du schon noch", erklärt sie ihrem Sohn, als er sie fragend anschaut. Die fertige Osterkerze wollen die beiden nun daheim ins Esszimmer stellen, damit sie diese beim Frühstücken immer sehen können.

Alpha und Omega stehen laut der Katholischen Kirche auf der Osterkerze für Jesus Christus - der Erste und der Letzte. Auch das Kreuz, das auf der Kerze zu finden ist, habe eine wichtige Bedeutung: Jesus ist für die Menschen am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden.

Ein paar Stühle weiter sitzt Familie Lindner aus Pressath: Mama Carola, Tim und Jonah. Die beiden Buben wollen jeweils eine eigene Kerze basteln. Ein blaues Kreuz mit einer Sonne soll es werden. Genau wie auf dem Motiv, das Carola zuvor aus einem Heft abfotografiert hat. Die junge Mutter hat den Vier- und den Fünfjährigen genau im Blick, wenn sie mit ihren Messern auf den Schneidebrettern hantieren. "Das Messer andersrum", sagt sie zu Jonah. "Mama", ruft der fünfjährige Tim. Er will ihr die blauen Wachsstreifen zeigen, die er auf der Kerze festgedrückt hat. Carola beugt sich zu ihm, hilft ihm beim Bekleben. Dann ist Tim wieder dran. Die Familie macht schon zum zweiten Mal beim Osterkerzenbasteln mit. "Es macht Spaß", sagt Tim und betrachtet seine Kerze.

Von Anfang an dabei ist Rita Merkl. Jedes Jahr bastelt sie eine neue Kerze, die alten lässt sie komplett abbrennen. Heuer hat sie sich für ein grün-schillerndes Kreuz mit silbernen Applikationen entschieden. Die Vorlage liegt ausgedruckt vor ihr. Präzise schneidet Merkl die Formen aus dem Wachs, schaut immer wieder auf die Vorlage. Die Handgriffe sitzen und so ist Merkl nach gut einer Stunde fertig. Behutsam wickelt sie ihr Werk in Noppenfolie ein, wickelt es aber kurz darauf wieder aus, denn die anderen Bastlerinnen wollen das diesjährige Kunstwerk sehen. Die Brillen fast auf der Nasenspitze beugen sich die Frauen über die Kerze und bewundern das schillernde Kreuz. "Nehme ich ein helles oder dunkles Rot", fragt eine Frau schließlich in die Runde und hält ihre Kerze hoch. Die Damen wenden sich ihr zu und beraten.

Viele kleine Kunstwerke

Neben Merkl sitzt Xaver Anzer. Der Bub macht zum ersten Mal beim Osterbasteln mit und hat großen Spaß. Seine weiße Kerze ist übersät mit vielen kleinen Kunstwerken: Eine Wolke, aus der Tropfen fallen, eine Sonne und Blumen sind beispielsweise zu sehen. Hochkonzentriert dreht Xaver den nächsten kleinen Wachsstreifen zwischen den Fingern und drückt ihn an der Kerze fest.

"Jetzt fällt mir langsam nichts mehr ein", murmelt er und sucht nach einer neuen Idee. "Die Kerze ist eigentlich zu schade zum Anzünden", meint Mama Karin Anzer. Sie freut sich, dass ihr Sohn so viel Spaß beim Basteln hatte und ist stolz auf ihn. Die Kerze soll während der Osterzeit für die Familie leuchten.

Volle Konzentration – Xaver Anzer gibt sich bei der Gestaltung seiner Kerze viel Mühe.
Sie ist von Anfang an dabei: Rita Merkl kommt seit rund zehn Jahren zur Veranstaltung des Arbeitskreises „Ehe und Familie“ in Pressath.
Info:

Die Osterkerze

Die Osterkerze gehört zu Ostern wie das „Amen“ zur Kirche. Die Kerze symbolisiert – auf einen Leuchter gestellt – den erhabenen Christus als Sieger über den Tod, heißt es auf der Internetseite www.katholisch.de, die laut Jakob Schötz, Sprecher des Bistums Regensburg, auf Initiative der Bistümer betrieben wird. Dort teilt die Katholische Kirche auch mit, was auf einer Osterkerze zu sehen ist: Die Buchstaben Alpha und Omega dürften nicht fehlen, genauso wie das Kreuz und Wachsnägel. Die Buchstaben stünden für den Anfang und das Ende, also „für Gottvater und Sohn als Schöpfer und Vollender“. Kreuz und Nägel bezögen sich auf den gekreuzigten Jesus, der für die Menschen gestorben sei, und auf die fünf Wundmale. Auf der Osterkerze ist auch das Jahr abgebildet, in dem sie geweiht wurde. Laut der Homepage brennt die Osterkerze bis Pfingsten im Altarraum.

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