20.02.2020 - 09:59 Uhr
PressathOberpfalz

Pressath: Ein Stadtplatz, fünf Optionen

An einen Stadtplatz werden viel Ansprüche gestellt: Schön und gemütlich sollte er sein, aber auch funktional. Die Stadt Pressath will möglichst alles vereinen.

Das Haus Reinwaldstraße 5 (links, grau) oder das "Rauch-Anwesen" Nummer 9 (unmittelbar hinter dem rechten weißen Gebäude) könnten sich manche Stadträte als Büchereidomizile am künftigen Stadtplatz vorstellen. Keine Zukunft dürften die beiden (weißen) Gebäude des Anwesens Nummer sieben haben: Sie sollen entweder einem Neubau oder einer platzerweiternden Freifläche weichen.
von Bernhard PiegsaProfil

Auf kleinem Raum einen gleichermaßen funktionalen und repräsentativen wie gemütlich-anheimelnden Stadtplatz schaffen – geht das? Ja, meint Stadtplaner Klaus Stiefler und brachte zur Stadtratssitzung gleich fünf Lösungsvorschläge mit. Was davon verwirklicht werden kann, hängt freilich nicht zuletzt vom „schnöden Mammon“ ab.

Dreh- und Angelpunkt der Planung sei, den künftigen Stadtplatz so zu gestalten, dass er sich in die altstadttypische Bebauungsstruktur und Architektur harmonisch einfüge, betonte Stiefler und fand hierfür insbesondere den Beifall Richard Waldmanns (Freier Wählerblock). Sowohl Geschäfte und gastronomische Treffpunkte als auch „zentral und doch ruhig gelegene“ Wohnungen sollten dort Platz finden, und auch für die Stadt- und Pfarrbücherei, deren Räume im Dostlerhaus die Stadt gern für eine Erweiterung des „aus allen Nähten platzenden“ Rathauses nutzen würde, solle möglichst ein Domizil geschaffen werden. Gleich zu Beginn vom Tisch war allerdings der Vorschlag, auf dem Grundstück Alte Schulgasse 2 ein neues Bibliothekshaus zu schaffen.

Dieses hätte nicht nur einen Teil der eben erst durch den Abbruch der beiden unteren „Linshäuser“ geschaffenen Freifläche von Neuem überbaut: „Der mögliche Investor hatte sich desinteressiert gezeigt, und zudem wäre das Haus angesichts der Platzverhältnisse in diesem Bereich relativ klein ausgefallen, wobei eine spätere Vergrößerung nicht möglich gewesen wäre“, berichtete Stiefler. Stattdessen komme für das ehemalige Linshäuser-Areal eine andere Lösung in Betracht: Eine Mauer solle den nunmehrigen „Geländeabsatz“ an der Nordseite des Grundstücks Alte Schulgasse 2 befestigen, oberhalb dieser Mauer sei Raum für einen Verweilort in Gestalt eines Pavillons mit Ausblick auf den Stadtplatz.

Mehrere Optionen erwog der Architekt für die Bebauung des Gebietes südlich und östlich der oberen Reinwaldstraße. Schon aus Kostengründen werde wohl die große Lösung eines Neubaus auf der Gesamtfläche der Anwesen Reinwaldstraße 7 und 9 scheitern: Es sei fraglich, ob sich für ein Bauvorhaben dieser Größe ein Investor finden werde, zumal wenn unter diesem Gebäudekomplex, der aus zwei in Richtung Norden (pfarrhofwärts) giebelständigen Teilbauten bestünde, die ebenfalls wünschenswerte Tiefgarage mit Zufahrt vom Eybweg her gebaut würde.

Drei von Klaus Stiefler zur Diskussion gestellte kleinere Lösungen würden überdies den Vorteil bieten, einer größeren Platz-Freifläche Raum zu geben, indem entweder das Gelände des früheren Getränkemarkts und des „Rauch-Anwesens“ (Reinwaldstraße 9) oder aber das gesamte Grundstück Reinwaldstraße 7 unbebaut blieben. Platz für die Bücherei böte auch ein derart verkleinerter Neubau. Die „kleinste Lösung“ bestünde schließlich darin, das „Rauch-Anwesen“ stehen zu lassen und lediglich um einen rückseitig angrenzenden neuen Trakt zu erweitern.

In dieses architektonisch gefällige Haus könnten die Bibliothek und womöglich auch ein „Bibliothekscafé“ einziehen, empfahl Stiefler. Das Grundstück Reinwaldstraße 7 bliebe auch bei dieser Option unbebaut. Eine Tiefgarage käme allerdings wegen des immensen baulichen Aufwands, mit dem der Bau des Garagengewölbes unter den erhalten bleibenden Fundamenten des Hauses Nummer 9 einherginge, nicht mehr in Betracht.

Info:

Bibliothek „altstadtbelebend“

In der Stadtratssitzung wertete Bürgermeister Werner Walberer die „kleineren Lösungen“ für die Stadtplatzbebauung und insbesondere die auf einen Erhalt des „Rauch-Anwesens“ abzielende Alternative als „aussichtsreich“: „Auch die Regierung der Oberpfalz hat sich interessiert gezeigt.“ In jedem Falle sollte sich die Stadt aber um einen Investor bemühen. Auch SPD-Fraktionssprecher Franz Floth favorisierte den letztgenannten Vorschlag, der am schnellsten zu verwirklichen sei.

Ohnehin sei fraglich, ob sich ein Investor für einen aufwendigen Tiefgaragenbau finden werde, mutmaßte Floth. Ebenso sah es zweiter Bürgermeister Max Schwärzer (CSU), der nachdrücklich für die Erhaltung des „Rauch-Anwesens“ plädierte. Die Details der künftigen Platzgestaltung sollten in einem Architektenwettbewerb geklärt werden. Stefan Brüderer (CSU) regte an, die Stadt- und Pfarrbücherei nicht „in die Altstadt einzuzwängen“, sondern im Musikschulgebäude unterzubringen. Das „Rauch-Haus“ böte sich dann als großzügiges altstädtisches Gaststättengebäude an. Bürgermeister Walberer und Richard Waldmann (Freier Wählerblock) entgegneten, dass die Bibliothek zu einem „altstadtbelebenden Element“ werden könne, zumal wenn man sie mit einem Café verbinde und so beide Aspekte verbinde. (bjp)

Info:

Nicht nur „schöine Eckerla“ schaffen

Stadträtin Charlotte Hautmann (CSU) befürwortete als künftiges „Haus der Bücher“ am neuen Stadtplatz das Anwesen Reinwaldstraße 5. Für dessen Kauf und Renovierung durch die Stadt verwandte sich auch Martin Schmidt (CSU), da es sich um einen architektonisch wertvollen Bau handele. Walberer merkte an, dass die Stadt bereits wegen eines Erwerbs an die Hauseigentümer herangetreten sei. Mit deutlichen Worten wies Schmidt auf die Notwendigkeit hin, bei der Stadtplatzplanung den notorischen Parkplatzmangel im Blick zu behalten: „Wir dürfen in diesem zentralen Bereich nicht nur ‚schöine Eckerla‘ schaffen, sondern brauchen auch Parkplätze, auch für Gottesdienst- und Veranstaltungsbesucher.“

Hieran anknüpfend, verwiesen Hautmann und Richard Waldmann (Freier Wählerblock) auf das begrenzte Angebot innerstädtischer Veranstaltungsstätten. Derzeit sei nur der Pfarrsaal verfügbar, über einen weiteren Konzertsaal sollte man nachdenken. Christian Mörtl (SPD) schlug schließlich einen Wochenmarkt vor: „Immerhin hatten wir ja schon früher den Marktplatz bei der Kirche.“ Bürgermeister Werner Walberer kündigte an, dass die Stadtverwaltung nochmals mit dem Eigentümer des Hauses Nummer 5 sowie mit der Regensburger Regierung „über das weitere Vorgehen“ sprechen wolle. Erst danach solle der Stadtrat endgültig über den Kurs abstimmen, den die Stadtplatzgestaltung nehmen solle. (bjp)

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