22.08.2018 - 16:48 Uhr
PressathOberpfalz

Die Pressather "Familie Dippel" und ein Apothekerfläschchen

Die Namen Dippel, Dippl, von Dippel und Düppel stehen in enger Verbindung zu Pressath. Seit 400 Jahren sind sie in der Stadt zu finden. Ein altes Apothekerfläschchen trägt ebenfalls den Namen Dippel - dahinter verbirgt sich eine Geschichte.

Das Apothekenglas mit der Aufschrift „ELIX ACID DIPPEL“, das von Dr. Hartmut Dippel ersteigert wurde.
von Autor ISProfil

(is) Dippels und Abänderungen dieses Nachnamens gibt es in Pressath einige - und das schon sehr lange: So wurde unter anderem ein Franz Andreas Dippel am 10. November 1772 in Pressath geboren, der dann am 18. Mai 1837 in Königshütte bei Waldsassen verstarb. Dieser Franz Andreas Dippel war ab 1804 zunächst Oberverweser der "Grube Gottesgab" im Gleißinger Fels bei Fichtelberg, später Oberbergmeister in Königshütte bei Waldsassen, wo er 1833 zum Bergrat ernannt wurde. Im Jahr 1810 erhielt er das erbliche Adelsprädikat Edler und Ritter von Dippel verliehen. Außerdem gehörte er von 1825 bis 1837 der Bayerischen Kammer der Abgeordneten an.

Die Historie der Familien Dippel ist durch den gebürtigen Pressather Harald Dippel, der in Swisttal-Heimerzheim im Rhein-Sieg-Kreis wohnt, erforscht und aufgezeichnet worden. Der älteste Sohn von Harald Dippel, Dr. Hartmut Dippel, konnte nun bei einer Auktion von Kunstglas ein besonderes Exponat ersteigern. Nach Auskunft des Deutschen Apothekenmuseums in Heidelberg handelt es sich um ein Glasgefäß, das äußerst rar ist und zu Beginn des 18. Jahrhunderts zur Grundausstattung einer Apotheke gehörte.

Ein ähnliches Glasbehältnis befindet sich im "National Museum of American History" in Washington. In der Beschreibung des Glases heißt es dort unter anderem: "The bottle would have contained Dippel's Acid Elixir, which consists of 1 part sulphuric acid, 5 parts spirits, and 2 parts kermes and saffron. Johann Conrad Dippel (1673-1734) was a German alchemist who is credited with several alchemical recipes."

Was hat dieses Glas nun mit der Pressather Dippel-Familie zu tun? Im alten Pressath hieß es, die Dippel seien "anere Leit" (andere Leute, kommen also aus einer anderen Region Deutschlands). Die Dippel selbst sahen ihre Herkunft "vom Rheine". Dieses führte der Pressather Franz Andreas Dippel 1809 in seinem Nobilitierungsgesuch an König Max I. Josef von Bayern an. Franz Andreas schrieb in diesem Gesuch "mein Geschlecht stammt von dem Rheine her, wo einer meiner Ahnen ein bekannter Arzt gleichen Namens durch die Erfindung des thierischen Oels sich sehr berühmt gemacht hat". Der im Nobilitierungsgesuch angesprochene Erfinder des tierischen Öls ist der Arzt, Theologe und Alchemist Johann Conrad Dippel, geb. 10. August 1673 auf der Burg Frankenstein bei Darmstadt, wohin sich sein Vater, Johann Philipp Dippel, als reformierter Geistlicher geflüchtet hatte, als die Armeen des französischen Königs Ludwigs XIV. das Deutsche Reich verwüsteten.

Johann Conrad hatte ein recht abenteuerliches Leben. In Preußen wurde er durch König Friedrich I. gefördert und erfand das "Berliner Blau", er schrieb gegen das Papsttum, wurde als schwedischer Spion verdächtigt und geriet in Verbannung. Die dänische Königin bat ihn an ihren Hof und Zarin Katharina I. hätte ihn gerne in St. Petersburg gehabt. Zuflucht fand er beim schwedischen König Frederik I., seinen Lebensabend verbrachte er beim Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Johann Conrad gilt als einer der Vordenker der deutschen Aufklärung und ist der Verfasser zahlreicher Bücher. Sein Leben und seine Leistungen wurden in zeitgenössischen Werken im In- und Ausland gewürdigt. Aber auch heute ist J. C. Dippel für die protestantische Kirche noch von Interesse, wie die Dissertation im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus von Stephan Goldschmidt aus dem Jahre 2001 zeigt. Wo ist aber nun der im Nobilitierungsgesuch behauptete verwandtschaftliche Bezug des Johann Conrad zu den Pressather Dippel? Zur Klärung dieser Frage beauftragte der Berliner Rechtsanwalt und Notar Dietmar von Dippel, der mittlerweile verstorben ist, eine Genealogin aus dem Raum Frankenberg/Eder. Nach deren Forschungsergebnissen darf Folgendes angenommen werden: Der Ururgroßvater von Johann Conrad Dippel, der Frankenberger Schulmeister Konrad Dippel, und der Großvater des 1632 in Falkenberg in der Oberpfalz urkundlich auftauchenden Hans Dippel, der Frankenberger Rektor Johannes Dippelius, waren Brüder. Jener Hans Dippel aus Falkenberg ist der Ahne der Pressather Dippel, Dippl, von Dippel und Düppel. Damit stünden die Pressather Dippel zu dem Johann Conrad Dippel verwandtschaftlich in einer "Urvetter"-Beziehung und das Apothekenfläschchen ist bei Hartmut Dippel wieder in der Familie angekommen.

Dieser Kupferstich zeigt Johannes Conradus Dippel, geb. 10. August 1673 auf der Burg Frankenstein bei Darmstadt. Er ist der Erfinder des „tierischen Öls“. Repro: is

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