13.10.2019 - 09:55 Uhr
PressathOberpfalz

Solarpark Riggau: Ingenieur sieht darin Baustein für die Zukunft

Der Riggauer Solarpark – ein Immobilienpreiskiller? Mit dem von einigen Beschwerdeführern befürchteten Wertverlust von Grundstücken rechnen die Fachleute nicht. Im Gegenteil.

In der Stadtratssitzung bemühen sich die Planungsfachleute Klaus-Peter Fels und Matthias Rembold (von rechts, mit Bürgermeister Werner Walberer), Bürgerbedenken zu zerstreuen.
von Bernhard PiegsaProfil

„Vor dem Hintergrund der energetischen Entwicklungsoffensive“ und des „öffentlichen Interesses an Klimaschutz und Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien“ sei mit einer mittelfristigen „Aufwertung der Ortslagen mit ‚Zugriff‘ auf dezentrale Energien zu rechnen“, betonten Ingenieur Klaus-Peter Fels und Landschaftsarchitekt Matthias Rembold. Dies, so Fels in der Stadtratssitzung, könne sogar dazu beitragen, „gerade auch junge Menschen in der kleinsiedlerischen Ortslage zu halten, Perspektive zu bieten bzw. Bestandsnutzungen im ländlichen Bereich weiterzuführen“. Mit dieser optimistischen Vorausschau taten sich etliche Sitzungsgäste spürbar schwer. Auf Stadtrat Richard Waldmanns (Freier Wählerblock) Frage nach den Grundlagen für diese Einschätzung entgegnete der Ingenieur, dass Erfahrungswerte noch nicht vorlägen: „Aber es kann als sicher gelten, dass in etwa 20 Jahren die Option, vor Ort bezahlbare Energie zu generieren, ein bedeutsamer Standortvorteil sein wird. Deshalb sind wir bauleitplanerisch überzeugt, dass eine solche Anlage als Baustein für die Zukunft einen Ort aufwerten und seine Attraktivität steigern wird.“

Auch unter ökologischem Aspekt werde sich die Umnutzung der bisherigen Agrarfläche in eine Photovoltaikanlage eher positiv auswirken: „Mittelbare, geringe negative Auswirkungen auf das Schutzgut Mensch“ ergäben sich „lediglich durch den Verlust von landwirtschaftlicher Produktionsfläche“, wobei bereits vorgesehen sei, das Areal nach einem etwaigen Wiederabbau der Kollektoren erneut landwirtschaftlich zu nutzen. Solange aber der Solarpark existiere, werde sich dank des Verzichts auf eine intensive agrarische Nutzung eine deutlich größere „Biodiversität“ mit vielfältigerer Flora und Fauna einstellen. Zudem sei die „CO2-Einsparung durch die solare Stromerzeugung“ zu bedenken.

Unangebracht sei schließlich der von einigen Bürgern erhobene Vorwurf, die Bevölkerung sei „nicht ausreichend informiert“ worden. Die Planunterlagen hätten zweimal für je einen Monat öffentlich zur Einsicht ausgelegen, jeder habe sich dazu äußern können, und diese Äußerungen seien im Stadtrat öffentlich erörtert und der gesamte Entscheidungsprozess medial begleitet worden. CSU-Rätin Cornelia Träger verteidigte jedoch die Kritiker: „Es sind im Vorfeld zu wenige Informationen an die dortigen Bürger gegangen – man hätte mehr auf sie zugehen sollen, dann wäre der Unfriede nicht aufgekommen.“ Bei der Planung des Altendorfer Photovoltaikparks habe man immerhin aus diesen Erfahrungen gelernt und die Bürger frühzeitig „mitgenommen“.

Info:

Einklang zwischen Natur und Mensch anstreben

Das ungebrochene Interesse der Stadt Pressath an einer Förderung der „Energiewende“ unterstrich Bürgermeister Werner Walberer: „Der Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber wir müssen uns der Frage stellen, wie er unter den Vorzeichen von Klimawandel und Energiewende, angesichts des Ausstiegs aus der risikobehafteten Atomkraft 2023 und aus der umweltbelastenden Kohleverstromung 2030, gewonnen werden soll.“ An der Nutzung von Wind-, Wasser- und eben auch Sonnenenergie werde dann kein Weg vorbeiführen.

Gewiss sei es „nicht immer schön, wenn Kollektorenfelder in der Landschaft aufgebaut werden“. Doch sei man stets bestrebt, derartige Anlagen in einem bestmöglichen „Einklang zwischen Natur und Mensch“ zu planen. Dies sei kein einfaches Unterfangen, und die Stadtverantwortlichen machten sich die damit verbundenen Entscheidungen nicht leicht, bekräftigte Walberer. Zum Schluss des zweidreiviertelstündigen Erörterungsmarathons beschloss der Stadtrat einstimmig die Billigung und öffentliche Auslegung der geänderten Entwürfe für die Flächennutzungsplanänderung und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Ab wann die Bürger diese Papiere im Rathaus einsehen und Stellungnahmen abgeben könnten, werde noch bekanntgegeben, kündigte der Bürgermeister an.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.